Das neue Buch des Ex-Ministerpräsidenten Stoiber schreibt sich die Welt schön

Seit Montag im Handel: Die Autobiografie von Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber. Foto: AZ Aktuellredaktion

MÜNCHEN So stellt sich Edmund Stoiber also sein Leben vor. Auf 320 Seiten hat er es sich schön geschrieben. In Ich-Form stellt er dar, dass er mehr erreicht hat, als sein Lehrmeister Franz Josef Strauß. Hinter die Kulissen allerdings lässt er die Leser für 22,99 Euro nicht blicken. Fehler räumt er keine ein. Zwei entscheidende Punkte seines Lebens umschifft er: seine Rückkehr aus Berlin. Und seinen Sturz in Kreuth. Dafür verklärt er seine Erfolge: Angela Merkel habe ihm die Kanzlerkandidatur angeboten. Verraten tut er nur Altbekanntes. Gewidmet hat er das alles seiner Frau: „Meiner Karin für Geduld und Liebe.“

 

Geduld hatte seine Partei nicht mehr mit ihm. Wie es dazu kommen konnte, darüber wollte der Geschasste lieber nicht nachdenken. Seine Rückkehr aus Berlin tut er lapidar ab: „Ist nicht optimal gelaufen.“ Kein Wort darüber, was in ihm vorging, als er bei seiner Rückkehr vor seiner Fraktion auf Knien rutschte und um „eine zweite Chance“ anflehte: „Ich leide wie ein Hund.“

Seinen Sturz in Kreuth tut er ab: „War doch die Öffentlichkeit Zeuge und in diesen Tagen des Januar 2007 gewissermaßen live dabei“, schreibt er lapidar. Viel lieber stellt sich Stoiber so dar, dass ihm die Vertreibung vom Bayern-Thron nichts anhaben konnte, und er auch noch danach ein Weltpolitiker war. So beginnt er sein Buch mit dem Jahr 2011. Da war er bei Wladimir Putin. Und der besprach mit ihm unter vier Augen die Probleme der ganzen Welt.

Was Stoiber als Neuigkeit verkauft, ist längst ausgelutscht: Wie etwa die „Semmeln, Butter, Marmelade sowie etwas Käse und Wurst“, die er und Karin 2002 beim Wolfratshauser Frühstück Merkel serviert haben. Dass er sich zuvor mit Roland Koch gegen die CDU-Chefin verbündet hatte, schreibt er nicht. Koch hatte Merkel aus dem Skiurlaub angerufen, und ins Telefon geschrien, sie solle Stoiber die Kandidatur überlassen.

Am Ende zeigt Stoiber auch ein paar Perspektiven auf. Eine davon lautet: „Demokratie braucht Wahrheit.“

 

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