Deutsches Lied in Israel ESC 2019: "S!STERS", das Armutszeugnis des Vorentscheids

Das Duo "S!sters" will mit ihrem Auftritt "Frauenpower" vermitteln. Foto: Picture Alliance / Britta Pedersen

Der besagte Freitagabend im Februar ist wohl das definitive Armutszeugnis des ESC-Vorentscheids. Das Frauenduo "S!STERS" gewinnt und treibt damit unserer Autorin die Tränen in die Augen. Welche Chancen haben die Fake-Schwestern beim ESC? Und wie alt sind die Sängerinnen?

 

Dieser Artikel dient als Definition für das Wort "Cheesy". Denn das ist der einzige positive Aspekt, denn man aus "Unser Lied für Israel" ziehen kann. Ohne diese "Cheesyness" ging es an diesem Freitagabend nämlich nicht. So gar nicht.

Wer sind Sisters?

Natürlich ist es allseits bekannt, dass der Eurovision Song Contest auf zahllreichen - sei es emotional, styling- oder showtechnisch - Ebenen völlig übertrieben ist. Und da der Vorentscheid ja die kleine Schwester ist, kann er sich diesem Einfluss wohl nicht enziehen. Trotzdem. Das war zu viel. Quasi der Cheesy-Overload. 

Dass tatsächlich der Gewinn an "S!STERS" geht, lässt einen dann aber doch an so einigem zweifeln. Der Jury, den Zuschauern, der ARD und irgendwie auch an sich. Wenn man die Sendung nicht gesehen hat und nur die Siegerinnen hört, ist wohl die erste Frage: "Gab es keine bessere Alternative?". Wenn man sich dann die Sendung anschaut, merkt man: Nicht wirklich. Einziger Lichtblick war "Makeda", die zwar wunderschön gesungen hat, aber wenig Gefühle rüberbrachte. Ansonsten gab es da einen (leider nur stylingtechnischen) Beyoncé-Verschnitt, Klein-Bieber, eine Sportlerin (sie ist während ihres Auftritts auf dem Laufband gelaufen), eine wegbrechende Stimme und schiefe Töne. Die Hälfte hat auch schon mal an "The Voice of Germany" teilgenommen.

ESC-Schwestern: Wie alt sind die Sisters?

Die zweite Frage ist: Wie kann man ein Duo "Schwestern" nennen - im übrigen heißt der Siegersong genauso -, das sich erst kurz vor der Show und vor allen Dingen nur wegen der Show gefunden hat? "Der Song hat bereits existiert und es wurden zwei Interpretinnen gesucht", erklärt die eine Schwester Laurita (26). Da rutscht die Authenzität, die doch heute so wichtig ist - betont das nicht auch Heidi immer? - auf glatte 150 Prozent.

Und dann noch das Ausrufezeichen in dem Namen. Es gab da mal einen Trend, so vor zehn Jahren, da hat man versucht, seinen Namen bei SchülerVZ / StudiVZ / MeinVZ so kreativ wie möglich zu gestalten. Aus Nina wurde dann  N!N@.

Dazu passt auch ganz hervorragend die Frisur von der zweiten Schwester Carlotta (19) bei ihrem Auftritt. Wobei man sich mit ihr eher 20, 30 Jahre zurückversetzt fühlt. Eigentlich fehlt da nur noch eine Windmaschine, bunte Luftschlangen und Glitzer. "Im Song geht es um Frauenpower". Wow. Das ist mal ein ganz neuer Gedanke. Lieb haben sollen wir uns außerdem und zusammenhalten. Da haben sich ja zwei richtige Feministinnen gefunden, wie sie da mit ihren Handys und Lichterketten gemeinsam auf dem Doppelbett sitzen, singen, lachen und Selfies machen. 

Von der Tränenebbe zur Flut

Die Latina mit der souligen Stimme. Sowas in der Art müssen sich die Caster gedacht haben, als sie Laurita (26) zum ersten Mal gesehen haben. Denn Carlotta ist die perfekte Antagonistin dazu. Das blonde, blasse, süße Mädchen. Es ist so gewollt, dass das funktioniert, dass es fast schon ekelt. So sehr Zeugnis der MusikINDUSTRIE und eben nicht der Musik an sich. Seele oder reale Gefühle sucht man an diesem Abend vergeblich. Die Augen bleiben so trocken, dass es fast schon wehtut. Lediglich als die beiden nach Verkündigung des Siegs auf der Bühne stehen, gibt es mal wahre Emotionen. Ganz viele Tränen. Und die absolute Überraschung. "Ich kann nicht mal rechnen", klärt Laurita auf. "Keine Sorge, in Israel musst du nur singen", beruhigt sie gleich Moderatorin Linda Zervakis.

Dieses Gespräch treibt einem dann doch fast Tränen in die Augen. Erinnern wir uns nochmal: "S!STERS" soll für Frauenpower stehen. 

Immerhin: Ralph Siegel wünscht ihnen Glück

Zu Beginn der Sendung träume Peter Urban davon, einen ähnlich starken Song zu finden, wie im vergangenen Jahr. "You Let Me Walk Alone" von Michael Schulte entstand damals beim Song-Writing-Camp in Berlin für den ESC. Aber was viele nicht wissen: Das war nicht Michael Schultes erster Song über den Verlust seines Vaters. Er wollte unbedingt einen guten Song zu diesem "Thema" schreiben. Und obwohl es ein Industrieprodukt ist, ist es eins mit Seele - die Michael Schulte ihm verleiht. Das ist es, was diesen Song von all den anderen an diesem Abend unterscheidet.

Nicht mal Ralph Siegel sieht große Erfolgschancen für das Duo. Aber immerhin, er wünscht ihnen Glück. 

Wer hat das ESC-Lied "Sisters" geschrieben?

Das deutsche ESC-Lied "Sisters" stammt nicht von Ralph Siegel, sondern von Laurell Barker, Tom Oehler, Marine Kaltenbacher und Thomas Steengard. Ursprünglich wurde es für den Schweizer Vorentscheid geschrieben, allerdings wurden keine Interpreten gefunden. Der Song handelt von zwei Frauen, die sich das Leben gegenseitig schwermachen. 

S!sters: Wie heißen die Sängerinnen und sind sie Schwestern?

Das Duo, das aus Laura "Laurita" Kästel und Carlotta Truman besteht, wurde extra für den ESC-Song "Sisters" im Januar 2019 gegründet - vom NDR. Welches Alter haben die Sängerinnen von "S!sters"? Laura ist 26 und Carlotta 19 Jahre alt. Verwandt sind die beiden allerdings nicht und somit auch keine Schwestern.

Und wenn der Artikel noch nicht ausreichend Erklärung für den Begriff "Cheesy" war - Das Urban Dictionary definiert ihn folgendermaßen: Es zu sehr versuchen, plump und unauthentisch.

Welche Chancen haben S!sters mit dem Lied "Sisters"?

Die Aussichten auf einen ESC-Sieg sind nicht besonders rosig. Buchmacher rechnen nicht mit einem der vorderen Plätze. Laut Google-Suchnachfrage landet Deutschland auf einem 18. Platz. Als Favoriten gelten die Niederlande, Schweiz, Russland und Italien.

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