CSU sucht Schuldigen Söder und Seehofer: Jetzt knallt's!

Der Konflikt zwischen den Erzrivalen ist wieder voll entbrannt: Markus Söder (l.) gibt Horst Seehofer die Schuld am Umfragetief – und umgekehrt (Montage). Foto: dpa

Die Niederlage bei der Landtagswahl ist noch nicht besiegelt, da streiten Seehofer und Söder schon öffentlich über die Schuldfrage.

 

Die CSU liegt in den Umfragen bei miserablen 33 bis 35 Prozent, die absolute Mehrheit ist am Horizont verschwunden, ein Sündenbock muss her: Eine Woche vor der Landtagswahl am Sonntag ist zwischen Partei-Chef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder ein offener Streit über die Ursache der Krise entbrannt. Nachdem Söder vor allem die Bundespolitik verantwortlich gemacht hatte, spielte Seehofer den Ball am Wochenende zurück nach München. Zudem kündigte er an, nach der Wahl an seinen Ämtern als Bundesinnenminister und CSU-Vorsitzender festhalten zu wollen: Er habe eine Mission zu erfüllen.

Söder kritistiert schlechte CSU-Umfragewerte

Söder hatte Seehofer im März als Ministerpräsident abgelöst. Vor wenigen Tagen machte er die Koalition in Berlin mitverantwortlich für die schlechten Umfragewerte der CSU und kritisierte dabei indirekt auch Seehofers Verhalten im Zusammenhang mit dessen Flüchtlings-Masterplan. Bei einer Veranstaltung der "Bild"-Zeitung sagte Söder: "Ich gebe zu: Das waren nicht gerade unsere allergrößten Sternstunden!"

Seehofer blaffte am Samstag öffentlich zurück: "Ich habe mich in den letzten sechs Monaten weder in die bayerische Politik noch in die Wahlkampfführung eingemischt", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Das sei das persönliche Vorrecht Markus Söders. "Er ist zuständig für strategische Überlegungen im Wahlkampf."

Seehofer will großes Werk verrichten

In der "Welt am Sonntag" legte Seehofer einen Tag später nach – und kündigte an, auch nach der Wahl Bundesinnenminister bleiben zu wollen. "Ich habe ein großes Werk zu verrichten." Er wolle, dass die Politik wieder mehr auf die Anliegen der Bevölkerung schaue und für Recht und Ordnung sorge, so der 69-Jährige. "Diese Mission werde ich erfüllen."

Auf die Frage, ob er nach der Bayern-Wahl auch den CSU-Vorsitz behalten wolle, sagte er: "Ich bin von meinem Parteitag bis zum Herbst nächsten Jahres gewählt."

Außerdem sei eine absolute Mehrheit grundsätzlich noch möglich. Er selbst habe 2013 einen sehr schwierigen Wahlkampf führen müssen – und der CSU trotzdem die Alleinregierung gesichert, stichelte der Parteichef gegen den Ministerpräsidenten. "Gegenwärtig wende ich meine ganze Kraft auf, unsere Partei zusammenzuhalten und unserem Kandidaten Markus Söder jede Unterstützung zuteilwerden zu lassen." Und noch ein Seitenhieb in Richtung Staatskanzlei: "Nur vorsorglich weise ich darauf hin, dass wir in der Asylpolitik alles gemeinsam gemacht haben."

CSU-Generalsekretär mahnt zur Mäßigung

CSU-Generalsekretär Blume mahnte daraufhin beide Seiten zur Mäßigung: "Ich kann nur raten, jetzt alle Kraft auf das Überzeugen der noch unentschlossenen Wähler in Bayern zu konzentrieren und sich nicht mit anderen Fragen zu beschäftigen", sagte er der "BamS". Doch möglicherweise haben die beiden CSU-Alphamänner bereits zu viele Sympathien verspielt. "Ob es ein Problem Söder gibt, mag ich nicht zu sagen, die Umfragezahlen suggerieren es jedoch", sagt Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel. Fest stehe aber: "Horst Seehofer ist ein Riesenproblem für die CSU geworden." Der Minister "irrlichtert durch Berlin". Er stehe für eine "erzkonservative Linie, aber auch die hält er nicht einmal durch".

Eine Linie, die einige im CSU-Vorstand offenbar nicht mehr mittragen wollen. Laut "Spiegel" wollen mehrere Mitglieder des Gremiums Seehofer von möglichen Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl ausschließen. Ein entsprechender Beschluss werde für die Sitzung am Montag nach der Wahl vorbereitet. Er käme einer Entmachtung gleich.


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