"Der Pate" als Klangerlebnis Ein Angebot, das man nicht ablehnen sollte

Ein ganz besonderes Vergnügen: Kino als Konzerterlebnis Foto: Veranstalter

 

Justin Freer dirigiert das große Kinokonzert in der Philharmonie

Das zeitlose Meisterwerk von Francis Ford Coppola „Der Pate“ (1972) wird auf einer großen Leinwand in HD gezeigt, während die unvergänglichen Melodien von Nino Rota live von einem Symphonieorchester aufgeführt werden. Die Saga, die sich über mehrere Generationen spannt, erzählt die Geschichte des Mafia-Clans der Corleones und ihre Konkurrenz mit anderen verbrecherischen Familien New Yorks zwischen 1945 und 1955, als die Titelfigur (Marlon Brando) die Macht seinem jüngsten Sohn (Al Pacino) übergibt. In München spielt das Tschechische Nationale Symphonieorchester unter der Leitung von Justin Freer.

AZ: Herr Freer, erinnern Sie sich daran, als Sie das erste Mal den Paten gesehen haben?

JUSTIN FREER: Natürlich. Ich war zwar noch nicht geboren, als der Film erstmals in die Kinos kam, aber ich habe ihn sehr früh gesehen, mit elf Jahren – und ich war überwältigt. Ich habe den Film dann sehr häufig angeschaut, ohne zu wissen, dass ich jemals die Filmmusik dirigieren würde. Meiner Meinung nach ist „Der Pate“ einer der besten Filme, die jemals gedreht worden sind, wenn nicht der beste. Ich war also zunächst nur ein großer Fan.

Und dann haben Sie ein Angebot erhalten, dass Sie nicht ablehnen konnten.

Genau, wir sind mit dem Paten schon durch Nord- und Südamerika, Australien und Teile Europas getourt. Überall ist der Film populär und die Stimmung war großartig. Was ist die größte Herausforderung für Sie als Dirigent? Natürlich müssen wir die Atmosphäre des Films so genau wie möglich wiedergeben. Francis Ford Coppola hat das Projekt selbst überwacht, und wir mussten eine Menge der Musik rekonstruieren, weil es die Partituren für viele Teile gar nicht mehr gab. Manche sind verloren gegangen, manche waren in so schlechtem Zustand, dass sie kaum noch lesbar waren. Es war also unsere größte Herausforderung, die Musik zu rekonstruieren. Und natürlich muss man vollkommen akkurat mit dem Tempo sein. Ich habe einen kleinen Videomonitor auf dem Podium vor mir, damit ich ganz genaue Einsätze geben kann.

Was machen Sie mit der ganzen sizilianischen Musik?

Das sind doch mindesten zehn Minuten auf den beiden Hochzeiten im Film. Es sind sogar fast 20 Minuten. Und diese Stücke sind fast alle nicht von Nino Rota, sondern von Francis Ford Coppolas Vater komponiert worden. Er war ein sehr guter Komponist und hat diese ganzen Tarantellas geschrieben. Die werden natürlich alle bei uns live eingespielt – wie auch der Song „I have but one Heart“, der im Film von Al Martino gesungen wird. Die Originalstimmen aber sind aus dem Film.

Sind die klassisch ausgebildeten Orchestermusiker Tarantellas überhaupt gewohnt?

Aber sicher. Die Herausforderung für die bestens ausgebildeten Musiker ist es hier, eher zu klingen, als sei man nicht so perfekt. Das macht aber auch besonderen Spaß.

Es heißt doch immer, Filmmusik sei dann besonders gut, wenn man sie nicht wahrnimmt. Beim „Paten“ ist die Filmmusik aber eher eine der Hauptrollen.

Ich bin auch überhaupt nicht der Meinung, dass Filmmusik nicht wahrgenommen werden sollte. Wenn Menschen so etwas sagen, meinen sie wahrscheinlich, dass die Musik so perfekt zum Film passt, dass man sie nicht als störend wahrnimmt. Aber ich kann Ihnen versichern: Schauen Sie sich berühmte Filmszenen an – und machen Sie es noch einmal ohne die Musik. Der Zauber geht einfach verloren.

Im „Paten“ ist die Filmmusik besonders dominant.

Auf jeden Fall. Die Musik ist zwar auch oft im Hintergrund, aber sie ist sehr stark, hat einen ganz besonderen Charakter und hilft die Gefühle des Dramas zu transportieren, die Psychologie der Figuren zu erklären.

Sie haben schon „Titanic“ dirigiert, „Gladiator“, „Breakfast at Tiffany’s“...

Und derzeit bereiten wir weitere Kinokonzerte vor, etwa „50 Jahre Star Trek“. Das ist ja auch die Idee dieser Produktionen: Auch junge Menschen wieder an die Orchestermusik heranzuführen, an die Konzerthallen. Das hilft auch, eine Brücke zu bauen zwischen den Bereichen von Klassik und Kino, die ursprünglich ja zusammengehörten, inzwischen aber oftmals ein sehr getrenntes Publikum haben.

„Der Pate live“ am 20. Oktober 2015 um 20 Uhr in der Philharmonie, Tickets unter  01805 - 607070

 

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