Der letzte braune Hirsch Das Jagdmuseum und seine Nazi-Vergangenheit

Gnu und Giraffe: 1938 sind Trophäen aus exotischen Ländern gefragt. Foto: Stadtarchiv, lkr

Das Jagdmuseum in der Innenstadt ist lange für seine NS-Vergangenheit kritisiert worden. Jetzt hat es seine Gründung aufgearbeitet.

 

München - Matador ist zurück. Das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum (DJFM) hat das kontroverse Geweih, einst in Ostpreußen von Reichsjägermeister Hermann Göring geschossen, aus dem Depot geholt. Während die Trophäe jahrzehntelang unkommentiert an der Wand hing, ist sie nun Teil einer Ausstellung, in der die nationalsozialistische Gründung des Hauses aufgearbeitet wird.

"Wir reagieren damit auf berechtigte Kritik und korrigieren die bisherige Schieflage in der historischen Selbstwahrnehmung", sagt die kommissarische Museumsdirektorin Jennifer Schmaus. Es bestehe kein Zweifel, dass das zwischen 1933 und 1938 gegründete Museum eine signifikante nationalsozialistische Ausrichtung gehabt habe, pflichtet ihr Stadtarchivar Andreas Heusler bei. Gemeinsam mit Historikerin Christine Rädlinger hat er sowohl für die neue Dauerausstellung zur Gründungsgeschichte sowie eine Sonderausstellung mit dem Titel "Jagdgründe. Eine andere Geschichte der Macht" recherchiert.

Natur, Heimat, deutscher Wald: Elemente der NS-Zeit

Die Jagd als Symbol der Mächtigen ist unbestritten. Bereits in Antike und Mittelalter inszenierten sich die – vornehmlich männlichen – Eliten mit Merkmalen aus der Jägerei. Besonders der Nationalsozialismus entdeckte den Natur- und Tierschutz als Propaganda-Instrument. Natur, Heimat und der deutsche Wald wurden beliebte Elemente der völkischen NS-Ideologie.

Ein Verfechter der ersten Stunde: der Münchner Stadtrat und Hitler-Duzfreund Christian Weber. Der ehemalige Pferdeknecht, Jäger und korrupte Politiker trieb die Errichtung des Museums mit aller Kraft voran.

16. Oktober 1938: Eröffnung des Jagdmuseums in München

Bereits am 26. April 1934 setzte Weber das Museum auf die Tagesordnung der Sitzung des Hauptausschusses der Stadt München. Der nach der Gleichschaltung ein Jahr zuvor neu eingesetzte Oberbürgermeister, Karl Fiehler, unterstützte Webers Museumsvorhaben. Die Gründung des Museums wurde in den folgenden Jahren maßgeblich von der "Hauptstadt der Bewegung" finanziell gefördert.

Als Standort wurde schließlich der Orangerietrakt im Nordflügel von Schloss Nymphenburg inklusive Hubertussaal festgelegt. Am 16. Oktober 1938 wurde das Jagdmuseum noch vor Beendigung der Bauarbeiten mit viel Pomp und einem Festzug durch die Stadt eröffnet.

Weder Adolf Hitler noch Reichsmarschall Hermann Göring, neben der Menschenjagd unter anderem für Forst und Naturschutz zuständig, nahmen an der Veranstaltung teil. Vor allem Göring hatte sich gegen Webers Prestigeobjekt vehement gewehrt. Eine Schirmherrschaft für das Museum lehnte er ab, nicht zuletzt, weil er in Berlin eigentlich ein eigenes Reichsjagdmuseum plante.

Nach Kritik: Museum hängt NS-Trophäen heimlich ab

Später stellte Göring der Sammlung einige Exponate zur Verfügung. Die drei zu zweifelhaftem Ruhm gelangten Hirschgeweihe namens "Odin", "Augustus" und "Matador" aus der Rominter Heide stammen zwar aus dem Besitz des Kriegsverbrechers, das Jagdmuseum hat sie allerdings gar nicht von Göring selbst erhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Geweihe in den Besitz des Freistaats über. Die Zoologische Staatssammlung verlieh sie schließlich an das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum, wo sie mit anderen Hörnern in der Apsis der alten Augustinerkirche in der Altstadt aufgehängt wurden.

Nach massiver öffentlicher Kritik hängte das Museum die NS-Trophäen 2014 heimlich ab. Eine Broschüre zum Thema wurde gestaltet, eine Studie in Auftrag gegeben. Mit der Dauerausstellung sollen die Instrumentalisierung jagdlicher Themen und die zwielichtigen Figuren rund um die Gründung des Jagdmuseums nun entmystifiziert werden.

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