Deutsche Symphonie-Orchester Berlin Kent Nagano dirigiert Schumann und Brahms im Gasteig

Der Dirigent Kent Nagano. Foto: Felix Broede

Kent Nagano und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin mit Symphonien von Robert Schumann und Johannes Brahms

 

Wenn es im Konzert pfeift und es nicht zum Stück gehört, ist es wahrscheinlich ein Hörgerät. An diesem Abend haben die Musikfreunde, die in der Philharmonie immer wieder mit gerecktem Hals nach der irritierenden Geräuschquelle suchen, sogar noch Glück im Unglück: Das kleine Ding piepst durchgehend auf „g“, einem Ton, der sowohl zum Es-Dur der Symphonie von Robert Schumann wie zum c-moll derjenigen von Johannes Brahms meist ganz gut passt.

Es ist aber eher verwunderlich, dass die empfindliche Technik im Ohr ausgerechnet bei diesem Konzert so überreagiert. Denn Kent Nagano kommt mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin eigentlich ohne dynamische Extremwerte aus, und das bei zwei Werken, die stark nach Außen drängen. Sowohl die Pracht der „Rheinischen“ von Schumann als auch die im Kopfsatz mitunter krampfende Expressivität der Symphonie Nr. 1 von Brahms verbleiben hier aber in klassizistisch vorgezeichneten Bahnen, anstatt auch einmal Entgrenzungen zu wagen.

Etwas zu sehr gezähmt

Nagano hat mit dem Orchester, dem er von 2000 bis 2006 als Chefdirigent vorstand, sorgfältig gearbeitet. Die Klangkultur ist gepflegt, das DSO erfreut mit vielen Schönheiten, etwa edel metallischen Hörnern, die aus voller Brust schmettern können. Erhöhte Aufmerksamkeit widmet Nagano dem Streicherkörper. Er realisiert in beiden Symphonien die jeweiligen Stimmengeflechte transparent und atmend. Besonders beeindruckt die Konzertmeisterin Marina Grauman, die, mehr den Kollegen als dem Publikum zugewandt, mit sanfter Entschlossenheit führt.

Auf Dauer aber fragt sich, ob Naganos durchgehend leisetreterische Haltung nicht beide Werke allzu sehr zähmt. So machen sich etwa die schüchternen Klarinetten und Fagotte im Mischklang zu wenig bemerkbar. In Schumanns Dritter geht nicht nur im Kopfsatz der meisterliche Kontrapunkt unter, Nagano dirigiert zudem über die erhabene Tiefgründigkeit des vierten Satzes recht glatt hinweg.

Auch von der Schwerstarbeit, die Brahms in seiner Ersten leistet, bevor die Musik zum finalen Jubel durchbrechen kann, ist nichts zu spüren. Mit eleganten, teilweise gar galanten Bewegungen serviert Nagano philharmonische Einheitskost. Vielleicht hat sich das Hörgerät genau deshalb gemeldet: um gegen diese Verharmlosung zu protestieren.

Am 18. und 19. Juni wird Kent Nagano mit den Münchner Philharmonikern jeweils um 20 Uhr das Oratorium „Arche“ von Jörg Widmann aufführen, Karten unter Telefon 54 81 81 400

 

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