Der Modell-Killer im Porträt Haderthauer-Partner Roland S.: Mörder und Modellbauer

Der Dreifachmörder Roland S. gilt auch nach 25 Jahren in der geschlossenen Psychiatrie als nicht therapierbar. Mit diesem Mann machte Hubert Haderthauer Geschäfte. Der Modell-Killer im Porträt

 

Straubing - Seine Psyche ist kaputt und lässt sich nicht reparieren. Daran ändert auch nichts, dass Roland S. (74) mit einem Wert von 150 einen Intelligenzquotienten aufzuweisen hat, der dem von Albert Einstein entspricht. Drei Menschen starben durch seine Hand.

Und auch jetzt noch, nach 25 Jahren ununterbrochenem Aufenthalt in der Psychiatrie, ist er viel zu gefährlich, als dass man daran denken könnte, ihn am Ende seines Lebens in Freiheit zu entlassen. Mit diesem Mann machte Landgerichtsarzt Dr. Hubert Haderthauer, der Ehemann von Bayerns Sozialministerin, 15 Jahre lang Geschäfte.

Im Bezirkskrankenhaus von Ansbach, wo er damals beruflich tätig war, lernte Haderthauer den psychisch schwer deformierten Dreifachmörder kennen. Das Nürnberger Schwurgericht hatte Roland S. 1988 zu lebenslanger Haft verurteilt und ihn in die geschlossene Abteilung des Bezirkskrankenhauses einliefern lassen. Wie stark den Arzt dessen Krankheitsbild interessierte, ist nicht bekannt.

Auf jeden Fall interessierte er sich für die geniale Fähigkeit von Roland S., Modellautos von höchster Präzision zu konstruieren und zu bauen. Von da an sah er in ihm offensichtlich vor allem einen geschäftlichen Partner.

Mit den Modellautos, die Roland S. in der Psychiatrie baute, zuerst in Ansbach, ab 2000 in Straubing, begann Hubert Haderthauer, der Gesellschafter einer Firma wurde, einen schwunghaften Handel. Die einzelnen Stücke im Maßstab 1:8 waren wegen ihrer herausragenden Qualität bei Sammlern äußerst begehrt. Im freien Handel und auf Auktionen erzielten sie Spitzenpreise von mehr als 30 000 Euro.

Heute beteuert der Gatte der Sozialministerin, dass es ihm in erster Linie auf den therapeutischen Zweck angekommen sei und Gewinnstreben keine Rolle gespielt habe. Lediglich rund 7000 Euro habe er pro Jahr mit den Luxus-Modellautos verdient (AZ berichtete).

Eine Therapie hätte bei Roland S. vielleicht ein Stückchen weit gewirkt. Eine echte Chance, sein kaputtes Seelenleben wieder einzurenken, bestand nicht. Bei seiner Verurteilung hatten ihn zwei anerkannte Experten begutachtet und waren zu dem Ergebnis gelangt, dass der dreifache Mörder Zeit seines Lebens nicht mehr therapierbar ist.

1971 tötet Roland S., der homosexuell veranlagt ist, zum ersten Mal. Opfer ist ein 24 Jahre alter Bekannter, den er mit Fäusten und einer mit Sand gefüllten Socke niederschlägt, fesselt und mit einem Kabel erdrosselt. Der Leiche schneidet er den Penis ab. Roland S. wird wegen nicht auszuschließender Verminderung seiner Schuldfähigkeit zu 14 Jahren Haft verurteilt. Gut acht Jahre später, im Dezember 1980, ist er wegen guter Führung wieder ein freier Mann. Der Versuch einer Therapie findet nie statt.

Zwei Jahre später wird er erneut festgenommen. In Freiburg muss er sich für den Tod eines 17-Jährigen verantworten, dessen nahezu völlig skelettierte Leiche in einem Waldstück gefunden worden ist. Doch die Beweise reichen nicht aus. Roland S. ist nach dem Prozess 1984 frei. Er zieht nach Fürth – und wird erneut zum Mörder.

An verschiedenen Stellen im Wald wird die zerstückelte Leiche eines Versandarbeiters gefunden. Der Kopf an einer Stelle, die Beine an einer anderen, zuletzt der Torso. Auch bei diesem Mann, wie bei den anderen beiden, wurde der Penis abgetrennt. Die Freiburger Polizei liefert schließlich den entscheidenden Hinweis auf Roland S. Diesmal gesteht er. Auch den Mord, für den er freigesprochen worden war.

Das Nürnberger Schwurgericht hat nach der Begutachtung seiner Psyche keine Zweifel und schickt ihn in die Psychiatrie. Dort entdeckt Roland S. seine Fähigkeit, perfekt Modellautos zu bauen.

Der Arzt Hubert Haderthauer machte daraus ein Geschäft.

 

7 Kommentare