Der AZ-Knigge zum Jobeinstieg So klappt der erste Arbeitstag

Welche Kleidung, wie begrüßen und wann darf ich nach Hause? Eine Knigge-Expertin erklärt, wie man einen guten Eindruck macht.

 

München - Der 1. September ist für viele junge Menschen der Start ins Arbeitsleben. An diesem Tag kann man mit seinem ersten Eindruck beim Chef punkten – oder gleich viel Kredit verspielen. Damit das nicht passiert, gibt die Münchner Knigge-Expertin Janine Katharina Pötsch, die auch Seminare für Auszubildende anbietet, zehn Tipps:

1. Die Kleidung: Jeans, dazu ein Top und offene Schuhe? Nein, das geht am ersten Arbeitstag auf keinen Fall. Die Lieblingsjeans hat im Kleiderschrank zu bleiben. „Die Kleidung muss angemessen sein und sollte zum Berufsbild passen“, sagt Knigge-Expertin Pötsch. Es ist wichtig, auf die Kollegen und den Chef den Eindruck zu machen, dass man auf sein Erscheinungsbild achtet.

Die Expertin rät: Natürlich ist es ein Unterschied, ob man in der Bank oder auf dem Bau zu arbeiten beginnt. Angemessen heißt in der Bank: auf jeden Fall Anzug. Krawatte muss gar nicht unbedingt sein. Im Büro sollten es eine Baumwollhose und geschlossene Schuhe sein. Ein Rock muss die Knie umspielen. Für Männer empfiehlt Pötsch ebenfalls eine Baumwollhose mit einem Polo-Shirt oder einem anderen hellen und einfarbigen Shirt ohne großes Markenemblem. Am ersten Tag kann man dann sehen, wie die anderen Kollegen gekleidet sind und sich diesem ungeschriebenen Kleidungs-Code der Firma anpassen.

2. Die Begrüßung: „Servus“, „Hallo“ oder „Hi“ – das geht laut Pötsch gar nicht. Da kann man zu seinen Freunden sagen, aber nicht zum neuen Chef. *

Die Expertin rät: Höflich muss es sein: „Guten Tag“ und dann sollte man sich mit Vor- und Nachname vorstellen. Man muss dann warten, bis der andere die Hand ausstreckt – der Ranghöhere entscheidet darüber. Dagegen ist es am Azubi, zuerst zu grüßen.

Es gibt drei goldene Regeln bei der Begrüßung. Erstens: Der Händedruck sollte fest sein und dauert optimalerweise ein paar Sekunden. Zweitens: Der Augenkontakt muss gehalten werden, solange man mit dem Gegenüber spricht. Drittens: Auf den Lippen sollte man ein Lächeln haben. Hält man diese Regeln ein, „ist das schon die halbe Miete“.

Ein Fauxpas ist es, bei der Begrüßung die Hand in der Hosentasche zu lassen. Entspannt am Körper herunterhängen lassen, sagt Pötsch. Grüßen sollte man zudem jeden, den man in der Firma trifft – auch wenn man nicht mit ihm zusammenarbeitet. Und dabei ist es egal, ob es ein Abteilungsleiter oder der Hausmeister ist.

3. Sie oder Du: Den Chef siezt man, aber was ist mit den Kollegen, die vielleicht im selben Alter sind wie man selbst oder nur ein bisschen älter?

Die Expertin rät: Man sollte auch die Kollegen immer siezen, bis sie von sich aus das „Du“ anbieten. Es kann aber auch sein, dass man automatisch geduzt wird. Auch dann sollte man erst einmal beim „Sie“ bleiben. Hat man den Namen eines Kollegen vergessen, sollte man höflich nachfragen „Tut mir leid, Ihr Name war?“

4. Die Pünktlichkeit: So ungefähr um acht Uhr? Oder vielleicht ein paar Minuten später? Nein! Aber auch zu früh ist laut Pötsch nicht gut. Eine halbe Stunde ist zuviel – der Ansprechpartner könnte noch keine Zeit haben und sich überrumpelt fühlen.

Die Expertin rät: Am ersten Tag sollte man früh genug da sein, weil man die Firma noch nicht kennt und nicht weiß, wo man hinmuss. Am besten ist: 15 Minuten vor Arbeitsbeginn. Verspätet sich zum Beispiel dann wirklich die S-Bahn, sollte man sich vorher die Nummer der Firma aufgeschrieben haben und anrufen. „Sonst hat man gleich den ersten Tag total vergeigt.“ Besser ist es, am Tag vorher die Strecke mit den öffentlichen Verkehrsmitteln abfahren und notieren, wie lange man braucht, um eine mögliche Verspätung einzukalkulieren.

