„Danke, lieber Taxifahrer!“ Unbekannter Taxler rettet Münchner (79)

Wieder vereint: Ingrid K. (73) ist überglücklich, dass ihr Ehemann Walter (79) wieder wohlbehalten zuhause ist. Foto: Daniel von Loeper

Walter K. irrt hilflos durch München. Ein Taxler rettet den 79-Jährigen. Und verschwindet wieder – ohne seinen Namen zu nennen

 

Eigentlich kennt Walter K. den Weg von der Haltestelle in der Quiddestraße im Schlaf. Von dort sind es nur wenige Gehminuten bis zu der Wohnung in Perlach, in der er seit 35 Jahren mit seiner Frau Ingrid lebt, und in der sie ihre beiden Söhne großgezogen haben.

Dass sich „der Papa“ also auf diesem kurzen Wegstück verlaufen könnte, hätte auch er selbst nicht für möglich gehalten. Doch seit zweieinhalb Jahren hat sich vieles verändert. Walter K. musste wegen eines Blutgerinnsels im Gehirn operiert werden. Seitdem kann sich der 79-Jährige, der früher riesige Schwerlasttransporter durch ganz Deutschland lenkte, nicht mehr so gut konzentrieren. Er wird schneller müde und manchmal verliert er auch die Orientierung.

Am Mittwoch haben Ingrid und Walter nachmittags einen Arzttermin. Auf dem Rückweg möchte Ingrid K. noch schnell ins Pep, etwas abholen. Walter K. mag nicht mehr mit. Er ist müde. Er möchte die eine Station alleine weiterfahren und schon nach Hause gehen.

Frau Ingrid sucht überall - dann wählt sie den Notruf

Doch als Walter K. alleine ist, geht er am Haus vorbei in den Park. Und dann geht er immer weiter und weiter – bis er sich überhaupt nicht mehr auskennt. Mindestens vier Kilometer irrt er umher. „Ich hab’ mich verlaufen. Ich weiß auch nicht, warum“, erzählt er zwei Tage später der AZ.

Als Ingrid K. in die leere Wohnung kommt, macht sie auf der Stelle kehrt. „Ich habe überall nach ihm gesucht. Aber er war nirgends. Ich habe in fünf Krankenhäusern angerufen und unsere Kinder verständigt.“ Inzwischen ist es draußen dunkel geworden. „Ich habe solche Angst gehabt um ihn! Schließlich habe ich die 110 angerufen.“

Nur wenige Minuten später klingeln zwei Polizisten von der Perlacher Wache an der Tür. Sie notieren sich, welche Kleidung Walter K. trägt und nehmen ein Foto von ihm mit. „Die Polizisten waren sehr, sehr freundlich und engagiert“, berichtet Ingrid K. dankbar. Bei der Suche wird auch ein Polizeihubschrauber eingesetzt. Doch um 21 Uhr fehlt von Walter K. noch immer jede Spur.

Der Taxifahrer wollte kein Geld für seine Hilfe

Bis schließlich, rund vier Kilometer entfernt, ein Taxifahrer in Trudering auf einen älteren, frierenden Mann aufmerksam wird. Der Taxler erkennt, dass dieser Hilfe braucht. Er bietet dem 79-Jährigen an, ihn nach Hause zu bringen.

Problem: Der Rentner ist so durcheinander, dass er auch seine Adresse vergessen hat. Der Taxifahrer ist geduldig. Er bietet Walter K. an, für ihn nachzuschauen und findet die Adresse plus Telefonnummer in K.s Geldbörse. Er schaltet den Taxameter aus, ruft K.s Familie an und fährt los. Vor dem Haus wartet bereits Ingrid K. Überglücklich schließt sie ihren Mann in die Arme: „Bin ich froh, dass du wieder da bist, Bärle!“, ruft sie erleichtert.

Und der Taxifahrer? Er will nicht einmal Geld annehmen für die Fahrt. Der Mann verabschiedet sich und fährt wieder: Schwiegertochter Hanna K.: „Wir wissen noch nicht einmal seinen Namen. Ohne ihn ..., wer weiß, was passiert wäre? Wir möchten uns auf diesem Wege ganz, ganz herzlich bedanken!“

 

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