Deutsches Theater Amber-Chiara Eul und Florian Koller sind „John & Jen“

John (Florian Koller) und seine ältere Schwester Jen (Amber-Chiara Eul). Foto: Lioba Schöneck

Amber-Chiara Eul und Florian Koller sind „John & Jen“ im Musical von Tom Greenwald im Silbersaal des Deutschen Theaters

 

So exponiert sind nur wenige Studenten in ihrem letzten Studienjahr. Amber-Chiara Eul und Florian Koller sind zwei der nur drei Studenten, die an der Theaterakademie die aktuelle Masterclass bilden. Und als Teil der Ausbildung präsentieren sie zur Zeit im Silbersaal des Deutschen Theaters das Zwei-PersonenStück „John & Jen“: ein sehr politisches Familienstück, das sich über mehrere Jahrzehnte amerikanischer Geschichte spannt.

Amber-Chiara Eul spielt im ersten Akt Jen, die ältere Schwester von John (Florian Koller). Während sie ihre Hippieträume verwirklicht und die Familie verlässt, gerät John unter den Einfluss des patriotischen Vaters, zieht in den Vietnamkrieg und stirbt dort. Im zweiten Akt ist Jen nach gescheiterter Ehe alleinerziehende Mutter von John, dessen Freiheitsdrang sie zu ersticken versucht.

Gegen den Strich

Ein ungewöhnlicher Stoff für ein Musical, aber die Stückauswahl ist für zwei Personen naturgemäß begrenzt, und die beiden Studenten wollten bewusst etwas gegen den Strich heraussuchen – nicht die üblichen Liebesgeschichten. „Es gibt auch kaum Szenen, die man im Internet findet“, sagt Amber-Chiara Eul. Ihr ist es ohnehin lieber, die Rolle allein aus den Songs heraus zu entwickeln, ohne schon durch Vorbilder beeinflusst worden zu sein. Thomas Meinhardt hat das Stück inszeniert, Manfred Manhart (Piano) und Jakob Roters (Cello) liefern die musikalische Begleitung.

Eul steht zur Zeit auch in Nürnberg in „Catch Me If You Can“ auf der Bühne, aber „John & Jen“ ist eine ganz andere Herausforderung. „Man muss die ganze Zeit energetisch dieses Stück tragen“, sagt sie, „das ist schon sehr anders, als wenn man mal zwischendurch abtreten kann, das Kostüm wechselt und die Spannung ein bisschen herunterfahren kann.“

„Am Anfang hat man da großen Respekt“, sagt Florian Koller, „und auch die Angst, ob die Stimme den ganzen Abend hält.“ Er genießt die musikalische Abwechslung, die das 1995 uraufgeführte Stück mit der Musik von Andrew Lippa und Songtexten von Tom Greenwald bietet. „Es hat echt alles: witzige Lieder, richtig schöne, emotionale Balladen, aber auch so Streitlieder, bei denen wir uns kurzzeitig anschreien.“

Für den Wiener stand der Berufswunsch schon fest, seit er im Alter von neun Jahren für gut zwei Jahre die Rolle des kleinen Kronprinz Rudolf im Musical „Elisabeth“ am Theater an der Wien spielen durfte. Die Bühne blieb dann auch in seiner Jugend das Ziel.

Unfassbar gut

Bei Amber-Chiara Eul war das lange ein ferner Traum. Denn wer im münsterländischen Billerbeck aufwächst, für den ist auch die Bühne des Deutschen Theaters kaum näher als der Broadway. In München schaut sie sich nun natürlich die Produktionen an, bei denen Kommilitonen auf der Bühne stehen. Richtig umgehauen aber hat sie zuletzt ein Abend in den Kammerspielen: „Ich fand ,Trommeln in der Nacht’ unfassbar gut, so etwas habe ich schon lange nicht mehr gesehen.“

Koller hingegen schwärmt noch vom Broadway-Besuch im vergangenen Jahr. „Wir haben eine Exkursion nach New York gemacht, das hat wirklich alles überstrahlt.“ Acht Broadway-Produktionen in zehn Tagen haben sich die beiden angeschaut und waren überwältigt von der Qualität der Darsteller. „Die sind perfekt in dem, was sie machen, die Bühnenpräsenz ist einfach überragend“, sagt Florian Koller. Und beiden wurde auch bewusst, dass das Musical dort einen ganz anderen Stellenwert genießt als in Deutschland.

Andererseits ist der Wettbewerb natürlich brutal. „Du kannst jede Woche aus der Produktion gekündigt werden“, sagt Koller, „die müssen also jeden Abend auf der Bühne alles geben.“ Das tun die beiden natürlich auch in „John & Jen“ – und auch am 3. und 4. Mai, wenn sie als Peter Pan (Amber-Chiara Eul) und Captain Hook (Florian Koller) mit dem Münchner Rundfunkorchester auf der Bühne des Prinzregententheaters stehen.

„John & Jen“ noch am 23., 29. und 30. März im Silbersaal (Deutsches Theater), Vorstelllungsbeginn um 20 Uhr

 

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