Der Schauspielstar im AZ-Interview Mario Adorf: „Sorgenloses Leben – ohne Kinder!“

Monique und Mario Adorf ganz verschmust. Dabei gibt er doch zu: „Wir haben oft gestritten.“ Foto: Gnoni-Press

Hier erklärt Schauspielstar Mario Adorf, warum er nicht zum richtigen Italiener taugt – und wieso er mit seiner Monique auch ohne Nachwuchs so lange glücklich ist

 

Der 82-jährige Schauspieler mit italienischen Wurzeln ist demnächst mit „Die Erfindung der Liebe“ wieder im Kino zu sehen. Das AZ-Interview mit Schauspielstar Mario Adorf.

AZ: Herr Adorf, welche Rollen spielen Sie am liebsten?

MARIO ADORF: Ich bin kein Selbstdarsteller wie manche andere Kollegen, sondern suche mir lieber Rollencharaktere raus, die mir fremd sind. Das erweitert meinen Horizont. Das einzige, was ich nicht mag sind gewalttätige Rollen. Das ist nicht meine Welt, und das will ich nicht bedienen. In Italien war ich mal drauf und dran, der zweite Charles Bronson zu werden. Ich genoss große Popularität beim Publikum für eine Gangster-Rolle, in der ich viele Leute abgeknallt habe. Trotzdem war es mir so zuwider, dass ich die Fortsetzungen abgelehnt habe.

Wie viel Italiener steckt in Ihnen?

Trotz meines italienischen Vaters verfüge nicht über die romanische Leichtigkeit. Ich habe seinerzeit sehr viel dafür getan, um Italiener zu werden, aber ich musste feststellen, dass ich zu deutsch bin für Italien. Ich war immer ein Fremder – zu neugierig, zu pünktlich und zu diszipliniert für dieses Land. Und heute fällt es mir schwer, Sympathien für ein Land zu empfinden, das so korrupt und kaputt ist. Eine sehr traurige Entwicklung, nicht zuletzt aufgrund des grauenvollen Einflusses von Berlusconi.

Wo ist Heimat?

Heimat ist da, wo man aufgewachsen ist, seine ersten Kinderlieder gesungen hat und wo man seine erste große Liebe erfahren hat. Bei mir ist das Mayen in der Eifel. Zwar eine raue und steinige Gegend, aber derlei Heimatgefühle habe ich sonst nirgends auf der Welt.

Was tun Sie, damit Sie fit bleiben?

Wenig Sport, Schwimmen am liebsten, keine Liftings, keine ernsthaften Diäten. Meine gute Kondition ist kein Verdienst, sondern ich schreibe sie guten Genen zu. Mal schauen, wie lange das noch gut geht. Irgendwann wird es einen Schlag oder Unglück geben – und dann ist Schluss.

Angst vorm Ende?

Ja. Aber nicht so, dass es mir schlaflose Nächte bereitet. Sondern ich sage einfach, solange ich Spaß habe, solange ich weiter machen kann, solange ich noch eine Rolle spielen kann, gehört dies zu meinem gespielten Leben. Das Altern ist ein sehr langsamer und unmerklicher Prozess.

Was sagt der Arzt?

Der ist zufrieden mit meinen Werten. Es zwickt ab und zu mal, aber im Großen und Ganzen, fühle ich mich gesund. Ich bin noch kein Tattergreis, auch wenn ich mir nicht mehr ganz so viel zutraue wie früher. Autofahren zum Beispiel nicht mehr so gerne. Aber damit muss man sich abfinden und nicht dagegen ankämpfen.

Sie sind seit über 40 Jahren mit Ihrer Frau Monique zusammen. Deren schönste Eigenschaft?

Da gibt es einige. Sie besitzt einen enorm sicheren Instinkt, der über die Intelligenz hinaus geht, den ich bewundere und auf den man sich verlassen kann, der ganz untrüglich ist. Das Zweite ist das Miteinander lachen können. Selbst wenn wir streiten. Wir haben oft gestritten, sind aber nie böse auf einander eingeschlafen, weil wir vorher immer alles ausdiskutiert haben.

Warum haben Sie keine große Familie?

Ich komme aus einer kleinen Familie ohne große Bindungen und hatte nie das Bedürfnis, das zu ändern. Und als ich seinerzeit in den Verhoeven-Clan einheiratete, war mir das so zuwider, dass ich mich mit Händen und Füßen dagegen gewährt habe. Ich wollte nicht Teil eines Clans sein und hatte nichts am Hut mit Weihnachten, mit Ostern und all diesen Sachen. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Auch keine Lust auf Enkelkinder?

Überhaupt nicht, nein. Monique und ich hätten sicher gerne ein Kind gehabt. Aber das hat damals eben nicht funktioniert und wir haben uns damit abgefunden. Das ermöglichte uns ein egoistisches, sorgenloses Leben – ohne Kinder, ohne Schulen und diese ganzen Probleme. Wir haben es uns – so gesehen – leicht gemacht. Aber schön leicht!

 

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