Das vergessene Autohaus Jetzt darf niemand mehr hinein

Heinz Rosenberger neben einem Ford (Baujahr 1938), mit dem 1950 angeblich Konrad Adenauer in Passau chauffiert wurde. Foto: Hubert Denk

Das vergessene „Autohaus Hausmann“ ist ein Fall für die Justiz geworden. Die Erben klagen gegen den Enkel des Autohausgründers

 

Bis zum Tod der 83-jährigen Auguste Hausmann, der Ehefrau eines Adoptivsohns des Gründers, war das Autohaus mitten in der Passauer Innenstadt vier Jahrzehnte lang in einem Dornröschenschlaf gelegen.

Wie in einer unberührten Zeitkapsel verbargen sich in einem Schauraum im ersten Stock Fahrzeuge der Marke Ford von 1928 bis zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, in der Werkstatt im Erdgeschoss Oldtimer aus den 1950er bis 1970er Jahren (AZ berichtete). In den Regalen und Lagern fand sich ein Schatz für Sammler und Bastler: Autoersatzteile, Prospekte, Zeitschriften aus längst vergangenen Epochen.

Wie der Präsident des Landgerichts bestätigt, haben die Erben der Letztverstorbenen, drei Neffen und eine Nichte, eine einstweilige Verfügung gegen Heinz Rosenberger, den 60-jährigen Enkel des Autohausgründers erlassen.

Laut Beschluss ist es ihm verboten worden, „bis zur rechtskräftigen Klärung der Hauptsache in den Räumen des Autohauses befindliche Oldtimer, Maschinen und andere Gegenstände zu entfernen oder entfernen zu lassen“.

Doch die vier Etagen des Autohauses sind größtenteils leer geräumt. Auf Paletten im Erdgeschoss wartet noch eine tonnenschwere Drehbank aus den fünfziger Jahren auf den Abtransport, die ein Metallbetrieb aus Hutthurm erworben hat.

Im Obergeschoss stehen die Möbel des alten Chefbüros, die sich angeblich ein Gastwirt für 1000 Euro gesichert hat. „Es darf jetzt keiner mehr hinein“, bestätigt ein ehemaliger Hausmann-Mitarbeiter, der die Schlüsselgewalt hatte, den Gerichtsbeschluss. Der Enkel ist überdies verpflichtet worden, bereits entfernte Gegenstände zur Sicherstellung an einen Gerichtsvollzieher herauszugeben. Im Falle der Oldtimer, die er an einen sicheren Ort in seiner Heimat brachte, konnte dies bisher nicht geschehen. Rosenberger verbringt die Zeit bis zum Gerichtstermin im Ausland, hält sich angeblich in Florida auf.  Medienberichte hatten die im 80 Kilometer entfernten Deggendorf lebenden Erben darauf aufmerksam gemacht, dass der Enkel das mobile Inventar aus dem Haus abtransportieren ließ.

Rosenberger, ein stadtbekannter Projektentwickler, hat sich die elf Oldtimer selbst gesichert, das restliche Inventar Sammlern und Bastlern überlassen oder zugesprochen. Auguste Hausmann habe ihm dieses Vermächtnis überlassen, erklärt er. Es gebe eine notarielle Beglaubigung. Zwei Tage nach dem Tod von Auguste Hausmann wäre ein weiterer Termin beim Notar anberaumt gewesen, in welchem ihm auch das Haus vermacht worden wäre, schildert Rosenberger. Er hat gegen die einstweilige Verfügung Widerspruch eingelegt.

Mitte März kommt es am Passauer Landgericht zur Verhandlung. Viele Passauer bedauern, dass die einmalige Zeitkapsel zerstört worden ist. Sie hätten sich gewünscht, dass aus dem unberührten Autohaus ein attraktives Museum wird. Der Streit im Fall Hausmann hat auch mit den Nachwirkungen des alten deutschen Erbrechts zu tun, das uneheliche Kinder diskriminierte. Die Erben, die jetzt vor Gericht klagen, sind weit verzweigte Verwandte eines Adoptivsohns des Autohausgründers. Rosenberger ist jedoch ein echter Blutsverwandter, sein Vater ist der uneheliche Sohn des Autohausgründers, der 2013 starb. Uneheliche Kinder sind erst in den Erbfällen seit 2009 gleichgestellt.

Zu Lebzeiten hat Rosenbergers Vater offenbar seine neuen Rechte nicht geltend gemacht. Das Nachlassgericht habe gültige Erbscheine lediglich für die Neffen und die Nichte ausgestellt, sagt ein Sprecher vom Amtsgericht Passau. Der Enkel des Autohausgründers habe nichts vorlegen können und auf das Vermächtnis verwiesen.

 

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