Demonstration in Dresden Nach Spaltung: Wohin geht die Reise von Pegida?

Die abgespaltene Bewegung "Direkte Demokratie für Europa", unter Leitung von Ex-Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel, konnte bei ihrer erster Demonstration lediglich 500 Leute mobiliseren. Angemeldet waren 5000. Foto: dpa

Für die islamkritische Pegida-Bewegung in Dresden schlägt die Stunde der Wahrheit. Ein gemäßigter Flügel von Abtrünnigen erhält bei seinem ersten Auftritt nur wenig Zulauf. Aber was wird aus den "Falken"?

 

Dresden - Pegida "light" oder doch lieber das Original? Die erste Kundgebung des von Pegida-Aussteigern gegründeten Bündnisses "Direkte Demokratie für Europa" (DDFE) verlief wenig erfolgversprechend. Auf dem Neumarkt vor der Dresdner Frauenkirche blieb am Sonntag viel Platz. Zwei Redner, wenig Beifall - nach einer halben Stunde war Schluss, so mancher der nur etwa 500 Teilnehmer war ob des kalten Windes sicher nicht unglücklich. Richtig Stimmung mit "Wir sind das Volk"-Rufen wollte nicht aufkommen. Die spannende Frage: Was macht Pegida?

Ex-Sprecherin Kathrin Oertel und ihre ausgestiegenen Mitstreiter sind deutlich um einen moderaten Ton bemüht. In ihren sieben Forderungen geht es neben direkter Demokratie und Meinungsfreiheit unter anderem auch um innere Sicherheit, Renten- und Familienpolitik und das geplante Freihandelsabkommen TTIP - Themen die in aller Munde sind, zu denen aber auch alle Parteien bereits mehr oder minder deutlich Stellung bezogen haben. Von drohender Islamisierung ist keine Rede mehr. Zu weichgespült für den eingefleischten Pegida-Anhänger?

Das Original will "zurück zu den Wurzeln" - so steht es zumindest auf der Pegida-Homepage, auf der zur 14. Kundgebung vor der Dresdner Frauenkirche am Montagabend eingeladen wurde, dorthin, wo im Oktober vergangenen Jahres alles begann. Die Zahl der Teilnehmer könnte einen Hinweis auf die künftige Ausrichtung der Islamkritiker liefern. Sollte es Pegida wie in den Vorwochen gelingen, Tausende Menschen zu mobilisieren, kann das durchaus als Rechtsruck der Bewegung interpretiert werden.

Pegida hatte sich Ende Januar in der Hochburg Dresden entzweit. Grund waren nicht nur fremdenfeindliche Äußerungen und ein "Hitler-Selfie" von Pegida-Gründer Lutz Bachmann, der zwar als Vereinschef deshalb zurückgetreten war, aber weiter mitmischen wollte. Die Geister entzweiten sich eigentlich am Leipziger Ableger Legida. Dessen Führungsspitze hatte den Forderungskatalog der Dresdner nicht übernommen und deutlich radikalere Positionen bezogen. Zuviel für Oertel und fünf weitere Mitglieder der Pegida-Mannschaft. Sie kehrten Bachmann & Co. den Rücken.

Oertel sprach am Sonntag vor der Frauenkirche das Zerwürfnis an, räumte ein, dass die Pegida-Anhänger verunsichert seien. Man habe zwar die gleichen Ziele wie Pegida, doch der Weg und die Mittel seien nicht mehr dieselben. Klar grenzte sie sich von NPD-Anhängern ab, denen Pegida wieder eine Plattform gegeben habe. An einer Stelle zeigte Oertel gar Verständnis für die Politik. "Als Politik-Interessierter stellte man sich vieles wesentlich einfacher vor, als es dann auf dem Parkett der Politikprofis wirklich ist."

"Wir fangen wieder ganz von vorne an", rief Oertel ihren Anhängern zu. Als Konkurrenz zu Pegida sieht man sich offiziell aber nicht. René Jahn, neben Oertel das bekannteste Gesicht der DDFE, sagt klipp und klar, dass der Montag Pegida-Tag in Dresden bleiben soll. Die eigenen Anhänger will man alle 14 Tage zur Demonstration aufrufen, über den Tag sollen diese selbst entscheiden - nur der Montag bleibt tabu.

 

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