Crystal Meth Crystal: So kommt die Droge nach München

Hergestellt ist Crystal Meth vergleichsweise günstig. In den Städten wird es dann teuer verkauft. Foto: Peter Diehl/Fotolia

Zehn Tonnen des gefährlichen Rauschgifts werden in Tschechien und Polen produziert und dann auch nach Bayern gebracht. In München ist der Stoff begehrt – und inzwischen so teuer wie Kokain

 

München -900 Gramm Crystal Meth. Das reicht locker, um ganz Erding in einen lebensgefährlichen Zustand zu versetzen. So viel haben Polizisten von Juli bis Dezember 2012 bei Grenzkontrollen in Nordbayern und Tschechien gefunden. Bei der „Operation Speedway II“ kontrollierten die Beamten der Polizei und des Zolls rund 10.000 Menschen.

Die Dimension der Aktion zeigt, wie ernst deutsche Behörden die Droge mittlerweile nehmen. Sie breitet sich von Oberfranken und der Oberpfalz immer mehr in Bayern, Deutschland und West-Europa aus. 2010 stellten Zollfahnder 15 Kilogramm sicher – 2012 waren es schon 23 Kilo.

Laut dem bayerischen Finanz-Staatssekretär Hartmut Koschyk werden derzeit zehn Tonnen pro Jahr in Untergrund-Laboren in Tschechien oder Polen hergestellt. Seit fünf Jahren fliegen 300 bis 400 dieser illegalen Produktionsstätten auf. Vor kurzem entdeckte die tschechische Polizei ein Labor im ehemaligen Eisstadion von Karlsbad. Die Hersteller mixten Crystal Meth im VIP-Raum – zehn Kilo am Tag!

Die Kontrollen schrecken die Banden nicht ab: Methamphetaminbase ist sehr leicht herzustellen – und extrem billig. Laut AZ-Informationen kostet ein Gramm in der Herstellung in Tschechien zwölf Euro.

Im Verkauf steigt der Preis rasant – wie die AZ-Karte beweist: Auf den so genannten Vietnamesen-Märkten in Cheb oder anderen Orten im deutsch-tschechischen Grenzgebiet kostet ein Gramm je nach Menge und Nachfrage schon 20 bis 35 Euro.

Von dort bringen Privatleute und immer öfter auch professionelle Verkäufer die Droge nach Nordbayern und Sachsen – und verstecken sie in Überraschungseiern, Zigarettenschachteln, Filzstiften, stopfen sie hinter die Rückspiegel oder kleben sie mit Magneten an die Unterseite ihrer Autos.

In Hof verlangen Dealer für den ungestreckten Stoff mit 90 Prozent Wirkungsgehalt schon 65 bis 80 Euro – gleicher Preis in Regensburg. In Nürnberg kostet das Gramm etwa 100 bis 120 Euro.
In München liegt der Straßenpreis bei 80 Euro, sagt der Chef des Drogen-Dezernats, Armin Aumüller. Den reinen Stoff als Schmuggelware gibt es ab etwa 100 Euro, sagt Jürgen Thiel, Sachgebietsleiter Rauschgift im Zollfahndungsamt München. Damit ist Crystal in München so teuer wie Kokain.

Die Nachfrage hemmt das nicht. „Wir haben in München immense Steigerungen im Fall-Aufkommen“, sagt Aumüller. Die Zuwachsraten seien seit drei Jahren zweistellig. Und: „Es wird immer schlimmer.“

SO KOMMT CRYSTAL NACH MÜNCHEN:

 

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