Deutscher Amateur Radio Club Landshut Faszination Funken: Immer beliebteres Hobby der Deutschen

Gemütlich, stimmig, technischer als auf den ersten Blick ersichtlich. Im Bauwagen der Amateurfunker lässt es sich aushalten. Foto: Ingmar Schweder

Würde ein weltweiter Stromausfall die Erdbevölkerung in den kommunikativen Stillstand zwingen, die Funker wüssten weiterhin, was los ist.

Landshut - Der bereits verstorbene Schauspieler Marlon Brando (1924 – 2004) hat es getan. Spaniens ehemaliger König Juan Carlos I. macht es immer noch. Japan ist in dieser Disziplin einsame Weltspitze. Der prominenteste Neuzugang ist der US-amerikanische Serienschauspieler Tim Allen („Hör mal, wer da hämmert“). Was sie alle gemeinsam haben? Sie alle haben die Faszination des Funkens für sich entdeckt.

Die Landshuter Funkamateure – genauer gesagt die Mitglieder des Deutschen Amateur Radio Club e.V (DARC) Ortsverband Landshut U08 – sind richtige Funker-Asse. Zu ihren aktivsten gehören Vorstand Achim Müller, sein Vorgänger Siegfried Deutinger und Oberfunkmeister Martin Hautsch.

Ein gefallener Diktator und ein verirrter Funkspruch aus Israel

Wenn auf der Welt gar nichts mehr gehen würde, dann wären sie und ihre Funkerkammeraden die einzigen, die in Landshut noch den Kontakt zur Außenwelt herstellen könnten. Was sie dazu brauchen? Technisches Verständnis und ein bisschen Draht.

Gefunkt haben die Landshuter schon überall hin. Auch als 1989 in Rumänien das Regime des damaligen Diktators Nicolae Ceausescu zusammenbricht, sind sie live dabei, erkundigen sich nach offenen Flughäfen, suchen Verwandte. Einen Notruf aus Israel haben sie in ihrer Sendestation ebenfalls abfangen können. In Deutschland verunglückte die Tochter einer in Israel reisenden deutschen Familie. Ein israelischer Funkamateur hatte die gesuchte Familie gefunden und die traurige Nachricht übermittelt.

Ihre Clubstation mit dem Rufzeichen Delta – Lima – Zero – Lima – Alpha (DL0LA) steht am Hofberg auf der Weickmannshöhe. Das Haus ist nach einem Brand im vergangenen Jahr saniert. Solange noch an der Technik geschraubt wird, wird aus dem Bauwagen gefunkt. Sie nennen ihre Station: Brücke zur Welt.

Ein eigenes fünfstelliges Rufzeichen hat jeder ausgebildete Funkamateur. Das ist vergleichbar mit einem Daumenabdruck. Wen man da alles trifft, wenn man so durch die Welt funkt? Deutinger, ehemaliger Vorstand der Landshuter Ortsgruppe, funkt zum Beispiel mit Leila, der Tochter des ehemaligen Scheichs Ahmad Zaidan von Saudi-Arabien. Leila hat das höchste aller Rufzeichen ihres Landes – HZ1HZ. Sie hat es nach dem Tod ihres Vaters übernommen. Da sie in Wien studiert hat, spricht sie sogar deutsch.

Hussein I. von Jordaninen, König des Nachbarlandes, wollte wohl ein vergleichbar imponierendes Rufzeichen. Er gab sich schließlich das in dieser Kürze weltweit einzigartige Rufzeichen: JY1! Ob der jordanische König auch die größte Antenne auf dem Dach hat, ist dagegen nicht überliefert.

68.000 Funker gibt es allein in Deutschland. In Landshut sind es gut 120 Clubmitglieder

Beim AZ-Besuch erreicht Hautsch mit Morsecodes zwar kein Staatsoberhaupt. Dafür stellt er den Kontakt mit einem Funkerkollegen aus Brügge her. Die Person am anderen Ende der Funkleitung ist glücklich. Er verspricht, eine Karte aus Belgien nach Deutschland zu schicken. Die Karten werden von den Funkern gesammelt. Besonders beliebt sind Orte, die für einen normalen Menschen kaum zu erreichen sind. Funker sitzen auch in Polargebieten, im unwegsamen Dschungel, auf einsamen Inseln. Nur nicht in Nord-Korea. Da ist Funken tabu.

