Das kritisieren die Zug-Passagiere Meridian-Chaos: 600 Fahrgäste stundenlang gefangen

Benjamin Hahn hat dieses Foto im ebenfalls vollen Ersatz-Zug von Salzburg Richtung München gemacht. Foto: Benjamin Hahn/Twitter

Ein Meridian in Richtung München bleibt mitten auf der Strecke liegen. Über Stunden müssen rund 600 Fahrgäste ausharren. Was ein Passagier kritisiert.

 

München - Benjamin Hahn (34) ist am Sonntagabend mit seinem Spezl auf dem Rückweg von Salzburg. Die beiden wollen nach Grafing fahren, und am Abend noch zusammen kochen, bevor der Freund am nächsten Tag wieder abreist.

Doch aus den gemütlichen Plänen wird nichts: Die beiden stecken stundenlang in einem defekten Meridian in Richtung München fest. Wie rund 600 andere Fahrgäste. Senioren, Familien mit Kindern, Tagesausflügler, Radlfahrer.

Meridian Stillstand - Nur wenig Informationen für Passagiere

Was war los? Benjamin Hahn schildert es der AZ am Montag so: "Bis Bad Endorf ging alles gut. Auf einmal hat man ein Geräusch gehört und es folgte eine Vollbremsung." Stillstand.

Es ist zu diesem Zeitpunkt gegen 18.30 Uhr, der Zug steht auf freier Strecke kurz vor dem Bahnübergang bei Krottenmühl zwischen Bad Endorf und Rosenheim. Der Lokführer habe zunächst durchgesagt, es gebe ein technisches Problem und er wolle neu starten. "Das hat er auch getan, aber es passierte nichts", so Hahn. "Es kam keine weitere Durchsage, eine Viertelstunde war Ruhe."

Die nächste Ansage: Es werde in etwa einer halben Stunde eine neue Lok kommen. 50 Minuten lang passiert laut Hahn wieder nichts. Er kritisiert: "Es waren total wenige und unkonkrete Durchsagen und falsche Versprechungen, was den Zeitrahmen anbelangt."

Vollbesetzter Zug, kaputte Toiletten

Dazu kommt: Der Zug ist vollbesetzt, Menschen stehen in den Gängen, manche haben Fahrräder dabei. Die Türen bleiben geschlossen, weil die Zugstrecke nur einseitig gesperrt ist und der Verkehr auf dem Gegengleis weitergeht.

Die Stimmung sei angespannt gewesen, sagt Hahn zur AZ. Ein kleines Mädchen habe etwa dringend auf die Toilette gemusst, habe schon geweint. Eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn, die in dem Meridian nicht angestellt war, sei mit ihm auf die Zugtoilette gegangen. Doch diese sei kaputt gewesen.

Passagiere kritisieren mangelndes Krisenmanagement

Und bei der späteren Evakuierung des Zugs hätten andere Fahrgäste einen Senior – Passagier Hahn schätzt ihn auf über 80 Jahre – begleiten müssen, weil sonst keiner als Hilfestellung da gewesen sei. Hahn ist nicht der einzige, der über das mangelnde Krisenmanagement bei Twitter schimpft. Eine Frau namens Lauren Cheney schreibt auf Englisch: "Ich verstehe Gott sei Dank etwas Deutsch, aber viele andere hatten keine Ahnung, was vor sich geht. Die ganze Situation wurde sehr schlecht gemanagt."

Am Ende kommt Hahn nahezu drei Stunden später als geplant in Grafing an. Und das auch nur, weil er es bei der Evakuierung des Zugs gegen 21 Uhr in den Ersatz-Meridian aus Salzburg schafft. Der ist ebenfalls sehr voll.

Bayerische Oberlandbahn nimmt Stellung

Sprecherin Anna Graser von der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), zu der Meridian gehört, teilte der AZ am Montag mit, dass die Fahrzeugsteuerung eines Flirt-Triebzugs ausgefallen gewesen sei. Warum hat die Störung so lange gedauert? Selbst habe der Lokführer das Gefährt nicht mehr in Gang setzen können. Auch das Abschleppen habe nicht geklappt. Eine Evakuierung sei notwendig geworden.

300 Passagiere konnten demnach mit dem zweiten Meridian aus Salzburg fahren, der Rest mit dem Meridian, der eigentlich als Abschleppzug gedacht war, nach Rosenheim. Erst um 22.30 Uhr waren alle Gäste verteilt. Der "Schadensumfang" habe sich auch so ausgewirkt, dass Durchsagen nur im vorderen Zugteil zu hören gewesen seien, heißt es in einer offiziellen Mitteilung weiter. Erst ein Notfallmanager konnte die Durchsagen manuell für beide Zugteile aufnehmen.

Über die Toiletten-Situation sagt die Sprecherin der AZ: "Der M79038 bestand aus zwei Triebzügen Typ Flirt. In einem Zugteil waren nach unserem Kenntnisstand zwei von vier WCs funktionsfähig, in dem anderen waren alle WCs funktionsfähig."

Entschädigung für betroffene Fahrgäste

Der SPD-Abgeordnete Florian von Brunn kritisiert die Oberlandbahn und sagt an Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) gerichtet: "Es muss darüber nachgedacht werden, solchen Unternehmen in Zukunft nicht mehr den Zuschlag zu geben. Wenn die Betreiber unter öffentlichem Verkehr offenbar schlecht gewartete Schrottzüge verstehen, in denen Menschen stundenlang an einem heißen Sommertag im Stich gelassen werden, muss der CSU-Minister handeln!"

Für betroffene Fahrgäste bietet die Oberlandbahn eine gesonderte Entschädigung an. Fahrgäste sollen sich an den Kundenservice des Meridian wenden.

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