Der Kopierer wird 75 Das Kopiergerät feiert Geburtstag und Abschied

Chester Carlson und sein Kopierer: Auf der ersten Kopie stand das Datum der geglückten Erfindung. Foto: dpa Foto: dpa

1938 erfand Chester Carlson das Kopiergerät: Es revolutionierte die Arbeitswelt, doch jetzt steht die Technik vor dem Aus. Warum das Kopieren manche an Sex denken lässt.

 

München -  Happy Birthday – und Goodbye: Am 22.Oktober  feiert der Kopierer 75. Geburtstag. Am 22. Oktober 1938 gelang dem amerikanischen Physiker und Patentanwalt Chester Carlson eine Revolution: Mit einer Zinkplatte, Glas und Schwefel schaffte er es, erstmals Schriftzeichen auf elektrostatischem Weg zu vervielfältigen. Der Fotokopierer war geboren.

„Ich dachte, wenn ich eine Erfindung machen würde, könnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Der Welt etwas Gutes tun und mir selbst auch“, schrieb Carlson später. Denn er war es leid, jedes Dokument, um es zu duplizieren, abschreiben zu müssen. Damit veränderte Carlson die Kommunikation und die Arbeitswelt, doch die Tage des guten alten Kopierers sind gezählt.

Die Digitalisierung hat dem Gerät den Rang abgelaufen: Heute werden PDFs verschickt und alles digital vervielfältigt. „Den reinen Kopierer haben wir nicht mehr im Angebot“, sagt eine Sprecherin der Firma Xerox, die vor 64 Jahren den ersten Fotokopierer auf den Markt brachte. Die Umsätze mit Kopiergeräten sind schon lange rückläufig.

Damals sorgte das Gerät noch für Furore. 1949 brauchte der erste käufliche Kopierer noch 38 Schritte und mehrere Minuten. Zehn Jahre später schaffte der Xerox-914 schon sieben Kopien in der Minute. Bis heute sind weit über vier Trillionen Seiten fotokopiert worden. Digitale Drucker, die mit Carlson Technologie funktionieren, druckten 2011 immerhin noch mehr als drei Billionen Seiten aus.

Über Jahre gehörte es zum guten Büro-Ton, seinen Arbeitsplatz mit kopierten Zeichungen, Figuren oder witzige Sprüchen zu schmücken. Doch der Kopierer hatte auch Feinde: Im Ostblock gar blieben beispielsweise Copy-Shops verboten. Die Erfindung sollte nicht zur „Druckpresse des kleinen Mannes werden“.

Es wurde zur Druckpresse in jedem Büro – und wird nicht nur für Dokumente verwendet. Für Erheiterung bei den Kollegen und Freunden sorgen zum Beispiel Kopien von Gesichtern oder Hintern – nahezu jedes Körperteil wurde schon auf die Glasplatte gelegt, belichtet und kopiert. Ganz Schlaue wollten sich reich kopieren: Doch das Vervielfältigen von Geldscheinen ist natürlich verboten – und ein eingebauter Schutz verhindert das.

Aber ein Kopierer ist nicht nur zur Arbeit da: Immerhin zwölf Prozent der Frauen und zehn Prozent der Männer hätten nach einer Umfrage zufolge gerne einmal Sex auf dem Kopierer. Und für eine kleine Verschnaufpause mit Kaffee und einem Schwätzchen eignet sich das Kopiergerät auch. Schade, dass das irgendwann vorbei sein wird.

 

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