Das Zittern der Rockgötter Jimi Hendrix: Am Montag wäre er 75 Jahre alt geworden

Jimi Hendrix live auf der Ostsee-Insel Fehmarn 1970. Foto: dpa

Er war der größte Gitarrist aller Zeiten. Jimi Hendrix wäre am Montag 75 Jahre alt geworden. Sein Leben, sein Tod, sein Vermächtnis.

 

Wenn man die Kunst des Jimi Hendrix in ein Bild fassen will, erzählt man am besten von den Händen seines Kollegen Eric Clapton. Der galt Mitte der Sechziger als gottgleiches Wesen, mindestens aber als bester Rockgitarrist der Welt. 1966 sah und hörte er das erste Mal Jimi Hendrix spielen. Und es fiel Clapton schwer, seine Zigarette zu rauchen: Seine Hände zitterten.

Wie ein Außerirdischer hatte Hendrix gewirkt, als er 1966 in London aufschlug. Was er auf der Gitarre anstellte, wirkte völlig neuartig. Doch es stellte sich als einzigartig heraus: Auch fünfzig Jahre später gilt er unwidersprochen als größter Rockgitarrist aller Zeiten. Am Montag wäre er 75 geworden.

Debüt-LP "The Jimi Hendrix Experience"

Geboren wurde Jimy Hendrix am 27. November 1942 in Seattle. Seine Lehrjahre absolvierte er bei den Isley Brothers und Little Richard, dann entdeckte ihn der Manager und Ex-Animals-Musiker Chas Chandler und brachte ihn nach London. Er stellte ihm eine Rhythm Section zur Seite, nannte die drei "The Jimi Hendrix Experience" und produzierte 1967 die Debüt-LP "Are You Experienced".

So etwas hatte man noch nie gehört: eine Mischung aus Blues, Pop, vorweggenommenenem Heavy Metal, trockenem Funk, gefühlvollem Soul und Science Fiction-Sound. Ja, die ganze Platte klang wie Science Fiction, doch der Sound der Zukunft kam allein aus Hendrix’ Stratocaster-Gitarre.

Jimy Hendrix: Tod unter Drogeneinfluss

Gerade mal vier Jahre blieben ihm für sein Lebenswerk, er nahm mit „Axis: Bold as Love“ und „Electric Ladyland“ noch zwei innovative Alben auf, zerfetzte in Woodstock die US-Hymne in einem Feedback-Inferno, und starb am 18. September 1970 im Schlaf: Er erstickte unter Drogeneinfluss an seinem Erbrochenen.

Wie er wohl klingen würde, wenn er heute noch leben würde? "Ich kann ihn mir schwer als Altrocker vorstellen, der nur von seinem frühen Material zehrt", sagt sein Biograph Klaus Theweleit. "Der Horizont seines Spiels hätte sich mit Sicherheit erweitert. Und er hätte auf Teufel komm raus Neues probiert – auch als alter Mann." Schon 1970 war er auf dem Weg zu neuen Ufern. Er hätte gern Musik in einer größeren Band gemacht, sagt Theweleit. "Außerdem hatte er eine Zusammenarbeit mit Miles Davis angefangen, der dann diese Fusion-Geschichte von Jazz und Rock durchgebracht hat. Da hätte Hendrix gut reingepasst." 

Man hätte es gern gehört. Einen Trost gibt es für Musikfans immerhin: Zu Lebzeiten entstanden extrem viele Aufnahmen des Superstars, sowohl im Studio als auch live. Einen guten Querschnitt der zu Lebzeiten unveröffentlichten Musik bietet, pünktlich zum 75. Geburtstag wieder aufgelegt, das Box-Set "The Jimi Hendrix Expericence". Es enthält alternative Studioaufnahmen von "Purple Haze", "Stone Free" oder "Freedom", die einen Einblick in Hendrix’ Studioarbeit bieten, wundervolle Live-Mitschnitte wie "Little Wing" und eine hochexplosive Neuaufnahme von "Spanish Castle Magic". Die Hände von Musikern mit Realitätssinn sollten da auch heute noch zittern.


The Jimi Hendrix Experience, 8 LP-Set, erschienen bei Sony

 

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