Funken ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. 68.000 Funker gibt es allein in Deutschland. In Landshut sind es gut 120 Clubmitglieder. Funken, das ist nicht wie beim Radio hören, mal solange am Rädchen drehen, bis der Sender eingestellt ist. Die Ausbildung zum Funkamateur mit Zertifikat dauert etwa neun Monate. Funker können im Idealfall eigene Sender zusammenbasteln. Um am Amateurfunkdienst teilzunehmen, bedarf es einer staatlichen Zulassung.

Das Amateurfunkzeugnis, bei den Funkamateuren kurz Lizenz genannt, wird von der jeweils nationalen Fernmeldeverwaltung verliehen. In Deutschland ist dies die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen. Erst mit Erwerb der Qualifikation darf man sich als Funkamateur bezeichnen und erhält von der jeweils zuständigen Fernmeldebehörde ein individuelles, eindeutiges Rufzeichen zugewiesen. Nach der Ausbildung kommt die Verantwortung. Funker stehen für die Idee der Völkerverständigung zusammen.

Die Ausbildung zum Funkamateur mit Zertifikat dauert etwa neun Monate

Bekommen die Funkamateure Besuch, wird ihnen immer die gleiche Frage gestellt: Wie ist es denn möglich, ohne Satelliten und mit nur einem Draht Funkverbindungen über die ganze Welt herzustellen? Die Antworten auf diese Fragen findet man im Physikunterricht und bei den Funkamateuren vor Ort. Um das Hobby Amateurfunk zu betreiben, sind Grundkenntnisse über Funkausbreitung und Funktechnik nötig. Lernen kann das jeder bei den Profis. Der Einstieg ist ohne Probleme möglich.

Auch bei den Funkern gibt es schwarze Schafe: Um sich von nicht zugelassenen Personen abzugrenzen, wird beim Amateurfunkdienst zwischen Funkamateur und Amateurfunker unterschieden. Darin begründet sich auch der wesentliche Unterschied zwischen Amateurfunkdienst und grundsätzlich frei nutzbaren Funkanwendungen wie CB-Funk, PMR-Funk, SRD-Funk.

Der DARC ist der größte Verband von Funkamateuren in Deutschland und die drittgrößte Amateurfunkvereinigung weltweit. Mit über 34.000 Mitgliedern vertritt der DARC die Interessen der Funkamateure aus ganz Deutschland.

Nach dem Kodex, den sich die Funkamateure gegeben haben, sollen sie sich weltweit für Toleranz, Technikbegeisterung, Wissenschaft, Bildung und Hilfsbereitschaft einsetzen. Weder politische, religiöse, militärische noch kommerzielle Zwecke sollen im Amateurfunk jemals Bedeutung erlangen. Der zweite zentrale Aspekt ist, die Behörden beim Aufbau von Nachrichtenverbindungen in Katastrophenfällen und Krisengebieten zu unterstützen.

Ferienprogramm Landshut: Im Sommer können Jugendliche wieder mitfunken

Für interessierte Jugendliche, die das Funken einmal ausprobieren und den Verein kennenlernen wollen, gibt es gute Neuigkeiten: Das wegen des Brandes im vergangenen Jahr ausgefallene Ferienprogramm der Stadt Landshut gibt es wieder. Ein weiteres Ereignis ist im Juni, die Teilnahme am "Fieldday Contest" in Kemoden bei Vilsheim. Dort werden die Funker eine Kurzwellenstation auf einem Feld aufbauen. Der Strom wird mittels Dieselaggregat erzeugt. Die Messlatte für den Verein ist hoch, da die Landshuter bei Teile des deutschlandweiten Wettbewerbes im Juni und im September 2017 gewonnen haben.

Der Ortsverband Landshut ist einer etwa 1.040 Ortsverbänden deutschlandweit und gehört zu den aktivsten, als auch Mitgliederstärksten in Niederbayern und der Oberpfalz. Weitere Informationen im Internet unter www.u08.de.

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