Das neue Album. Die Kritik Rihanna: Ein Duett mit dem Prügel- Ex

Rihanna rockt am Sonntage ein Geheimkonzert in Berlin, für das die Fans die Karten gewinnen mussten. Foto: dapd

Sieben Alben in sieben Jahren – und alle stürmen die Charts. Rihannas Karriere ist einzigartig, nicht aber ihre neue Platte

 

Wie nackt kann ich mich machen, ohne dabei alles zu zeigen? Über diese Frage könnte Rihanna mittlerweile eine Doktorarbeit schreiben. Es vergeht wohl kaum ein Tag, an dem die derzeit (po)populärste Pop-Sängerin kein textilfreies Foto von sich twittert. Den Trend zur eitlen Fleischbeschau setzt Rihanna mit ihrem voll geschmierten Oben-ohne-Cover auf dem mittlerweile siebten Studioalbum „Unapologetic“ (zu deutsch: unverfroren) fort.

Wer das 24-jährige Pop-Phänomen aus Barbados nur auf seine äußerlichen Reize und die Fähigkeit, Schlagzeilen zu generieren, reduziert, macht einen Fehler. Rihanna und ihr Beraterstab haben einfach ein sicheres Gespür dafür, was die Teenies auf ihren iPod laden wollen. Bereits „Fresh Off the Runway“ eröffnet mit einem sirenenhaften, in die Beine gehenden Beat der Massen-Marke David Guetta.

Und tatsächlich, Guetta hat die Clubnummer mit The Dream auf Rihanna maßgeschneidert – nur der ständig wiederholte Refrain beginnt bald zu nerven. Nervenschonender und überraschender ist da schon ihre erste Single „Diamonds“. Eine elegisch-eingängige Pop-Ballade, in der Rihanna endlich mal die volle Bandbreite ihrer Simme - vom kindlichem Gequake bis zu fragilen Höhen - zeigen kann. Es bleibt das Highlight eines Albums, das zumeist einen ruhigeren Tonfall annimmt.

Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel, und so kann man sich sicher sein, dass die 90er Jahre Ginuwine-Hommage „Jump“ bald zur Playlist eines jeden Disco-DJs gehört. Seinen Reiz bezieht „Unapologetic“ aber aus den gezielt ausgewählten Duetten. Während die Eminem-Kollaboration „Numb“ trotz einem verschleppten orientalischen Beat eher dürftig ausfällt, überrascht, nein, schockiert „Nobody’s Business“. Kein Geringerer als Chris Brown, der Rihanna einst brutal geschlagen hat, lässt sich hier mit Sätzen wie „You'll Always Be My Baby“ umschmeicheln. So eine gefährliche Unverfrorenheit hat sich Rihanna dann doch noch nie geleistet.

 

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