Debatte über einen neuen Konzertsaal Werksviertel oder Paketposthalle?

Oben rechts, der Ostbahnhof. Östlich schließt sich das Werksviertel an, wo ein Konzertsaal (grün) eingepasst werden könnte. Foto: Planungsbüro

Tauziehen zwischen Ost und West: Die CSU Berg am Laim debattiert in der Nachtkanine über einen Konzertsaal im Werksviertel

 

"Es gibt doch nichts Schöneres, als bei Liebeskummer mit einem Bier in der Hand den langsamen Satz aus Beethovens Siebter zu hören“, sagt der Schlagzeuger Martin Grubinger. Und damit trifft er gut, was einen Konzertsaal im Werksviertel hinter dem Ostbahnhof so attraktiv macht: die Nähe zur Tonhalle und anderen Orten der Jugendkultur.

Vor zwei Wochen warb die CSU Neuhausen für einen anderen Standort eines neuen Konzertsaals: die Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke. Am Montagabend zog jetzt der CSU-Ortsverband Berg am Laim in der Nachtkantine auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände nach und warb bei einer Podiumsdiskussion mit Grubinger, Hans-Robert Röthel vom Verein Konzertsaal München, dem Veranstalter Andreas Schessl und dem Kulturmanager Karsten Witt für das Werksviertel. Beide Standorte werden derzeit geprüft. Am 15. Dezember will das Bayerische Kabinett entscheiden.

Bei der gut besuchten Veranstaltung bestätigte sich der alte Eindruck: Beide Projekte haben ihre Vorzüge. Aber beim Werksviertel hinter dem Ostbahnhof gibt es weniger offene Fragen. Bei der Paketposthalle verstecken sich die Investoren. Beim ehemaligen Pfanni-Gelände weiß man, mit wem man es zu tun hat: Werner Eckart und sein Architekt Johannes Ernst stellten das Werksviertel eigenhändig vor.

Wechselseitige Durchdringung

Der Konzertsaal wäre hier Zentrum eines neuen Stadtquartiers, das auf engem Raum Gewerbe, Wohnraum und Kreativität zusammenbringt. Die Tonhalle und das Technikum blieben der Popmusik erhalten. Auch die beliebte Kletterhalle wird es weiter geben. Man sollte sich zwar nicht zu viele Illusionen über die wechselseitige Durchdringung machen, aber diese Verbindung hat einen Charme, der im Münchner Westen nicht aufkommt, wo viel zu viel über Architektur und zu wenig über lebende Menschen geredet wird.

Das Gelände hinter dem Ostbahnhof ist weitgehend erschlossen. Eckart und die anderen Grundstücksbesitzer wollen die meisten Industriegebäude umbauen und weiter nutzen. Das Hauptargument gegen die Paketposthalle benannte Mariss Jansons in einer Videobotschaft: die unklare zeitliche Perspektive. Die Post will das Gelände an der Friedenheimer Brücke zwar verkaufen, aber die Verhandlungen über ein Ersatzgrundstück für ein neues Briefverteilzentrum sind nicht abgeschlossen.

Doch die Zeit drängt: Der neue Konzertsaal sollte bis zum Beginn Sanierung des Gasteig fertig sein. Dann könnte sich die Stadt ab 2020 jenes Provisorium in den Außenbezirken sparen, bei dem Konzertveranstalter wie Andreas Schessl oder Helmut Pauli einen Publikumsschwund befürchten. Niemand weiß außerdem, in welchem Zustand sich die 50 Jahre alte Paketposthalle befindet. Betonsanierungen können teuer werden. Bei einem Neubau im Werksviertel stellen sich solche Probleme nicht. Dort wirkt zwar alles eine Nummer kleiner und weniger visionär. Aber dafür auch realistischer und von den Kosten leichter in den Griff zu bekommen.

Wirklich neue Argumente brachte die Veranstaltung nicht. Dafür aber ein Stimmungsbild: Alle, die seit Jahren für den Konzertsaal werben, ziehen das Werksviertel vor. Auch die Anwesenheit von drei Landtagsabgeordneten der CSU war ein klares Signal: Sie haben das letzte Wort.

 

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