Der Weg zur Steckdose So funktioniert Münchens Stromversorgung

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.

Das Hauptumspannungswerk in Oberföhring verbindet München mit dem überregionalen Netz. Hier sehen Zeugen den hellen Lichtblitz, der letztlich die halbe Stadt verdunkelt

 

MÜNCHEN Bis der Strom in Münchner Steckdosen landet, wird er von 380000 auf 230Volt herunter transformiert. Eine Spannung von 380000 Volt – das würde kein Toaster der Welt verkraften. Das Umwandeln geschieht in verschiedenen Stufen – vom Hauptumspannungswerk bis zum Ortsverteilerkästchen wird die Spannung des Stroms immer weiter reduziert.

In den Höchstspannungsleitungen fließt der Strom mit einer Spannung von 380000 Volt. Mit dieser hohen Spannung kann der Strom besser und vor allem schneller über weite Strecken transportiert werden. In die Leitungen des Höchstspannungsnetzes wird Strom aus ganz Deutschland eingespeist und mit europäischen Ländern ausgetauscht.

Spannung, die in Volt gemessen wird, ist der Druck, mit dem der Strom fließt. Je näher der Strom den Haushalten kommt, desto geringer.

München ist an zwei Punkten mit dem überregionalen Netz verbunden: den Hauptumspannungswerken in Menzing und Oberföhring, die die Spannung von 380000 Volt auf 110000 Volt reduzieren.

Dass es zwei Hauptumspannungswerke gibt, ist der Grund, warum nur die Hälfte der Münchner im Dunkeln saß. Im Hauptumspannungswerk in Oberföhring sahen Augenzeugen eine hellen Lichtblitz, einen sogenannten Überschlag. Es ging dann kurzzeitig vom Netz.

Eine Kettenreaktion wurde ausgelöst: Das Heizkraftwerk Nord ging vom Netz, in einem Umspannungswerk in Aubing fiel der Transformator aus. Es war nicht mehr genug Strom im Netz, um alle Verbraucher zu versorgen. Die Stadtwerke mussten heute zugeben, dass der Fehler, der zum Blackout führte, in ihrem Netz lag.

Fällt irgendwo ein Element aus, gibt es Sicherungen, die das ausgleichen. Doch so viele Schäden konnte das Netz nicht verkraften. Das nördliche Netz schaltete sich automatisch ab. Halb München war um 7 Uhr ohne Strom.

Denn vom Westen in Aubing, Pasing, Laim bis nach Schwabing im Nordosten werden 450000 Münchner mit Strom versorgt, der das Umspannungswerk Oberföhring passiert, um transformiert zu werden.

Je näher der Strom in die Stadt kommt, umso mehr wird er reduziert. Das hat auch Sicherheitsgründe: Ist die Spannung hoch, müssen aufwendige Schutzvorrichtungen gebaut werden und Sicherheitsabstände eingehalten werden. Zudem wird das Netz durch die unterschiedlichen Spannungen stabiler.

In München sind alle Stromleitungen als Erdkabel verlegt. Lediglich die Leitungen, die das Münchner Netz mit dem europäischen Verbundnetz, den Höchstspannungsleitungen, verbinden, sind Freileitungen. In der Stadt selbst haben die Stadtwerke München nochmal 35 Umspannwerke, die den Strom von 110000 Volt auf 10000 Volt reduzieren, er fließt dann durch das „Mittelspannungsnetz“.

Dann geht’s weiter durch eine der rund 4800 Netztrafo-Stationen, wo der Strom von 10000 auf 400 Volt reduziert wird. Kabel führen dann zu den Ortsverteilerkästchen, in denen der Strom eine Niederspannung von 230 Volt erhält.

Erst nach und nach konnten die Techniker die Stadtviertel wieder an das Stromnetz schalten. Denn das ist sensibel: Angebot und Nachfrage des Stroms müssen genau übereinstimmen – ansonsten könnte wieder alles zusammenbrechen.

 

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