Das City of Birmingham Symphony Orchestra im Gasteig Klaus Florian Vogt singt Orchesterlieder von Strauss

Klaus Florian Vogt mag keine Hotels und zieht die Übernachtung im eigenen Wohnmobil vor. Foto: Sony

Klaus Florian Vogt mit Orchesterliedern von Richard Strauss in der Philharmonie

 

Anders als für seinen Vorgänger Richard Wagner war für Richard Strauss das Stimmfach des Tenors kein zentrales: Der Tendenz nach ersetzt der sopranistische Höhenrausch das Pathos des Helden. Klaus Florian Vogt leistet daher seiner Zunft einen gewichtigen Dienst, wenn er in einem gelungenen Auftritt sechs Orchesterlieder Strauss’ für die hohe Männerstimme reklamiert.

Die Auswahl, die Vogt getroffen hat, setzt auf die frühesten der vom Komponisten selbst instrumentierten Lieder und damit die berühmtesten. Das ist auch ganz gut so, weil damit der Vergleich zur weiblichen hohen Stimme möglich wird, welcher diese Gesänge ja üblicherweise anvertraut werden.

Octavian nach dem Stimmbruch

Der Clou ist, dass der Höhenrausch gar nicht ausfallen muss. Klaus Florian Vogts Stimme hat zwar mittlerweile an Farbe zugelegt, doch das für ihn so spezifische adoleszente Moment ist seinem sehr hellen Tenor nach wie vor zueigen. Hier singt ein junger Mann, gleichsam ein Octavian kurz nach dem Stimmbruch, doch das Organ ist in allen Registern kontrolliert geführt und sehr präzise gerandet.

Vogt kann sich, auch, weil Andris Nelsons am Pult des City of Birmingham Symphony Orchestras rücksichtsvoll begleitet, ohne Anstrengung durchsetzen, selbst in der Tiefe von „Ruhe, meine Seele!“, die außerordentliche Substanz ausbildet. Dazu spricht er klar und dennoch natürlich. In „Morgen!“ intoniert Vogt unschuldig zart und in „Cäcilie“ strahlt die Höhe dann doch heldisch. Die Zugabe, die Gralserzählung aus „Lohengrin“, reißt das Publikum in der Philharmonie zu Jubelstürmen hin, so mühelos und rein singt Vogt.

In der Begleitung gehen manche heikle Passagen, etwa in „Ruhe, meine Seel“, nicht mit letzter Perfektion zusammen, was in der hellen, leichten Klanglichkeit der Birminghamer besonders auffällt. Andris Nelsons ist eben eher ein phantasievoller Gestalter als ein penibler Techniker. In Antonín Dvoráks düsterer 7. Symphonie d-moll jedoch hilft gerade seine ansteckende Leidenschaft über manchen Leerlauf der Musik hinweg. Selten einmal hört man die formal so unplausiblen Ecksätze so einheitlich verschweißt.

 

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