Das Auto, das sich selbst lädt Sono Motors: 53 Millionen Euro mit Crowdfunding eingesammelt!

Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
"Ein Idealist": Elektrotechniker Laurin Hahn, einer der Gründer von Sono Motors, steht vor der Münchner Firmenzentrale an der Waldmeisterstraße. Von hier aus will das Unternehmen den deutschen Markt erobern. 43.000 E-Autos pro Jahr sind das erste große Etappenziel. Foto: Daniel von Loeper

Das Münchner Start-up Sono Motors hat es tatsächlich geschafft, sein Crowdfunding-Ziel von 50 Millionen Euro zu erreichen. Am Ende waren es sogar drei Millionen Euro mehr.

 

München – Es sei das größte Crowdfunding der Welt, was sein Unternehmen gerade betreibe – zumindest, wenn es um ein "fassbares Produkt geht", sagt Laurin Hahn, einer der Gründer von Sono Motors.

"Montag, 24 Uhr, ist Deadline", sagte Sono-Sprecherin Alexa Rauscher vergangene Woche zur AZ. Und tatsächlich: Am Samstagabend, zwei Tage vorher, erreichte die Kampagne die angestrebte, magische 50-Millionen-Euro-Marke. Diese ist wichtiger als gedacht – obwohl man im Fahrzeugbau normalerweise eher einige Hundert Millionen Euro brauche als "nur" 50.

Crowdfunding: Sono Motors sammelt 53 Millionen Euro ein

Insgesamt sammelte das Unternehmen sogar 53 Millionen Euro ein, wie Sono Motors nach dem Ende des Crowdfunding mitteilte. Durchschnittlich etwa eine Million Euro täglich flossen in die Kampagne, davon rund 75 Prozent durch Reservierer des "Solar Electric Vehicle Sion", 19 Prozent über bereits investierte und neue Investoren sowie rund 6 Prozent über Darlehen und Spenden.

Das Produkt, um das es geht: Ein E-Auto, das sich mit Solarenergie selbst laden kann.

Sono Motors: Idee entstand in der Garage

Um zu verstehen, weshalb dieser Betrag so wichtig ist, muss man ein wenig in die Vergangenheit blicken: Laurin Hahn (25) und Jona Christians (26) sind Idealisten, die beiden kennen sich fast ihr ganzes Leben. Ihre Erfindung, das Elektroauto Sono Sion, begann sozusagen nach kalifornischer Gründer-Tradition: in einer Garage. Aber nicht in Palo Alto, sondern in Pullach, wo Hahn und Christians damals lebten.

"Wir saßen zusammen, waren Abiturienten und machten uns Gedanken über das Klima und die Erderwärmung", erzählt Hahn. Das war lange vor Fridays for Future, vor dem Dieselskandal, vor Tesla in Deutschland und vor dem Münchner E-Auto BMW i3. "Wir überlegten, was wir gezielt gegen den Klimawandel tun könnten", sagt Hahn.

Schnell geriet das Erdöl in den Fokus. "Dieser Stoff ist so wertvoll, dass man ihn deutlich sinnvoller einsetzen könnte, als ihn täglich zu verbrennen und für Unmengen an CO² in der Luft zu sorgen, was ja wiederum den Klimawandel befeuert", sagt Hahn. Die Idee von Laurin Hahn und Jona Christians: ein Elektroauto für jedermann, minimalistisch sowie effizient.

Klimawandel als Antrieb

In der Pullacher Garage, etwa zwei Mal vier Meter groß, entstand nach unzähligen Stunden Eigenarbeit der erste Prototyp. Hahn entschied sich, Elektrotechnik zu studieren, Christians Informationstechnologie und Physik. Schritt für Schritt ging es vorwärts.

Vor einigen Monaten meldeten sich Investoren bei Hahn und Christians. Man wollte ihnen das Projekt samt Markennamen abkaufen. Solche Angebote können verlockend sein. Doch die Investoren interessierten sich offenbar nur für einzelne Elemente von Sono: wie etwa die Solarzellen, die großflächig verbaut sind. "Die Investoren hätten die Marke zerschlagen. Das Start-up Sono würde heute nicht mehr existieren, wenn wir verkauft hätten", sagt Hahn. "Aber wir wollen dieses Auto tatsächlich ausliefern. Das ist uns sehr wichtig." Etwa 10.000 Bestellungen seien bereits eingegangen.

Für die Gründer ist es ein Herzensprojekt. Eines, das einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten und nicht nur "irgendein E-Auto" sein soll. Deshalb beschlossen die Münchner, ihre Firma zu behalten und Ende November 2019 mit ihrem 50-Millionen-Euro-Crowdfunding in die Offensive zu gehen.

Sono Motors: Investoren wurden abgelehnt

Mit dem Geld wollen sie ihr Produkt entscheidend weiterentwickeln. "Wir brauchen als Nächstes Serienprototypen", sagt Hahn. "Wenn alles glatt läuft, können wir vielleicht noch 2021 die ersten Serienfahrzeuge ausliefern."

Sono geht mit dem Modell Sion einen ungewöhnlichen Weg, der aber Kosten einspare. Hahn zählt auf: "Wir haben nur ein Modell mit einer Variante, einer Farbe und einer Innenausstattung, keine eigene Fabrik, brauchen kein Händlernetz, weil wir einen Online-Direktvertrieb bevorzugen und wir müssen keine Millionenbeträge für Presswerkzeuge ausgeben, weil alles in Auftragsarbeit gefertigt wird." 43.000 Autos pro Jahr sind das erste große Etappenziel.

Über eine Solaranlage am Fahrzeug wird die Batterie geladen. Bei Tageslicht kann sie so viel Strom erzeugen, dass sie laut Hahn Energie für etwa 35 Kilometer bereitstellt. Die durchschnittliche Pendlerstrecke ist in Deutschland nicht länger. Vorausgesetzt also, man fährt jeden Tag mit dem Sono Sion nur in die Arbeit, könnte man, ohne ein einziges Mal aufzuladen, ganzjährig fahren. Der Sono-Slogan dazu: "Das Auto, das sich selbst lädt." Kosten soll es etwa 25.500 Euro.

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