Der neue Krimi von Lars Kepler: "Lazarus" Die Angst des Jägers

Das Autoren-Ehepaar Alexandra und Alexander Ahndoril vor dem Polizeirevier in Stockholm, wo ihr Kommissar Joona Linna ermittelt. Foto: Olivier Favre

Alexandra und Alexander Ahndoril alias Lars Kepler lesen auf dem Krimi-Festival aus dem neuen Buch "Lazarus"

 

Natürlich war Henning Mankell sauer. Nicht, weil sich das Buch des bisher unbekannten Autors Lars Kepler so unverschämt gut verkaufte, sondern dass keiner – nicht einmal der Verlag – wusste, wer dieser Typ überhaupt war, und man auf ihn, Mankell, tippte: Majestätsbeleidigung!

Sieben Krimis und zehn Jahren später ist jetzt „Lazarus“ erschienen und längst bekannt, dass das Autoren-Ehepaar Alexandra und Alexander Ahndoril hinter den Schwedenkrimis steht, in denen ein ruhiger, radikaler Kommissar, Joona Linna, zusammen mit seiner schönen, kindheitstraumatisierten Kollegin, Saga Bauer, einen gewissen Jurek Walter jagt. Aber den hat Saga Bauer im letzten Band ja eigentlich erschossen.

Die Härte einer "optimistischen" Literaturgattung 

Den Titel „Lazarus“ ziert eine glänzende, blaue Schlange, mit kalten Augen, was eine dunkle, unheimliche Gefahr symbolisieren soll. Und gleich zu Beginn wird klar: Jurek Walter, der gejagte Mörder, der sich selbst die Hände nicht schmutzig macht, ist „von den Toten auferstanden“ – kurz: er hat überlebt. Und so passt es auch, dass er diesmal Opfer lebendig begräbt und durch ein Luftrohr und gelegentliche Nahrungszufuhr am Leben erhält.

Und es passieren unzusammenhängende Morde in Nordeuropa, die eben doch bald die Handschrift eines Mannes zu tragen scheinen, der es gar nicht gewesen sein kann: Jurek Walter, selbst ein zerstörter Mann, dem wir am Ende auch begegnen, dessen Idee es ist, nicht einfach zu morden, sondern seinen Jägern möglichst große Angst einzujagen und ihnen mit den Taten einen Psychospiegel vorzuhalten. Und es ist ein Spannungstrick des Thrillers, dass Jurek Walter diese Morde gar nicht begangen haben kann.

In einem Pressegespräch hat Alexander Ahndoril Krimis als eine „optimistische“ Literaturgattung bezeichnet, weil sich der Leser darauf beruhigend verlassen kann, dass am Ende das Böse besiegt wird, nur dass am Ende nie mehr der gleiche Zustand herrscht wie vor den Verbrechen. Im Falle von „Lazarus“ ist das extrem so. Denn sowohl die Kommissare als auch ihre Angehörigen werden derart krassen Belastungen ausgesetzt, dass man danach nicht mehr einfach zum Alltag übergehen kann. Das ist vielleicht die wahre Härte der letztlich klassischen Lars-Kepler-Thriller – bei aller Erleichterung nach dem Show-Down.

Lars Kepler: „Lazarus“ (Lübbe, 637 Seiten, 22 Euro), Die Lesung von Alexandra und Alexander Ahndoril beim Münchner Krimifestival ist am Sa, 23. März, 18 Uhr, Klinikum Rechts der Isar, 10 Euro

 

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