Ein großartiger Film "Blinded by the Light": Erleuchtet vom Boss

Nell Williams als Eliza, Aaron Phagura als Roops und Viveik Kalra als Javed. Foto: Warner Bros. Pictures

Außenseiter unter sich: Der hinreißende britische Film "Blinded by the Light" feiert die Musik von Bruce Springsteen

So sieht eine 80er-Jahre-Teenager-Hölle in England aus: Man lebt mit seinen Eltern und seinen Schwestern in einem Reihenhaus in der wenig glanzvollen Kleinstadt Luton, hat einen sehr traditionsbewussten pakistanischen Vater, der seinen Sohn fleißig arbeiten und möglichst weit weg von den Mädchen sehen will, und wird auf der Straße regelmäßig wegen seines Aussehens angefeindet.
Das Leben ist also hart für den sensiblen Träumer Javed, genannt Jay (Viveik Kalra). Er will eigentlich Schriftsteller werden, schreibt auch Gedichte, traut sich aber nicht, sie jemandem zu zeigen. Es ist also ein Heranwachsen unter erschwerten Bedingungen.

 

Musik und Texte von Springsteen beschreiben hier das Kleinstadtleben

Dann trifft Javed in der Schule auf einen anderen, allerdings sehr viel selbstbewussteren Außenseiter: Roops (Aaron Phagura) – und stößt damit das Tor in Richtung Zukunft auf: Roops drückt Jay die beiden Alben "Born in the USA" und "Darkness on the Edge of Town" von Bruce Springsteen in die Hand – auf Kassette, versteht sich.

Die Musik und die Texte des amerikanischen Rockstars aus New Jersey beschreiben auch das triste Kleinstadtleben des britischen Außenseiters perfekt, die Worte kreisen bald, bildlich dargestellt, um seinen Kopf, stehen auf Wänden, sind überall.

Der Film "Blinded By the Light" von der "Kick it like Beckham"-Regisseurin Gurinder Chadha basiert auf der wahren Geschichte des britischen Journalisten Sarfraz Manzoor, der seine Jugend im Roman "Greetings From Bury Park" verarbeitet hat – eine Anspielung auf Springsteens Debüt-Album "Greetings from Asbury Park".

Die Verfilmung ist einer der hinreißendsten und unterhaltsamsten Filme des Jahres

Nur gut, dass es im Kinosaal halbwegs dunkel ist – dann sehen die Nachbarn nicht, wie man da im Sessel sitzt: zwei Stunden fast durchgehend lächelnd, immer wieder lachend, ab und zu verstohlen ein Tränchen wegstreichend.
Und mit einer Gänsehaut, die jede Gans neidisch machen muss: Denn natürlich lebt der Film neben seinen großartigen Darstellern vor allem von seinem fantastischen Soundtrack. Anfangs kommt reichlich 80er-Jahre-Pop von den Pet Shop Boys, Level 42 und a-ha – und dann natürlich jede Menge Springsteen-Kracher wie "Dancing In the Dark", "Badlands", "Born To Run".

Regisseurin Gurinder Chadha hat einen wunderbar leicht daherkommenden Film geschaffen, der das Leben von Einwanderer-Kindern schildert, ohne auf die Betroffenheits-Schiene abzurutschen. Javed ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu seiner Familie mit ihren traditionellen Werten und seinem Leben als Teenager in England.

Es gibt reizende Musical-Szenen und schrecklich-schöne 80-Jahre-Frisuren

Dazu gehört einerseits auch die Liebe: zur eigenwilligen Eliza (Nell Williams). Und andererseits die steigende Arbeitslosigkeit und fremdenfeindliche Demonstrationen. Aber selbst die Aufmärsche der Nationalisten, von denen Javed sich anspucken lassen muss, die ihn immer wieder peinigen, können der guten Stimmung im Film nichts anhaben.

Es gibt reizende Musical-Szenen und schrecklich-schöne 80-Jahre-Frisuren. Und der ganze Film ist eine Aufforderung, sich einmal wieder durch das Werk des Bruce Springsteen zu hören. Der Rockstar wird am 23. September unglaubliche 70 Jahre alt – kurz vorher erscheint im Reclam-Verlag das Buch "Like a Killer in the Sun" mit Springsteen-Texten, herausgegeben von Leonardo Colombati. Eine Einladung, sich auch speziell mit den Worten des Rock-Lyrikers zu befassen.


R: Gurinder Chadha, 117 Min.
Kino: Astor, Museum (OV)

 

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