5. Mein Schreibtisch: Das Bild der Familie, die eigene Namenstasse – sollte man sich gleich am ersten Tag im Büro häuslich einrichten?

Die Expertin rät: Erstmal nichts Persönliches in die Arbeit mitbringen. Es kann nämlich durchaus sein, dass man am Anfang gar keinen festen Arbeitsplatz hat.

6. Kaffee kochen: Oft heißt es für den Neuen erst einmal: Kaffee kochen, kopieren oder die Ablage machen. Muss sich der Azubi das gefallen lassen?

Die Expertin rät: Ja. Die ersten Wochen muss man auch Handlangerarbeiten verrichten, bis man richtig eingelernt ist. Wenn sich das auch nach mehreren Monaten nicht ändern sollte, darf man das laut Pötsch auch einmal ansprechen. Aber nicht am ersten Tag oder den ersten Wochen. Da heißt es: Geduld haben.

7. Laaaaangeweile: Man hat noch keine Email-Adresse eingerichtet, noch keine eigenen Aufgaben – was tun, wenn am ersten Tag nichts zu tun ist?

Die Expertin rät: Nicht rumsitzen und gähnen, sondern aktiv Kollegen fragen: „Kann ich was kopieren oder ablegen?“ Das ist laut Pötsch sehr wichtig: „Man soll sich bemühen und zeigen, dass man Interesse hat.“

Möglich wäre zum Beispiel auch zu fragen, ob man zuschauen darf, wie der Kollege oder die Kollegin etwas tun. Ein schlimmer Fehler wäre dagegen: Aus Langeweile das Handy herausholen und im Internet surfen. Das Handy gehört sowieso den ganzen Tag über in die Handtasche oder in den Spind. „Denn ansonsten erweckt man den Eindruck, das Handy ist wichtiger als die Person, die einem gegenübersitzt.“

8. Pause! Die ersten Stunden in der Arbeit sind geschafft – was macht man in der Mittagspause? Sich einfach ungefragt den Kollegen anschließen? Und wenn die Kollegen rauchen gehen, kann ich einfach mitgehen?

Die Expertin rät: Jeden Tag mit den Kollegen zum Mittagessen gehen, das kann man sich vom Azubi-Gehalt nicht leisten. Wer das trotzdem macht, kann bei den anderen leicht als „großkotzig“ rüberkommen.

Pötsch empfiehlt, zu warten, ob einen die Kollegen mitnehmen. Denn vielleicht haben sie noch etwas zu besprechen und wollen alleine essen.

Sie rät, erst einmal eine Brotzeit mitzubringen, diese im Aufenthaltsraum zu essen und dann zu sehen, was die Kollegen mittags in der Regel so machen.

Das mit dem Rauchen ist ebenfalls so eine Sache: „Das würde ich mir am ersten Tag verkneifen.“ Man sollte sich erkundigen, wie die Firma Raucherpausen regelt. Aber dennoch sollte man als Azubi nicht alle Möglichkeiten nutzen. “

9. Mitbringsel: Kuchen, Muffins oder eine Flasche Sekt? Man hat ja schließlich den Einstieg in den Beruf geschafft – ein Grund zum Feiern. Eigentlich.

Die Expertin rät: Mit der Einstandsfeier sollte man erst ein paar Monate warten, und zwar bis die Probezeit vorbei und man ins Team integriert ist. Am ersten Tag ist es nicht nötig, etwas mitzubringen – schließlich weiß man ja auch gar nicht, wie groß die Abteilung ist.

10. Der Feierabend: Von acht bis 17 Uhr – und dann sofort den Stift fallen lassen? Oder gleich einmal Überstunden einlegen, um beim Chef und den Kollegen Eindruck zu machen?

Die Expertin rät: Einfach aufstehen und gehen, ist unhöflich. Aber die Expertin sagt auch: Man muss keine Überstunden machen. Deswegen empfiehlt sie zum Ende der Arbeitszeit zu fragen: „Gibt es noch etwas zu tun?“ Oder: „Kann ich noch helfen?“ Wenn nicht, darf man sagen, dass man nach Hause gehen würde.

Geben die Kollegen das Okay, dann ist – Feierabend!

 

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