Der ehemalige „Beck“ Münchens älteste Ruine kommt unter den Hammer

Ärgert die Laimer: Die Ruine in der Fürstenrieder Straße. Foto: Martha Schlüter

Der „Schandfleck von Laim“ wird zwangsversteigert. Bisher konnte keiner mit dem Kaufhausklotz etwas anfangen

München Laim bekommt ein neues Wahrzeichen: den Beck-Tower. Er soll mit 150 Metern Münchens mächtigstes Hochhaus werden. Gebaut wird er auf dem Grund des alten Beck-Hauses. Im Inneren entstehen Büros, ein Fitnessstudio, Supermärkte, eine Ladenpassage, ein großes Kaufhaus, eine Spielhalle und eine Kindertagesstätte.

Das schreibt ein Laimer Werbeblatt am 1. April 2009 – und schickt damit seine Leser in den April. Ein Scherz mit bitterem Hintergrund: Das ehemalige Beck-Haus in der Fürstenrieder Straße ist Münchens bekannteste Bauruine. Seit 1992 steht es leer. Die Bürger ärgert das. Sie schämen sich für den „Schandfleck von Laim.“

Ende der Sechziger zog das Kaufhaus Ludwig Beck an die Fürstenrieder Straße, doch das Geschäft dort lief nicht. Ende der Achtziger machte die Filiale wieder dicht. Seither wechselte das Grundstück mehrmals den Eigentümer, doch niemand konnte damit etwas anfangen (siehe Chronik unten). Auch die aktuelle Eigentümerin scheiterte. Im Mai wird das alte Beck-Haus nun zwangsversteigert. Schätzwert: 9,6 Millionen.

Denn die Geschäftsaussichten sind gut: Laim gehört zu den am dichtesten besiedelten Stadtteilen Münchens. Das Grundstück liegt an einer der verkehrsreichsten Straßen der Stadt, etwa 28000 Autos fahren hier täglich vorbei. Auch U- und S-Bahn sowie die Tram sind leicht zu erreichen.

Der Bau bietet etwa 4600 Quadratmeter Nutzfläche auf vier Stockwerken, es gibt ein Atrium mit Glasdecke, eine Dachterrasse mit Fernblick und eine zweistöckige Tiefgarage. Trotzdem ist bisher jeder Umbau-Versuch gescheitert. Die genauen Gründe sind unbekannt.

Die aktuelle Eigentümerin war für die AZ nicht erreichbar. Unter der Rufnummer der „Fürst Atrium GmbH“ meldet sich nur ein Stimme vom Band. Am 13. Mai kommt die Beck-Ruine jetzt am Münchner Amtsgericht unter den Hammer.

Der neue Eigentümer muss dann in den Umbau investieren. Insgesamt 9,6 Millionen Euro waren dafür geplant. In einem Gutachten heißt es: Knapp die Hälfte des Umbaus ist bereits fertig, man müsse noch etwa 5,7 Millionen Euro investieren. Danach soll das Objekt 17,4 Millionen wert sein.

Vielleicht hat der neue Bauherr aber auch ganz andere Pläne – und der Beck-Tower kommt dann doch noch.

Die Chronik des Scheiterns

10. April 1968: Ludwig Beck am Rathauseck wird der Bau eines Geschäftshauses in der Fürstenrieder Straße 21 genehmigt.

1989: Das Kaufhaus hat in Laim keinen Erfolg. Die Filiale schließt.

1992: Ab diesem Jahr steht das Gebäude leer.

1990 bis 2000: Grund und Gebäude wechseln mehrmals den Eigentümer und gehören zwischenzeitlich etwa der Deutschen Kredit- und Handelsbank in Berlin und der HB Grundstücksentwicklungsgesellschaft in Hamm. Es gibt unterschiedliche Konzepte, zum Beispiel ein Naturkaufhaus, ein Hotel oder ein Bürogebäude. Teils werden Vorbescheide beantragt, aber eben nicht mehr.

9. Februar 2000: Eine Immobilienunternehmerin aus Bad Wiessee kauft das ehemalige Beck-Haus. Später überschreibt sie es auf ihre Firma „Fürst Atrium GmbH“.

2004: Die Eigentümerin lässt prüfen, ob aus dem Ex-Kaufhaus eine „Vergnügungsstätte“ werden kann. Es geht um Spielhallen.

2005: Die Eigentümerin legt ein Konzept für einen „Nutzungsmix“ mit Ladenflächen und einer Spielhalle vor. 2006: Laimer Bürger und Parteien protestieren gegen die geplante „Spielhölle“. 4000 Unterschriften werden gesammelt, Demonstrationen abgehalten. Doch das Grundstück ist als „Kerngebiet“ ausgewiesen, deshalb ist auch eine Spielhalle dort legal.

Juni 2006: Der Discounter Aldi will eine Filiale im ehemaligen Beck-Haus eröffnen. Auch ein Textil-Discounter, ein Elektromarkt und eine Drogerie sind nach und nach interessiert. In gut einem Jahr soll eröffnet werden.

27. Oktober 2006: Die Eigentümerin beantragt den Bau. Im Juli 2007 genehmigt der Planungsausschuss des Stadtrats die Pläne. Nach einer Änderung gibt die Lokalbaukommission des Planungsreferats (LBK) im Juli 2008 grünes Licht für den Bau.

August 2008: Die Sanierung beginnt. Dezember 2008: Die Baugenehmigung wird zurückgezogen. Ein Mieter hatte wegen Lärmschutzes (nächtlicher Lieferverkehr) geklagt und wegen eines formalen Fehlers (altes Gutachten) gewonnen.

2. Januar 2009: Die LBK genehmigt den Bau erneut als Sonderbau mit Einzelhandel und Büros. Der Umbau beginnt erneut. Ende des Jahres soll alles fertig sein.

Frühjahr 2010: Der Bau stockt.

August 2010: Aldi sagt ab. Der Discounter wollte schon 2007 einziehen und sieht beim Bau kein Ende.

März 2011: Das Bauunternehmen, das die Mauer- und Betonarbeiten macht, ist insolvent. Der Bau wird abgebrochen.

4. Januar 2012: Das Amtsgericht München ordnet die Zwangsversteigerung an. Alle Mieter sind abgesprungen. Der „Schandfleck von Laim“, steht seit zwanzig Jahren leer.

13. Mai 2013: Das Grundstück wird am Amtsgericht zwangsversteigert.

 

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