Deutscher Goldreiter sattelt ab Beerbaums Abschied in Barcelona: "Bin mit mir im Reinen"

Der deutsche Springreiter Ludger Beerbaum mit seinem Pferd Casello. Foto: dpa

Ludger Beerbaum kehrt zum Abschied aus der deutschen Equipe an den Ort seines größten Triumphes zurück. Tränen werden wohl nicht fließen.

 

Barcelona/Berlin - Der beste deutsche Springreiter der vergangenen 30 Jahre sattelt ab: Ludger Beerbaum trägt beim Nationenpreis-Finale in Barcelona ab Donnerstag zum letzten Mal den roten Rock der deutschen Equipe. Nach 134 Nationenpreisen, sieben Olympischen Spielen und 24 Championaten macht der Altmeister am Ort seines größten Triumphes Schluss.

"Ganz ehrlich? Ich bin ziemlich entspannt", sagte Beerbaum dem SID vor dem Finale. Bereits bei den Olympischen Spielen in Rio hatte der 53-Jährige seinen Rücktritt erklärt. "Damals war es nicht leicht, jetzt ist es nur noch Vollzug", sagte der viermalige Olympiasieger, der sich in Rio mit Mannschaftsbronze von der großen Bühne verabschiedete.

Für Beerbaum ist es genau der richtige Zeitpunkt. "Ich habe immer gesagt, wenn ich eine 5 vorne habe, will ich die Kurve kriegen und nicht darauf warten, bis mich andere vom Pferd ziehen", meinte der Routinier, der weiterhin als Einzelreiter an Turnieren teilnehmen will.

"Erst ein junger Wilder, später ein Leitwolf"

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) würdigte ihren langjährigen Vorreiter "Ludger Beerbaum hat fast drei Jahrzehnte Championatsgeschichte mitgeschrieben. Erst war er ein junger Wilder, später ein Leitwolf", sagte FN-Generalsekretär Sönke Lauterbach.

Grund zum Jammern hat der zweimalige Mannschafts-Weltmeister wahrlich nicht. "Ich bin mit mir im Reinen. Es lief mal gut und mal schlecht, aber unterm Strich hat es das Schicksal gut mit mir gemeint."

Olympia-Gold 1992 in Barcelona

Sein größter Augenblick war der Einzel-Triumph bei Olympia 1992 in Barcelona. Der erst 28-Jährige mischte im Sattel von Classic Touch die komplette Weltelite auf. Auch mit der Mannschaft gab es unvergessene Augenblicke. 1998 in Rom wurde er an der Seite seines Bruders Markus Weltmeister. 1988 bei Olympia in Seoul ritt Beerbaum auf einem Leihpferd und holte mit einem jungen Team Gold.

Allerdings musste der meinungsfreudigen Schlaks, der als junger Bereiter seine Karriere bei Paul Schockemöhle begann, auch tragische Momente durchstehen. Bei Olympia 2004 verlor die deutsche Equipe Gold, weil bei seinem Pferd Goldfever eine verbotene Medikation entdeckt wurde. 2014 bei der WM in Caen 2014 fiel die Equipe nach einem Fehler von Schlussreiter Beerbaum vom ersten auf den vierten Rang zurück.

Um die Zukunft der deutschen Equipe macht sich Beerbaum keine Sorgen. "Wir haben viele gute junge Reiter", sagte der Altmeister und kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Deshalb sind auch nicht alle traurig, dass ich meinen Platz räume."

Seinen Ehrenplatz in den Annalen hat der neunmalige deutsche Meister sicher. Mit 134 Einsätzen im Nationenpreis verweist er Legende Hans Günter Winkler (105) und Franke Sloothaak (80) klar auf die Plätze zwei und drei.

Das Leben nach der Reit-Karriere

Über mangelnde Arbeit kann sich der Vater von drei Kindern nicht beklagen. Sein 2015 eröffnetes Reitsport-Zentrum "Riesenbeck International" fordert ihn auf ganzer Linie, außerdem will der sechsmalige Europameister als Präsident der Welt-Pferdesport-Akademie den Reitsport in China populärer machen.

In Barcelona will sich Beerbaum mit einem Sieg verabschieden. Das ist durchaus möglich. Bundestrainer Otto Becker setzt mit einer Ausnahme auf das Olympia-Team. Für Meredith Michaels-Beerbaum reitet Janne Friederike Meyer. Über seinen scheidenden Leader sagte Becker: "Ludger war bis zuletzt wichtig. Es ist schade, dass er aufhört." Recht hat er.

 

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