Das Schicksal einer Familie Susanne Lothar: Der Tod der Tragischen

Sie waren 17 Jahre lang ein glückliches Paar: Die Schauspielerin Susanne Lothar und ihr Mann Ulrich Mühe († 2007). Foto: dpa

Im Alter von 51 Jahren stirbt die Schauspielerin Susanne Lothar – und folgt damit ihrem Mann Ulrich Mühe nach.

 

Berlin - Welche Tragik für Anna Maria Mühe. Das Leben der heute 27-jährigen Schauspielerin ist von Todesfällen im engsten Familienkreis begleitet: Als sie 21 ist, erliegt ihre Mutter, Jenny Gröllmann, ebenfalls Schauspielerin, einem Krebsleiden. 2007 holt der Tod auch ihren Vater: Filmstar Ulrich Mühe stirbt an einem Magenkarzinom. Und jetzt ist auch ihre Stiefmutter tot: Susanne Lothar starb im Alter von nur 51 Jahren (AZ berichtete). Ihr Tod am Mittwoch in Berlin wurde vom Anwalt der Familie, Christian Schertz, bestätigt – aber sonst nichts.

Und so blühten die Spekulationen. War die so sensible und verletzliche Charakterdarstellerin krank? Besucher, die sie noch am 30. Juni auf dem Münchner Filmfest erlebten, haben davon zumindest nichts gespürt. War es Selbstmord, wie gestern in Schauspielerkreisen gemunkelt wurde? Hat der Kultur-Journalist und „Spiegel“-Autor Matthias Matussek Recht, der mutmaßt, Susanne Lothar sei ihrem Mann Ulrich Mühe nachgefolgt: „Vielleicht wollten ihre Kräfte nicht weiter ohne ihn, denn sie waren miteinander verwoben, auf der Bühne, im Leben.“ Doch das werden wohl alles Spekulationen bleiben. Verständlicherweise wollen die hinterbliebenen Angehörigen keine Erklärungen abgeben, dies sei zu respektierende Privatsphäre, so Anwalt Schertz.

Die Familie, das sind Lothars Mutter Ingrid Andree, die beiden noch minderjährigen Kinder, die Susanne mit Ulrich Mühe hatte, Sophie Marie und Jakob. Vollwaise ist auch Anna Maria Mühe, die kurz vor dem Tod ihrer leiblichen Mutter ihren Vater von einer schwierigen Seite erlebt: Ulrich Mühe, der sich 1990 von Gröllmann getrennt hatte, erhebt 2006 schwere Vorwürfe gegen seine Ex: Sie sei Spitzel der Stasi gewesen. Gröllmann ist bereits todkrank, kämpft aber um ihre Unschuld. Obwohl die Aktenlage nicht eindeutig ist, führt Mühe einen zähen Kampf vor deutschen Gerichten, um weiter behaupten zu können, was er für die Wahrheit hielt. Doch er unterliegt.

So tragisch wie Susanne Lothars Leben waren auch die meisten Rollen, die sie im Fernsehen, auf der Leinwand oder auf der Bühne spielte – ihre Bandbreite reichte vom „Tatort“ bis zum Wiener Burgtheater. Eine Extremschauspielerin nannte die „FAZ“ die ätherisch wirkende Lothar einmal, denn sie brachte sich bis zum letzten in ihre Rollen ein. Und sogar, als ihr Ulrich bereits schwer erkrankt war, spielte sie noch in Shakespeares „Was ihr wollt“, stieg erst aus der Produktion aus, als Mühe im Sterben lag. In ihren Rollen lotete sie die Grenzen aus – so 2009 in Michael Hanekes preisgekröntem Schwarz-Weiß-Drama „Das weiße Band“. In ihm war sie die Hebamme, die ein Verhältnis mit dem Dorfarzt hat und von ihm in eine schrecklich entwürdigende Lebenssituation gedrängt wird. Für Theatermacher Peter Zadek stand sie in Sarah Kanes Psycho-Folterstück „Gesäubert“ auf der Bühne. In Hanekes beklemmender Gewaltstudie „Funny Games“ spielte Lothar an der Seite ihres Ehemannes. Berühmt war Lothar durch Zadeks „Lulu“ geworden. Die 1988 am Schauspielhaus Hamburg entstandene Wedekind-Inszenierung sorgte nicht nur mit einer barbusigen Titelheldin für Aufsehen, sondern auch durch Lothars exquisites Spiel.

Bis kurz vor ihrem Tod war sie als Schauspielerin präsent. Viele TV-Zuschauer erinnern sich an ihr eindrucksvolles Spiel in der im Spreewald spielenden „Polizeiruf 110“-Folge „Die Gurkenkönigin“ (heute in der ARD, 22 Uhr). Beim Münchner Filmfest wurde Hanna Dooses Mutter-Tochter-Drama „Staub auf unseren Herzen“ mit Susanne Lothar in der Hauptrolle preisgekrönt. Und auch nach ihrem Tod wird sie die Zuschauer in Scharen ins Kino locken: Mit dem Film „Anna Karenina“, in dem sie neben Keira Knightley und Jude Law spielt. Schade, dass Susanne Lothar nicht mehr die Geburt des Kindes ihrer Stieftochter erleben kann: Anna Maria Mühe wird Mutter.

 

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