Deutsches Theater Marius Müller-Westernhagen kommt mit alten Songs

Marius Müller-Westernhagen hat sein Album „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ neu aufgenommen. Foto: Peter Badge/Typos 1

Mit 70 hat Marius Müller-Westernhagen „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ nochmal aufgenommen. Im Juni kommt er mit den neuen alten Songs ins Deutsche Theater

 

Seit einigen Jahren haben Rockstars einen neuen Dreh für sich entdeckt: Bei ihren Konzerten führen sie ihre erfolgreichsten Alben in kompletter Länge auf. So hat etwa U2 gerade ihre „The Joshua Tree“-Tour beendet – das Album erschien 1987. Marius Müller-Westernhagen hat das Konzept nun einen Schritt weiter geführt. Er geht mit seinem berühmtesten Album nicht nur auf Tour, sondern hat es komplett neu aufgenommen: „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ von 1978.

Dafür hat er keine Kosten gescheut. Er produzierte auf eigene Rechnung in den USA und engagierte einen echten Großmeister: Larry Campbell. Der prägte von 1997 bis 2004 eine der zwei, drei besten Bands, die Bob Dylan jemals hinter sich versammelte. Nachdem der Gitarrist und Multi-Saiteninstrumentalist ging, erreichte Dylans Combo nie mehr ganz die rockige Brillanz wie zuvor.

Im neuen Gewand

Campbell wurde dann Bandleader von The Band-Schlagzeuger Levon Helm. Und er brachte dessen Karriere kurz vor dessen Tod noch mal auf Vordermann – nach vierzig Jahren Flaute. Nun also hat Westernhagen diesen Weltklasse-Musiker engagiert: In einer alten Kirche in der Künstlerkolonie Woodstock produzierte Campbell gemeinsam mit Westernhagen, und als Percussionisten brachte er den ebenfalls renommierte Aaron Comess mit: Der hatte in den Neunzigern kurzzeitig großen Erfolg mit den Spin Doctors.

Es klingt nun wahrlich nicht schlecht, wie diese Könner Songs wie „Mit 18“ spielen. Und doch passt das neue Gewand den Liedern weniger als das alte. 1978 ruckelten und zuckelten vornehmlich deutsche Musiker – auch Münchens Größe Nick Woodland war dabei – durch diese Songs über Rocker und Taugenichtse, über Zuhälter und Hehler, über Säufer im Rausch und am Tag danach. Der Sound war dünn, aber drahtig, und dazu näselte, krähte, gockelte und röhrte Marius Müller-Westernhagen. Das Album war völlig stimmig, und auf dem Kneipen-Cover wurde alles bündig zusammengefasst.

Man muss sich dass trauen

Im „Pfefferminz-Experiment“, so der neue Titel, trägt Westernhagen die Lieder nun als Americana-Moritaten vor: balladesk-langsam, zu schlichter, gediegener Begleitung mit Pedal Steel Guitar, Geige, Akkordeon und leichter Perkussion. Hier rockt nichts mehr, weder „Mit 18“ noch „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“. Statt der testosterongetriebenen Dringlichkeit des 30-Jährigen gibt es nun die Nachdenklichkeit des 70-Jährigen. Das alte Album klang nach Düsseldorfer Eckkneipe, das neue nach holzvertäfeltem Edelrestaurant. Aber die Figuren dieser Songs gehören an den bierdünstenden Tresen und sonst nirgendwohin: Hehlerkönig „Willi Wucher“, der mit allem handelt, von exotischen Frauen bis Heroin, selbst aber Knaben und dunkles Bier bevorzugt; die arme Margarethe, die ihrem Zuhälter zu wenig Geld ranschafft; oder der traurige Suffkopf, dessen bester Freund „Johnny Walker“ heißt.

Wagnis Gaga-Lyrik

Die Texte freilich bleiben auch vor gediegenem musikalischem Ambiente unverändert originell und scharfzüngig: Westernhagen besingt in „Zieh Dir bloß die Schuhe aus“ den armen Spießer Klaus, der ein Leben lang unterm Pantoffel seiner Mutter steht. Er adaptierte so boshaft wie gelungen Randy Newmans „Short People“, nur dass sein Erzähler nicht Kleine, sondern „Dicke“ verspottet.

Und er hatte und hat die Chuzpe für eine ganz eigene Gaga-Kneipen-Lyrik, die man wohl selbst im Suff nicht völlig zu durchdringen vermag: „Pipi ist kein Name, und auch kein Getränk, mancher muss schon rennen, wenn er nur an Pipi denkt.“ Ob das einer nun röhrt wie 1978 oder sanft singt wie 2019: Man muss sich das erst mal trauen.

Marius Müller-Westernhagen: „Das Pfefferminz-Experiment. Woodstock-Recordings Volume 1“ (Polydor/Universal). Live spielt Westernhagen mit Larry Campbell und Band drei Abende im Deutschen Theater: 23., 25. und 26. Juni, 20 Uhr, Karten ab 77,30 Euro: % 55234444
 

 

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