Coronakrise Millionenhilfen für Clubs, Theater und Laienmusiker in Bayern

Bernd Sibler mit Thomas Goppel (Bayerischer Musikrat), Bernd Schweinar (Verband für Popkultur) und Axel Ballreich (Verband Livekomm, von li.) im Ministerium. Foto: StMWK/Andreas Gebert

Kunstminister Bernd Sibler öffnet den Rettungsschirm des Freistaats für Clubs, private Theater und Laienmusiker 

 

Mit 30 Millionen Euro will der Freistaat Bayern Clubs, Theatern, Kabarett- und Konzertbühnen sowie anderen Spielstätten durch die Corona-Krise helfen. Bei vielen Betrieben gehe es um die Existenz, sagte Kunst- und Wissenschaftsminister Bernd Sibler. Weitere 10 Millionen Euro sind für Blaskapellen und andere gemeinnützige Laienmusikvereine gedacht, die einem der 22 Dachverbände der Laienmusik in Bayern angehören.

„Wir müssen unser facettenreiches Kulturleben in Bayern erhalten“, so der Minister. Er wolle die Auswirkungen der Corona-Pandemie abfedern, Strukturen erhalten und Existenzen sichern. „Denn es zeichnet sich ab, dass die Krise leider noch länger starke Auswirkungen auf unsere Kulturlandschaft haben wird.“

Vielfalt erhalten

Die Programme sind Teil des 210 Millionen Euro großen Kultur-Rettungsschirms in Bayern. Kleine und mittlere Spielstätten können jeweils bis zu 300 000 Euro beantragen, wenn sie für das zweite Halbjahr „plausibel in Geldnöten sind“ und weder öffentlich getragen noch institutionell gefördert werden. Laut Sibler werden Ausgaben wie die Miete, Kredite, Personalkosten und auch ein fiktiver Unternehmerlohn für die Betreiber berücksichtigt.

Der Kunstminister sprach von einem „Bayernbonus“, den das Programm des Freistaates biete. Im Vergleich mit der Überbrückungshilfe des Bundes sei es besonders attraktiv: Tatsächliche Personalkosten sind im bayerischen Stabilisierungsprogramm zu 100 Prozent berücksichtigungsfähig. Zudem sei gerade für kleinere Spielstätten eine deutlich höhere und längere finanzielle Unterstützung vorgesehen.

„Wir brauchen die ganze Vielfalt und Kraft, die von diesen kreativen Orten ausstrahlt. Wir brauchen die Bühnen, auf denen sich Künstlerinnen und Künstler präsentieren können. Daher ist jeder Euro aus dem Stabilisierungsprogramm gut angelegt“, so Sibler.

Geld gibt es auch für die Laienmusikvereine. Sie können bis zu 1000 Euro erhalten. Für jedes weitere Ensemble eines Vereins erhöht sich die Summe um bis zu 500 Euro. Damit sollen musikalische Aktivitäten, aber auch Maßnahmen zur Umsetzung von Schutz- und Hygienekonzepten finanziert werden.

Drohende Pleiten

Axel Ballreich, Vorsitzender des Deutschen Musikspielstättenverbandes Livekomm und Betreiber des Nürnberger Live-Clubs „Der Hirsch“, lobte die Maßnahmen bei der Pressekonferenz im Ministerium. Im Vergleich mit ähnlichen Hilfen des Bundes und anderer Bundesländer seien sie von hoher Qualität. Dennoch geht er davon aus, dass es nicht alle Spielstätten schaffen werden.

Ballreich fürchtet, dass bis zu 20 Prozent aller privaten Spielstätten die Krise nicht überleben könnten. Man müsse aber versuchen, die Pleitewelle gering zu halten. Er gehe davon aus, dass ein Normalbetrieb wohl nicht vor Ende des Jahres möglich sein werde. Bernd Schweinar vom Verband für Popkultur in Bayern sprach von weiteren Baustellen. Da sei man aber bereits in einem konstruktiven Dialog.

Viele Häuser hoffen, dass bald mehr Besucher kommen dürfen. Derzeit sind im Inneren unabhängig von der Größe der Räume maximal 100 Gäste zugelassen. Es gebe bereits Konzepte für weitere Lockerungen, man müsse aber Schritt für Schritt vorgehen, sagte Sibler. Nähere Angaben machte er nicht. „Ich hoffe, dass wir in den nächsten Tagen weitere Schritte gehen können.“

Zur vielkritisierten Künstlersoforthilfe für Solo-Selbstständige erklärte Sibler, dass ihm klar sei, dass die maximal 3000 Euro für drei Monate nicht ausreichten. Er sehe die Nöte. Sibler appellierte an die Betroffenen, Anträge zu stellen. Bisher seien an 8200 Antragsteller rund 16 Millionen ausbezahlt worden. Die Zahl der Ablehnungen sei gering.

Ein Schlag ins Gesicht

Der Minister betonte, alle bisherigen Maßnahmen seien „maximal offen“ für weitere Anpassungen. Die Coronakrise habe ihm die Bedeutung der Freien Szene für das kulturelle Leben in Bayern vor Augen geführt. Sibler versprach, sein Ministerium werde dem Bereich des Kulturlebens jenseits der staatlichen Museen und Theater künftig mehr Aufmerksamkeit zuwenden.

„Beim Spielstätten-Programm wurde endlich umgesetzt, was wir seit Mai fordern: Fiktiver Unternehmerlohn kann geltend gemacht werden, Personalkosten sind neben Betriebskosten anrechenbar“, sagt Sanne Kurz von den Landtags-Grünen. „Das wird helfen. Aber ob das Geld reicht?“

Die Hilfen für die Laienmusik haben für Kurz den Beigeschmack von „Amigo-Politik“. „Von acht Blasmusik-Verbänden haben gleich fünf CSU-Abgeordnete oder Ex-CSU-Abgeordnete als Vorsitzenden, darunter Ex-Staatssekretäre und Ex-Minister.“ Dass hier Hilfen rückwirkend ab 15. März und im Voraus bis 31. Dezember abgerufen werden können, nennt Kurz „einen Schlag ins Gesicht aller professionell arbeitenden Musikschaffenden, die ebenso seit Mitte März leiden, aber rückwirkend keinen Cent erhalten haben.“

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