Der Schauspieler im Interview Christoph Maria Herbst: Nie wieder Stromberg

Herbst mal zwei: Die Zwillingsbrüder Matthias und Tom (Christoph Maria Herbst) in "Besser als Du" Foto: ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach

Christoph Maria Herbst hat Bernd Stromberg hinter sich gelassen und widmet sich neuen Herausforderungen wie der Doppelrolle in seinem neuen Film "Besser als Du". Was man bei akuter Stromberg-Sehnsucht machen kann und warum man ihn nicht auf Twitter findet, verrät Herbst im Interview.

 

Herbst im Doppelpack: In "Besser als Du" (17.4., 20:15 Uhr, Das Erste) spielt Christoph Maria Herbst (49) den biederen Familienvater Matthias sowie dessen Zwillingsbruders Tom, einen sprunghafter Schauspieler mit Schnodderschnauze. Von dessen Existenz hat Matthias keine Ahnung, bis Tom urplötzlich in sein Leben platzt und es gehörig durcheinanderwirbelt. Herbst sieht man in der Verwechslungskomödie gleich zweimal - und doch ist er für viele wohl weiterhin mit "Stromberg" verknüpft. Warum man nicht auf eine Fortsetzung der Erfolgsserie oder des dazugehörigen Kinofilms warten sollte, erzählt er spot on news im Interview.

Wenn Sie die Gelegenheit hätten, in das Leben eines anderen zu schlüpfen, wen würden Sie sich aussuchen?

Christoph Maria Herbst: Durch meinen Beruf darf ich ohnehin ständig in verschiedene Rollen schlüpfen. Also ist mein Bedarf an Rollentausch eigentlich gedeckt. Ich möchte jetzt nicht unbedingt für Angela Merkel oder sonst jemanden einspringen. Ich bin eigentlich ganz zufrieden mit meiner eigenen Haut oder den Häuten, die ich mir zwischendurch überstreife.

In diesem Film spielen Sie gleich zwei Rollen. War das anstrengend oder hat es Spaß gemacht?

Herbst: Beides. Die Anstrengung hat Spaß gemacht. Für einen Schauspieler ist eine Doppelrolle natürlich ein Dorado. Das Herausforderndste bei dem Film war sicherlich, dass die beiden Zwillingsbrüder total identisch aussehen mussten, sonst hätte die Prämisse der Verwechslungskomödie nicht funktioniert. Zugleich sollte der Zuschauer immer wissen, wer gerade gezeigt wird. Sogar am Set gab es allerdings manchmal Situationen, in denen selbst die Regisseurin nicht wusste, wer ist jetzt wer. Zwischendurch habe ich mich selbst schon gefragt, wer bin ich jetzt eigentlich - das war teilweise schon sehr schizoid.

Die beiden sind noch dazu grundverschiedene Typen. Mit welchem der beiden können Sie sich eher identifizieren: dem Spießbürger Matthias oder dem Lebemann Tom?

Herbst: Ich glaube, ich bin eine ganz gute Schnittmenge aus den beiden. Ich bin weder ein totaler Kontrollfreak, noch ein machohafter Lebemann. Ich sehe mich da in der Mitte.

Tom hat eine Tätowierung. Würden Sie sich je tätowieren lassen?

Herbst: Nein. Das ist eine Kunstform, die mir absolut fremd ist. Ich könnte mich auch gar nicht entscheiden, welches Motiv ich nehmen sollte, und ob das nun ein Arschgeweih werden oder auf meinen großen Kopf gestochen werden soll. Das ist eine Sache, die total an mir vorübergegangen ist - genauso wie Twitter.

Wie kommen Sie jetzt auf Twitter?

Herbst: Es fängt immerhin beides mit T an. Vielleicht komme ich deswegen darauf, weil so viele Kollegen von mir das tun und sich damit brüsten, wie viele Follower sie haben. Das brauche ich nicht, genauso wenig wie Facebook.

