Der größte Greifvogel Europas ist zurück Bartgeier über Bayern

Lämmerfresser, Kinderräuber: So wurde der farbenprächtige Bartgeier früher oft beschimpft – zu Unrecht. Denn Bartgeier fressen nur Aas. Foto: Moning/LBV

Allein im März 2016 haben Tierschützer drei der majestätischen Vögel am Himmel über Oberstdorf entdeckt.

 

Oberstdorf - Mit einer Flügelspannweite von knapp drei Metern gehört der Bartgeier zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Zu sehen bekommt man den imposanten Segler dennoch selten: In ganz Europa leben nur etwa 200 Exemplare, im gesamten Alpenbogen wurden zuletzt 43 Brutpaare gezählt.

Um so mehr freuen sich die Experten vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) darüber, dass sie in den Allgäuer Alpen seit Jahresbeginn gleich drei der farbenprächtigen Greifvögel beobachten konnten. „Vielleicht kehrt der Bartgeier langfristig sogar als Brutvogel in die deutschen Alpen zurück“, sagt LBV-Gebietsbetreuer Henning Werth.

„Lämmertöter“, „Kinderfresser“, „Knochenbrecher“ – so wurden die majestätischen Bartgeier früher von den Bewohnern der bayerischen Berge bezeichnet. Völlig zu Unrecht, denn Bartgeier fressen nur Aas. Trotzdem wurden die Tiere ab 1850 gejagt und innerhalb von 100 Jahren ausgerottet.

Schließlich drängten Naturschützer aus fünf Ländern gemeinsam darauf, dem Bartgeier eine zweite Chance zu geben.

Mit Erfolg: In einem internationalen Gemeinschaftsprojekt wird seit 30 Jahren versucht, den stattlichen Greifvogel wiedereinzubürgern, indem man Küken aus Zoos im Gebirge auswildert.

„Da die Vögel aber erst nach sechs Jahren geschlechtsreif sind und in freier Wildbahn nur etwa alle zwei bis drei Jahre einen Jungvogel großziehen, breiten sich die Bestände nur äußerst langsam aus“, sagt Henning Werth.

Trotzdem hat der Vogelschützer heuer schon drei Mal Bartgeier über Bayern ausgemacht:

* Am 12. März beobachtete der Biologe eins der seltenen Tiere östlich von Oberstdorf – das zweijährige Männchen „Fortuna“, das 2015 in den Hohen Tauern freigelassen worden war.

Der Geier war leicht zu identifizieren, weil er eine Flügelmarkierung trug: Vor der Auswilderung werden den Tieren einige Federn gebleicht. „Solange diese weißen Federn nicht nachgemausert werden, kann jeder die Flügelfärbung im Flug leicht erkennen.“

* Nur zwei Tage später hatte der Biologe erneut Glück: Diesmal kreiste ein halbwüchsiges Tier ohne Kennzeichnung über dem Trettachtal.

Damals sagte Henning Werth: „Mit dem Temperaturanstieg in den nächsten Tagen und den damit verbundenen Lawinenabgängen erwarten wir in den Allgäuer Alpen weitere Suchflüge auch von anderen Bartgeiern.“ Die Aasfresser suchen in den Schneemassen nach den Kadavern verunglückter Steinböcke, Gämsen und anderer Tiere.

* Und tatsächlich: Am 28. und am 29. März zog wieder ein Bartgeier bei Oberstdorf seine Bahnen über einem Lawinenfeld, diesmal in Begleitung mehrerer junger Steinadler. „Fortuna“ kann es nicht gewesen sein – der Jungspund ist wieder in den Hohen Tauern unterwegs. Auch der Geier vom Trettachtal scheidet aus. Denn diesmal war das Tier deutlich älter.

Und das bedeutet: Allein im März wurden drei Bartgeier über Bayern gesichtet.

 

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