Der Drei-Generationen-Platz "Solln hat viele Gesichter"

Viel Grün und Platz für junge Münchner Foto: Karl Hirsch

Karl Hirsch ist SPD-Politiker im Bezirksausschuss. Vor allem aber fühlt er sich in Solln daheim. Hier schreibt er.

Solln - Wird in einem Gespräch erwähnt, dass man in Solln beheimatet ist, so werden in den meisten Fällen Gedanken an Alt-Solln und die Prinz-Ludwig-Höhe geknüpft. Natürlich ist es wahr, dass der südlichste Stadtteil Münchens mit zu den schönsten Vierteln gezählt werden darf. Auch weist Solln immer noch ein gemütlicher und heimatverbundener Charakter aus. Sei es an Marktagen am Fellererplatz oder auch bei einer Einkehr in den Gaststätten Schützenlust, Sollner Hof oder bei einem Besuch, der über die Grenzen Münchens hinaus bekannten originellen Iberl-Bühne. Gleich an der S-Bahnstation finden viele Sollner den Weg in den „Hirschen“. Selbst ein eigenes Kino ist in Solln zu finden.

Doch Solln besteht nicht nur aus den vorgenannten Örtlichkeiten. Nein, Solln hat auch eine Parkstadt. Es sind die in der Mitte der 60er Jahre hochgezogenen Gebäudekomplexe rund um das DEBA-Hochhaus in der Drygalaski- Allee. Dieses neue Viertel wurde wegen der auch damals herrschenden großen Wohnungsnot errichtet. Selbstverständlich spielte auch der damalige Olympia-Boom mit hinein. Schlagartig vergrößerte sich die Einwohnerzahl Sollns um etliche tausend Einwohner. Logischerweise wies Solln nun eine andere Bevölkerungsstruktur auf. Der Anteil der Bewohner mit Migrationshintergrund stieg deutlich an. Im Zuge dieser Neubauaktivitäten wurde es notwendig, dass die Schule an der Sambergerstraße gebaut wurde. Die alte Herterichschule wäre ansonsten aus allen Nähten geplatzt. Ebenso wurde ein neues Kirchenzentrum an der Stockmannstraße errichtet. Solln war im Umbruch.

Und nun kommt der von mir so genannte Drei-Generationen-Platz ins Spiel. Gemeint ist hier die Grünfläche an der Herterichstraße, kurz vor dem Vereinsheim des TSV Solln. Hier bietet sich für die Wohnbevölkerung aus der Parkstadt Solln ein echtes Dorado der Freizeitgestaltung. Als Beobachter unseres Stadtteils kann ich mit Befriedigung und einer Portion Freude feststellen, dass die Freizeitfläche bestens angenommen wird. Der vom Bezirksausschuss angeregte neue Spielplatz wird quasi von der jüngsten Generation mit ihren Eltern als abwechslungsreicher Aufenthaltsort genutzt. Hier kommen neben den Kleinkindern auch die Eltern, oft abstammend aus unterschiedlichen Nationen ins Gespräch und lernen so die oft abweichenden Lebenssituationen besser zu verstehen und zu akzeptieren. Am südlichen Ende der Grünfläche wurde vor zwei Jahren, ebenfalls auf Betreiben des hiesigen Bezirksausschusses, eine Dirty-Bike-Anlage geschaffen, welche zwischenzeitlich mit dem Deutschen Spielraum-Preis ausgezeichnet wurde.

Hier können sich wilde Radler mit ihren Spezialrädern austoben. Es geht mit tollkühnen Sprüngen waghalsig über Rampen. Steilkurven werden meisterlich im rasanten Tempo durchfahren. Hier nutzen die größeren Kinder und Jugendliche sinnvoll und in frischer Luft ihre Freizeit. An Zuschauern mangelt es hier nicht. Wir Älteren denken dabei sehnsüchtig an unsere Jugend zurück, als wir noch die wilden Kerle waren. Doch komme ich zu der dritten Generation. Besonders am Wochenende und in den Sommermonaten, an so manchen milden Abenden, sind auf der Grünfläche die Freizeit-Kicker aktiv. Schnell werden provisorische Tore aufgestellt und schon geht das Fußballspielen los. Auch hier kann man beobachten, dass die unterschiedlichen Nationen sich bestens verstehen. Wichtig ist letztendlich nicht nur das Spielergebnis.

Auch Tischtennisspieler sind hier auf dem Terrain oft emsig dabei den kleinen weißen Ball passgenau dem Gegenüber auf die Platte zu schmettern. Bei günstigen Windverhältnissen sieht man, gerade in den Herbstmonaten auch des Öfteren Kinder, im Regelfall mit ihren Vätern, beim Versuch ihren Drachen steigen zu lassen. Auf dem so genannten Rodelberg treffen sich an diesen Tagen die Experten und geben sich gegenseitig Tipps betreffs der Windverhältnisse. Doch auch im Winter ist dieses Freizeitareal bei ausreichender Schneedecke ein Eldorado für alle Generationen. Hier treffen sich dann Alt und Jung am Rodelberg. Mit Rodelschlitten und Plastikrutscherl werden von den Zwergerln tollkühne Abfahrten vollzogen.

Auch so mancher Sturz wird hier in Kauf genommen. Doch auch die Eltern und Großeltern langweiligen sich nicht. Es gibt immer etwas zu ratschen. Seien es Storys aus dem Kindergarten oder aus der Schule. Der Gesprächsstoff ist scheinbar unerschöpflich. Nach meiner Einschätzung gehört zwischenzeitlich die Parkstatt Solln mit der benachbarten Wiese und den hier installierten Freizeiteinrichtungen zu einem wesentlich Bestandteil Sollns. Auch hat sich nach meiner Beobachtung hier ein Ort entwickelt, in dem die Parole des Miteinanders der unterschiedlichsten Ethnien nicht in einer starren Worthülse verkommen ist. Es macht einfach Spaß als älterer Bürger und stiller Beobachter hier, gleich zu welcher Jahreszeit, seine Runden zu drehen.

 

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