Dänemark An der Angel

Odense - Zuckt da was? Nein, wieder nichts! Anstatt einer prächtigen Meerforelle baumelt nur ein Bündel Seegras am Haken. Also weiter: Angel auswerfen, Bügel umlegen, kurbeln. Der Füne Flemming Pedersen steht unterstützend zur Seite. „Gut gemacht“, lobt der Fishing Guide (Angeltrainer) den zielgenauen, aber erfolglosen Wurf. Irgendwann wird von den 500 000 Meerforellen, die seit 2001 jedes Jahr ausgesetzt werden, schon eine anbeißen. Fünen, die zweitgrößte Insel Dänemarks zwischen Jütland und Seeland, zählt zu den besten Meerforellenrevieren Europas. Das liegt nicht allein an dem Besatz mit Jungfischen oder an den günstigen Strömungsbedingungen entlang der 1100 Kilometer langen Küste.

 

Seit 1990 werden Wasserläufe renaturiert und wieder passierbar gemacht. Denn wie auch die Lachse wandern Meerforellen zum Laichen an den Platz ihrer Geburt zurück. 25 Flüsse und Bäche sind auf der Ostseeinsel inzwischen barrierefrei. Auf 400 Kilometern haben die Salmoniden freie Bahn. Für einen passionierten Angler ist eine Meerforelle das höchste Glück auf Erden. Am besten gleich so einen Kaventsmann von 80 Zentimeter Länge. Kein leichtes Unterfangen. Die zum Fisch des Jahres 2013 gekürte Meerforelle hat einige Tricks auf Lager, sich dem Angler zu entziehen. Das Geschöpf ist ausgesprochen sensibel und dazu noch wetterfühlig. Salmo trutta trutta hat es gern wechselnd bewölkt und liebt leichten auflandigen Wind. Schlägt das Wetter um, wird sie depressiv und beißt schlecht. Da braucht es wenigstens den richtigen Köder, um ihren Appetit anzuregen. Ob Blinker, Wobbler, Spinner oder Fliege, liegt wohl mehr am Geschmack des Anglers. Und hat eine silberblanke Meerforelle endlich zugeschnappt, muss sie wenigstens 40 Zentimeter lang sein. Sonst heißt es: kehrt marsch und behutsam zurücksetzen.

„Nicht zu schnell kurbeln“

Die Schonzeit für Meerforellen dauert vom 16. November bis 15. Januar. Der Herbst ist im Prinzip eine gute Zeit, sein Anglerglück zu versuchen. Allerdings haben sich schon bei vielen Meerforellen die Flanken braun gefärbt. Sie werden also demnächst ihre Laichgründe ansteuern. Und wer würde schon eine Meerforelle auf ihrem beschwerlichen Weg zur Hochzeit abfangen wollen. Bleibt die Hoffnung auf einen flotten Grönländer am Haken, der für Sex noch zu jung, aber schon ausgewachsen ist. Oder auf einen Überspringer, der mit dem Laichen mal aussetzt - die Laune der Natur sichert so das Überleben dieser Art. „Nicht zu schnell kurbeln“, mahnt der Fishing-Guide. „Hektik verscheucht die Fische.“

Einzig Hornhechte jagten gern der Nahrung hinterher, fügt er hinzu. Trotz Wathose kriecht die Kälte langsam hoch. Ein leichter Wind kräuselt das Meer. Fischreiher fliegen über die Bucht. Kormorane hocken auf Pfählen im Wasser und breiten die Flügel zum Trocknen aus. Schweinswale habe er noch gar nicht gesehen, sagt Flemming und runzelt die Stirn. „Sie treiben sich hier rum, wenn es etwas zu fressen gibt“, erklärt er. Die Meerforellen fänden sich dann in Ufernähe, wo sie sich zwischen Sand, Steinen, Seegras und Blasentang perfekt getarnt fühlten. Also: keine Schweinswale, keine Meerforellen. Besser ist es, den Standort zu wechseln. Flemming Pedersen hat Erfahrung. Immerhin angelt er 50 bis 100 Meerforellen im Jahr. Schöner noch als Angeln, sagt Flemming, sei es, am Bach zu stehen und Meerforellen beim Laichgeschäft zu beobachten. Zu sehen, wie das Weibchen im braunen Laichkleid mit der Schwanzflosse eine Grube ins Kiesbett gräbt, die Eier ablegt, die anschließend vom Männchen besamt werden.

Manchmal gibt das Männchen nicht acht, weil es sich seiner Sache sicher fühlt. Daher passiere es manchmal, dass ihm ein Bachforellenjüngling aus dem Hinterhalt dazwischenfunkt, erzählt Flemming. So ein junger Spund will ja auch mal ran. Für den geplanten Grillabend wollen alle noch mal ihr Bestes geben und wünschen sich gegenseitig „Knæk og Bræk“ (etwa: Knicken und Brechen), die dänische Formel für Petri Heil. Doch keiner beißt an, Fische wird man sich nun im Laden besorgen müssen. Der hat allerdings schon zu. Bleiben für den Grill nur noch Koteletts aus der Kühlung. Morgen ist ein neuer Tag.

 

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