Der Richter als Zeuge Sexprozess Siegfried M.: Was sagten die Opfer?

Berufungsverahndlung: Staatsanwalt und Ex-Amtsrichter Matthias Braumandl wird vernommen.

 

München - Für Staatsanwalt Matthias Braumandl eine eher ungewohnte Rolle: Statt selber zu fragen und bei schwammigen Antworten nachzuhaken, trat der 39-Jährige am Montag in den Zeugenstand und beantwortete die Fragen von Richter Markus Koppenleitner und der anderen Prozessbeteiligten in der Causa Siegfried M..

Braumandl hatte als Amtsrichter den Musikprofessor und langjährigen Direktor der Münchner Musikhochschule im vergangenen Mai zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung verurteilt. Dazu gab es eine Geldstrafe von 25.000 Euro für den renommierten Musikwissenschaftler, weil es Braumandl in einem Fall als erwiesen ansah, dass M. eine Mitarbeiterin sexuell genötigt hatte.

Als Zeuge war Braumandls Erinnerung an die Aussagen der mutmaßlichen Opfer gefragt. Richter Koppenleitner wollte es genau wissen und sich dabei nicht auf vielleicht detailarme Verhandlungsprotokolle verlassen. Viel Neues konnte Braumandl aber nicht beisteuern. Meist bestätigte er nur, was im Protokoll des Prozesses bereits nachzulesen ist.

M.'s Verteidiger Andreas Betz machte am Ende doch einen entscheidenden Unterschied zwischen Protokoll und Richtererinnerung aus: M. habe demnach nur einmal versucht, seinem Opfer unter den Rock zu greifen. Nach seinem Verständnis sei das juristisch keine versuchte sexuelle Nötigung.

Prozess wegen Vergewaltigung droht

Doch selbst wenn sich Betz mit dieser Ansicht durchsetzt, droht neues Ungemach. Inzwischen ist in einem zweiten Verfahren Anklage gegen M. erhoben worden. Das bestätigte der Pressesprecher der Münchner Staatsanwaltschaft Florian Weinzierl. Wieder geht es um zwei Frauen, die M. vorwerfen, sie sexuell genötigt, ja sogar vergewaltigt zu haben. Die Frauen hätten erst auf Grund der Medienberichterstattung über den ersten Prozess Anzeige erstattet, berichtet Weinzierl.

Verteidiger Andreas Betz bezeichnet die beiden neuen mutmaßlichen Opfer nach SZ-Informationen als "Trittbrettfahrerinnen", die jetzt "schmutzige Wäsche waschen". Sein Mandant habe seinerseits Anzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede gegen die beiden Frauen erstattet, mit denen M. jeweils eine Beziehung unterhalten habe.

Anklage ist in M.s zweitem Verfahren bereits im Dezember erhoben worden. Terminiert ist der Prozess aber noch nicht. Noch wartet das Oberlandesgericht offenbar ab, wie das Berufungsverfahren ausgeht. Lange wird das nicht mehr dauern. Ein Urteil könnte es bereits am Mittwoch geben. Die juristische Aufarbeitung der Ära M. an der Münchner Muskihochschule scheint damit aber noch lange nicht abgeschlossen.

 

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