Künstler und Corona Tausend Euro monatlich für drei Monate

Der Münchner Musiker Titus Waldenfels. Foto: Marion Beckhäuser

Ministerpräsident Markus Söder spannt nun auch einen Rettungsschirm für freie Künstler – aber längst nicht für alle

 

Seinen letzten Auftritt vor Publikum hatte der Münchner Jazz- und Countrymusiker Titus Waldenfels am 14. März. Der Lockdown kam für ihn einem Berufsverbot gleich und so beantragte er wenige Tage später die Soforthilfe aus dem neu geschaffenen Corona-Hilfspaket. Bekommen hat er wie so viele freie Künstler in Bayern keinen Cent. Wie sollte es nun weitergehen, wenn es wahrscheinlich noch Monate dauern wird, bis sich Musiker und Publikum wieder in einem geschlossenen Raum begegnen können?

Zunächst hatte Bayern die Sorgen der freien Künstler ignoriert und die Hürden für die Corona-Hilfe höher gebaut als andere Bundesländer. Doch nun hat auch Ministerpräsident Markus Söder erkannt, dass nicht alle Künstler die Zwangspause mit Yoga und Champagner in ihren Seevillen füllen, sondern Zehntausende prekär beschäftigte Menschen um ihre Existenz fürchten. Denn laut Künstlersozialkasse beträgt das Durchschnittseinkommen beispielsweise freier Musiker 14 628 Euro jährlich, das der Musikerinnen nur 12 222 Euro.

Da gibt es kein Polster, wenn die Einkommen auf null gestellt werden. Und der Vorschlag, Künstler sollten doch Hartz IV beantragen, stieß auf Entsetzen. „Das ist einfach nicht das richtige Tool für uns“, sagt Waldenfels, „ich suche ja keine Arbeit, ich habe einen Beruf.“

Hilfe - auf drei Monate befristet

Nun also orientiert sich die Bayerische Landesregierung an einem Modell, das schon in Baden-Württemberg eingeführt wurde. Künstler erhalten (zunächst befristet auf drei Monate) 1000 Euro monatlich Corona-Hilfe. „Bayern ist Kulturstaat und wir wollen die Kunstszene und die Künstler nicht alleine lassen“, sagte Söder bei seiner Regierungserklärung im Landtag. Er sprach von rund 30 000 in der Künstlersozialkasse gemeldeten Freischaffenden, die bislang durchs Raster aller Soforthilfemaßnahmen gefallen sind und nun Geld bekommen.

„Das nimmt natürlich erst einmal den Druck ein bisschen weg und schafft eine gewisse Erleichterung“, sagt Titus Waldenfels. Untätig ist er auch bislang nicht gewesen. Er gibt zwei Mal die Woche Wohnzimmerkonzerte, die man im Netz verfolgen kann. Noch hat er keine 1000 Abonnenten, die er für einen Youtube-Kanal benötigen würde, aber die Fans können ihn bei Facebook live verfolgen (nächster Termin: an diesem Donnerstag um 19 Uhr unter www.facebook.com/waldenfels) und per PayPal unterstützen.

Sanne Kurz, Kultursprecherin der Grünen im Landtag, ist mit Söders Vorstoß allerdings nur halb zufrieden: „In NRW hat sich gezeigt, dass nur rund 50 Prozent der von Ausfällen Betroffenen in der Künstlersozialkasse organisiert sind. Gerade Kulturschaffende, die über den Quereinstieg kommen, haben es schwer, in der KSK Aufnahme zu finden“, sagt sie und befürchtet, dass wieder viele freie Künstler auf der Strecke bleiben. „Die Regelung, die Ministerpräsident Söder hier verspricht, ist daher nur ein erster Schritt. Eine umfassende Regelung für den gesamten Kultursektor, wie die grün-schwarze Regierung in Baden-Württemberg sie vorgelegt hat, wäre dringend geboten. Dies entspräche dann auch unseren Forderungen.“

Ein Herz aus Gold

Was das bayerische Modell nun für ihn in der Praxis bedeutet, weiß der Münchner Musiker Dominik Hruby noch nicht, denn er ist nicht in der Künstlersozialkasse versichert. Aber jammern ist nicht so seine Sache, er hat schon direkt nach dem Verbot aller Aufführungen einen Vorschlag seiner guten Freundin Cathy in ein kleines Geschäftsmodell umgesetzt, das er unter seinem Künstlernamen Cluas verfolgt: „Ich erstelle Dir ein ganz persönliches Video – ein Mix aus einem Song Deiner Wahl und Deiner ganz individuellen Botschaft für Deinen Lieblingsmenschen“, heißt es auf seiner Facebook-Seite „Corona Song Postcard“ (www.facebook.com/rescluas).

Für 9.99 Euro spielt der Folksänger Cluas den gewünschten Song ein (für 5.99 eine gekürzte Version), den er im Auftrag von Menschen mit Grußbotschaft als Video produziert und verschickt. Am 21. März begann er, diesen bezaubernden Service anzubieten, bislang hat er schon 60 Corona Song Postcards fertiggestellt. „Ich habe schon Corona Song Postcards um die ganze Welt versandt“, sagt Dominik Hruby, so grüßten Menschen ihre Freunde in Irland ebenso wie in Amerika, Australien oder Neuseeland. Besonders gefragt sind bislang die Songs „Save Tonight“ von Eagle-Eye Cherry und „Heart Of Gold“ von Neil Young.

Ein Herz aus Gold haben sicherlich viele Künstler in Bayern, aber da sie neben der Gastronomie und Hotellerie zu den wirtschaftlich am stärksten von der Coronakrise Getroffenen gehören, wäre es auch schön, wenn die Politik sich nicht hartherzig weitreichenderen Lösungen für die Künstlerhilfe verschließt.
 

 

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