Das Wiener Nachtschattengewächs Voodoo Jürgens in der Alten Kongresshalle

Voodoo Jürgens mit der Band Ansa Panier. Foto: Ingo Pertramer

Voodoo Jürgens zündet in der Alten Kongresshalle die nächste Stufe seiner erstaunlichen Karriere.

 

Den von ihm besungenen Vorstadtcasanova spielt Voodoo Jürgens auf der Bühne der Alten Kongresshalle in Perfektion. Seit Willy DeVille hat niemand mehr so glaubhaft den stilvollen Underdog verkörpert, der die dunkle Seite des Lebens nicht nur besingt, sondern sie auch durchschritten hat.

Der heute 36-jährige David Öllerer mischte vor drei Jahren mit „Heite grob ma Tote aus“ die österreichische Musikwelt auf und schaffte mit seinem Debütalbum „Ansa Woar“ den Sprung an die Chartspitze. Mit seinen schwarzhumorigen Songs und Balladen über Boxer und Beisl, gescheiterte Liebe und zerplatzte Träume hat er sich ein immer größeres Publikum erspielt.

Rabenschwarze Stimmungsbilder

Vor gut 1000 Zuhörern, überwiegend selbst im Wienerischen textsicher, stellte Voodoo Jürgens mit seiner Begleitband Ansa Panier nun in der Alten Kongresshalle sein gerade erschienenes zweites Album „’S klane Glücksspiel“ vor. Es fügt sich schon mit dem titelgebenden Song nahtlos ein in die Nachtschattenwelt des Wahlwieners, der mit seinem Hit „Gitti“ die Halle zum Kochen bringen kann oder mit „Angst haums“ das rabenschwarze Stimmungsbild einer hysterischen Gesellschaft malt.

Dazwischen gibt es die melancholischen Klassiker wie „Tulln“. Denn wenn man, wie es in dem Song heißt, „zwischen Zuckerbude und Kadaverfabrik“ aufgewachsen ist, dann sind da auch schon die späteren Betätigungsfelder vom Zuckerbäcker bis hin zum Friedhofsgärtner angelegt, die sich in Jürgens’ Vita so passend machen. Wer hat je schöner sein Heimatkaff besungen?

Allein an der Gitarre ist Voodoo Jürgens ein charismatisches Bühnenwunder, aber erst unterstützt von Ansa Panier bekommen seine Songs mit Tuba, Akkordeon, Geige, Schlagzeug und E-Piano den atmosphärischen Klangreichtum, der die besungenen Schicksale akustisch bebildert. So wird „Drei Gschichten aus’n Café Fesch“ zum abgründigen Höhepunkt eines fantastischen Konzerts.


 
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