Deutsches Theater Der Watzmann ruft: Musical kommt nach München

Alpine Gaudi mit Gailtalerin und Knecht: Klaus Eberhartinger und Joesi Prokopetz in "Der Watzmann ruft". Foto: Lukas Beck

Im April gastiert das legendäre Musical "Der Watzmann ruft" von Wolfgang Ambros und Joesi Prokopetz im Deutschen Theater. 

 

"Ich war noch nie am Watzmann" bekennt Joesi Prokopetz und gibt zu bedenken: "Da fällt man runter". Für den 66-jährigen Wiener bedeutete der Gipfel im Berchtesgadener Land allerdings einen steil aufsteigenden Weg zum Ruhm. 1974 veröffentlichte er zusammen mit Manfred Tauchen und Wolfgang Ambros "Der Watzmann ruft" - ein "Rustical" aus dem Bergbauern-Milieu, das die alpine Folklore genüsslich mit viel parodistischem Schmäh überzieht. Das Werk sei "völlig sinnlos", erklärt Prokopetz, und "der Einzige, der es sinnvoll findet, ist der Filialleiter meiner Bank".

Seit über 40 Jahren ist die Austropop-Oper Kult und vor zwei Jahren fand die "allerletzte" Vorstellung statt, erinnert sich Klaus Eberhartinger. Der Frontmann der Band Erste Allgemeine Verunsicherung war damals dabei und gehört jetzt auch wieder, unter anderem in der Partie der Gailtalerin, zum Ensemble der "allerallerletzen" Aufführungen. Zur Zeit probt die Sängerin und Regisseurin Brigitte Guggenbichler in Wien eine Neuinszenierung exklusiv für München. Im April wird das Musical zwei Wochen lang im Deutschen Theater gespielt.

MeToo-Debatte verändert das Musical

Damit komme es endlich nach Bayern zurück, freut sich das Team, denn "die Ösis haben sich den Watzmann geschnappt und missbraucht". Bei einer Pressepräsentation erklärte der für die Songtexte zuständige Prokopetz, warum drei Österreicher sich einst für den Watzmann entschieden: "Watzmann" klinge bereits lustig. ""Großglockner" oder "Kahlenberg" wären kein Erfolg geworden", ist Prokopetz sicher. Von der Urbesetzung ist nur noch er übrig. Der gesundheitlich stark angeschlagene Wolfgang Ambros wird ebenso nicht mehr mit "auffi" gehen wie der inzwischen 70-jährige Manfred Tauchen. Die Ambros-Nachfolge übernimmt Mathias Kellner. Der 33-jährige Liedermacher aus Straubing hat mit rauhem Timbre zur Gitarre den Ruf eines "bayerischen Bob Dylan" erworben. Regisseurin Guggenbichler schätzt an ihm, wie selbstbewusst er in die Fußstapfen von Wolfgang Ambros steige: "Er versucht nicht, wie Ambros zu klingen, sondern macht die Songs zu seinen eigenen".

Neu bei der Musik ist auch Anna Katharina Kränzlein. Die Violinistin und Mitbegründerin der Band Schandmaul, hat in den vergangenen Jahren immer wieder mit Wolfgang Ambros gespielt. Als Gast stößt der Münchner Musiker und Lach-und-Schießgesellschaft-geprüfte Kabarettist Ecco Meineke dazu. Der "Herr Ecco", wie Joesi Prokopetz sich ausdrückt, kümmert sich um die tagesfrische und vor allem lokale Satire. Damit soll verhindert werden, dass die Show "ins Bierzelthafte" abgleite. Die volkstümliche Musik und die alpenländischen Trachten bergen die Gefahr, meint Prokopetz, in die Nähe von "Andreas Gabalier oder den Kastelruther Spatzen" zu geraten.

Für Meinecke selbst ist dieses Engagement die Erfüllung eines Jugendtraums. Als er in Kaufbeuren aufwuchs, waren Kassetten mit Kopien des "Watzmann"-Albums begehrt auf den Schulhöfen. Altgedienten Fans, die sich wieder auf den Aufritt einer Nackten freuen, bereitet Brigitte Guggenbichler allerdings eine herbe Enttäuschung. Angesichts der Me-Too-Debatte passe das nicht mehr nicht mehr in die Zeit und auch nicht zu einer weiblichen Regie. Der Befürchtung, dass die 2018er-Version des "Watzmanns" politisch korrekt werde, tritt sie indes entgegen und beruhigt: "Es bleibt etwas schmutzig".


Deutsches Theater, 17. bis 29. April, Di-Fr 19.30 Uhr, samstags 15 und 19.30 Uhr, sonntags 14.30 und 19 Uhr, Tel.: 5523444

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading