Debatte um Arbeitszeiten Des Chefs liebster Angestellter: Ständig verfügbar?

Von jetzt auf gleich an der Kasse stehen, Gäste bewirten, Software-Probleme lösen: Arbeitgeber hätten am liebsten Beschäftigte im Nonstop- Standby-Betrieb. Schlimm ist es im Handel

 

MÜNCHEN Ein lauer Sommerabend, ein Grillfest an der Isar. Plötzlich klingelt ein Handy – für einen Teilnehmer der fröhlichen Runde, ein Aushilfs-Beschäftigter bei H & M, ist der Abend gelaufen. Im Laden ist die Hölle los, so schnell wie möglich soll er kommen. Aushilfen bei der schwedischen Modekette müssen praktisch rund um die Uhr per Mobiltelefon erreichbar sein, berichtet der Münchner Verdi-Gewerkschaftssekretär Orhan Akman.

Und sie wissen zu Beginn des Monats in der Regel nicht, wieviel sie verdienen werden. In den Arbeitsverträgen vieler Aushilfen werde keine feste Wochenstundenzahl vereinbart. Die Kette stellt dies freilich anders dar: „Spontane Arbeitseinsätze sind nur bei gegenseitigem Einverständnis möglich“, heißt es bei H&M. „Diese sind jedoch nicht der Regalfall und werden nicht vorausgesetzt. In den meisten Fällen haben unsere Mitarbeiter vier Wochen im voraus Planungssicherheit.“

Rund um die Uhr verfügbar, am besten sieben Tage pro Woche – für viele Arbeitgeber ist dieses Arbeitszeitmodell optimal. Im Einzelhandel sind flexible Anfangs- und Schlusszeiten ein Dauerthema, aber nicht nur dort: „Ich hatte nach einer Acht-Stunden-Schicht bis Mitternacht eine Pause von sechs Stunden, dann erneut eine Acht-Stunden-Schicht“, erinnert sich eine Beschäftigte, die bei Aviation Support Services, einer Zeitarbeitsfirma am Münchner Flughafen tätig war.

Zwischen zwei Schichten schreibt das Arbeitszeitgesetz eigentlich eine Pause von mindestens elf Stunden vor. „Sie haben mir gesagt, wenn ich diese Arbeitszeiten nicht leisten wolle, müsse ich eben selbst zusehen, dass ein Kollege für mich einspringt“, berichtet die junge Frau. Aviation Support Services bestreitet den Vorwurf allerdings. „Wir haben das nie gemacht. So etwas kommt gar nicht in Frage“, heißt es bei der Firma.

Streit um Dienstpläne gibt es oft auch bei Lebensmittel-Discountern, sagt Verdi-Mann Orhan Akman. Bei Aldi würden Einsatzpläne immer wieder von heute auf morgen umgeschmissen. Besser sei es in Unternehmen mit Betriebsräten – bei Tengelmann etwa oder Rewe. Dort werde in der Regel versucht, die Interessen aller Beschäftigten unter einen Hut zu bekommen.

 

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