Mehmet C Yesilcay vertont "West-östlichen Divan" Münchner Symphoniker spielen Goethe im Gasteig

Das Pera-Ensemble (in Schwarz) mit Mehmet C. Yesilçay, dahinter die Münchner Symphoniker und der Domchor und sie Capella Cathedralis. Rechts: Sophie Pollak. Foto: Münchner Symphoniker

„Goethe verbindet“ mit den Münchner Symphonikern: Der Musiker und Komponist Mehmet C. Yesilçay hat Texte aus Goethes „West-östlichen Divan“ vertont

 

Mitwirkende aus 16 verschiedenen Nationen, Grußworte von Minister und Oberbürgermeister im Programmheft, hehre Formulierungen wie „Dialog der Kulturen“: Ein Projekt wie „Goethe verbindet“ hat immer auch eine politische, völkerverständigende Dimension. Und das Publikum in der Philharmonie findet schnell Zugang zum abendfüllenden Werk „Divan“ des deutsch-türkischen Musikers Mehmet C. Yesilçay und der Regisseurin Martina Koppelstetter: Man sieht überall, selbst auf der Bühne, Leute, die bei den eingängigen Rhythmen versonnen mitnicken. Die politische Mission eines interkulturellen Dialogs wurde voll erfüllt.

Für die kompositorische Ebene kann man ein solches Glücken nicht ganz behaupten. Yesilçay ist ein professioneller Oud-Spieler – das ist die arabische Laute – und war als solcher an vielen Weltmusik-Projekten beteiligt. Für das an klassischer Musik geschulte Ohr klingen die Soli, welche die Musiker des Pera Ensembles auf Ney (Rohrflöte), Kanun (Kastenzither), Kemence (Laute), Oud und Perkussionsinstrumenten beitragen, authentisch und interessant.

An der Aufgabe, eine „Symphonische Dichtung“ zu komponieren – es ist eher eine Art von Oratorium geworden –, hat sich Yesilcay aber verhoben. Statt eine eigenständige Form zu finden, etwa mit Entwicklungen und Höhepunkten, beschränkt er sich einfach darauf, sich an der Folge der Texte aus der Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“ von Goethe brav entlang zu hangeln.

Carl Orff im orientalischen Filmrausch 

Das Muster ist mehr oder weniger oft das gleiche und führt schnell zur Ermüdung: Viel zu viel Text ist dem Sprecher anvertraut, dann folgen kurze Musikschnipsel des Orchesters und etwas umfangreichere Passagen der Solisten und der Chöre, wobei der Domchor München und die Capella Cathedralis oft schlecht zu verstehen sind.

Herbert Knaup rezitiert die Gedichte launig, stark und sinnfällig, muss aber trotz Mikrophon mehrmals die Stimme erheben, um sich gegenüber den Münchner Symphonikern unter der Leitung von Olivier Tardy zu behaupten, die fast immer im Tutti eingesetzt werden. Der Stil der eher illustrativen und atmosphärischen Zwischenspiele schwankt zwischen einer Chorbehandlung à la Carl Orff, pathetischer Filmmusik, die manchmal an alte Bibel-Monumentalfilme erinnert, sowie leichter Muse wie aus dem Promenadenkonzert.

Einige der Gesangssoli gar, welche die wunderbare Marie-Sophie Pollak mit ihrem sinnlich-cremigen Sopran und Bryan Lopez Gonzalez mit weichem Tenor vortragen, klingen wegen der technischen Verstärkung merkwürdigerweise nach Operette und Tonfilmschlager.

Das ist unter dem Strich ein bisschen viel Crossover – selbst für einen Text, der zwischen zwei Welten vermittelt, zumal all diese Stile, wiewohl für sich genommen ansprechend, nicht kompositorisch bewusst geformt oder in vielgestaltige Verhältnisse gebracht sind – und alles zusammen zu lang geraten ist. Aber vielleicht reicht es für eine solche Veranstaltung auch, wenn der Zweck, also der Dialog zwischen den Kulturen, erfüllt ist.


 
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