Sie hätten doch sicher viele lustige Gedanken, die Sie so mit der Welt teilen könnten.

Herbst: Das mag sein, aber ich will das gar nicht. Ich teile das dann meinen liebsten Menschen um mich herum mit, und das sollte genügen. Und die sogenannten Freunde, die man bei Facebook generiert - sind das wirklich Freunde? Das ist mir alles zu virtuell und nicht greifbar genug.

Ihr Leben hätte anders verlaufen können, ursprünglich haben Sie eine Lehre zum Bankkaufmann gemacht. Wären Sie auch glücklich, wenn Sie diesen Weg weitergegangen wären?

Herbst: Diese Frage kann ich nur aus dem Bauch heraus beantworten, und zwar mit einem ganz klaren Nein. Ich wäre selbstverständlich nicht glücklich geworden in einer Bank oder einer anderen kaufmännischen Laufbahn. Wenn ich auf eine Sache stolz bin, dann darauf, dass ich damals meinem Bauchgefühl gefolgt bin. Der Schauspielberuf war damals eine Herzensentscheidung und ist bis heute eine Herzensangelegenheit. Ich gehe fest davon aus, dass sich diese nichtgelebte Leidenschaft irgendwann somatisiert hätte und ich auf Dauer eine Krankheit davongetragen hätte.

Mit dem "Stromberg"-Film haben Sie die Serie würdig verabschiedet. Können Sie sich vorstellen, eines Tages doch noch einmal in die Rolle des Bernd Stromberg zu schlüpfen?

Herbst: Wir sind alle der Meinung, dass wir "Stromberg" zu einem wundervollen Ende geführt haben, noch dazu mit einem sehr erfolgreichen Kinofilm. Deswegen ist es unwahrscheinlich, dass es eine Fortsetzung geben wird. Bernd wird ohnehin immer weiterleben. Wir leben in einem digitalen Zeitalter, in dem er über DVDs oder Online-Streaming jederzeit abrufbar ist, wenn jemand Sehnsucht nach ihm hat. Und wenn den Leuten das nicht reicht, dann lade ich sie ein, sich in bundesdeutsche Großraumbüros zu begeben - da laufen nach wie vor mehr Strombergs herum als einem lieb ist.

Sie sind demnächst wieder im Kino zu sehen, und zwar in Tommy Krappweis' Verfilmung seines eigenen Romans "Mara und der Feuerbringer". Hätten Sie Lust, Ihr eigenes Buch als schräge "Traumschiff"-Folge zu verfilmen?

Herbst: Ich glaube nicht, dass man mich ließe. Dazu müsste ich erst ein eigenes Schiff bauen oder chartern. Ich hatte allerdings tatsächlich Anfragen von Produktionsfirmen erhalten, ob ich aus meinem Buch ein Drehbuch machen wolle. Das habe ich immer abgelehnt. Denn meine Erlebnisse bei einem TV-Format wieder fürs Fernsehen zu verfilmen, halte ich für überflüssig. Außerdem habe ich meine Erlebnisse beim "Traumschiff" natürlich überhöht dargestellt - mindestens 80 Prozent entstammen meiner Fantasie. Ich bin damals nicht mit dem Ansinnen aufs "Traumschiff" gegangen, daraus ein Buch zu machen. Ich habe das nur geschrieben, weil ich mich dort gelangweilt habe.

Würde es Sie denn reizen, einmal ein Drehbuch zu schreiben oder Regie zu führen?

Herbst: Ich fühle mich mit der Schauspielerei sehr wohl, aber manchmal kribbelt es mich schon. Wenn ich irgendwann das Gefühl hätte, dass ich mit meinen Rollen nicht mehr herausgefordert bin oder dass alle Figuren, die in mir schlummern, auserzählt sind, würde ich schon gerne den Blickwinkel wechseln. Wie ich mich kenne, würde ich allerdings nicht gleich mit einem fetten Kinofilm anfangen, sondern lieber erstmal mit einem Zweimannstück in irgendeinem Hinterhoftheater.

 

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