Corona und die Folgen Die AZ-Onlineredaktion im Homeoffice: Ein Blick auf die (Schreib-)Tische

Ein Blick in eines der Homeoffices der AZ-Redakteure. Foto: privat

Die Online-Redaktion der AZ arbeitet seit nunmehr drei Wochen im Homeoffice. Hier erzählen Redakteure, wie (gut) das funktioniert. Ein kleiner Blick hinter die Kulissen.

 

München - Video-Meeting statt "echter" Redaktionskonferenz, umgeleitete Telefone aufs (Privat-)Handy, kein Kaffeemaschinen-Tratsch mit den Kollegen: Die Corona-Krise hat mittlerweile auch die gesamte AZ-Onlineredaktion ins unfreiwiliige Homeoffice gebracht.

Seit nunmehr drei Wochen sitzen wir nicht mehr in den Räumen in der Garmischer Straße. Diese wurden gerade umgebaut, unsere Büros sind nagelneu und modernisiert. Gesehen haben wir sie aber noch nicht. Stattdessen: den heimischen Küchen-, Schreib-, oder Behelfstisch.

Hier erzählen wir, wie das funktioniert – und welche ungeahnten Herausforderungen das mit manchmal mit sich bringt...

Equipment-Lieferung nach Hause

Ich war der erste Homeoffice-Kandidat. Gezwungenermaßen, nachdem ich Mitte März auf einer Berghütte am Wolfgangsee Jens Spahns Tweet gelesen hatte, dass alle Österreich-Heimkehrer sich doch bitte zwei Wochen isolieren mögen. Auf der Rückreise schnell kontaktlos den vom Kollegen vor der Tür deponierten Bildschirm geschnappt und ab nach Hause. Der Esstisch wurde zum Schreibtisch, der Couchtisch zum Esstisch, der Gasofen blieb aus, die Tür zu, die Dartscheibe ungenutzt (Gegner kommt ja eh keiner). So ist das auf 35 Quadratmetern.

Nach zwei Wochen Homeoffice auf dem Küchenstuhl machten sich Bandscheiben und Halswirbel bemerkbar. Bürostuhl-Lieferzeiten? Selbst beim Online-Versandhandel-Marktführer vier Wochen. Eine Kollegin aus dem Politikressort eilte zur Rettung und hat jetzt was gut bei mir. Sie fuhr mir nach Dienstschluss einen AZ-Bürostuhl vorbei. Jetzt läuft’s (fast) genau so rund wie im Büro – aber erst wenn der Nachbar oben drüber seine täglichen Turnübungen beendet hat.

Markus Giese, Redaktionsleiter

Kein Platz für Papierstapel

Mein Schreibtisch steht eigentlich auf dem Balkon und reicht genau für Kaffee und Frühstücksteller. Da der Balkon aber gerade abgerissen und noch nicht ersetzt wurde (ganz schlechtes Timing), ist der kleine Metalltisch jetzt mein Arbeitsplatz. Gerade groß genug für Laptop und Zubehör, auch wenn mir ein paar Mal am Tag die Maus vom Tisch rutscht. Aber der Platzmangel hat auch Vorteile: Mein Platz ist deutlich ordentlicher als der in der Redaktion – für Papierstapel ist schlicht kein Platz.

Jeanne Jacobs, stellvertretende Redaktionsleiterin

Wortsalat dank Hundepfote

Tierische Mitbewohner sind einfach was Schönes. Gerade in Zeiten der Corona-Krise, Social Distancing und Homeoffice geben sie einem das Gefühl von Alltag. Zwischen den neuesten Klatsch- und Tratschgeschichten der Promi-Welt kann eine kurze Kuscheleinheit die Arbeitsmoral wieder stärken. Allerdings wird es knifflig, wenn während der Arbeit eine Eilmeldung auf den Tisch flattert. Da kann es passieren, dass mitten im hektischen Schreiben plötzlich eine Pfote auf der Tastatur landet und aus dem Artikel einen Wortsalat macht. Genau in diesen Momenten fordert Phoebe die ganze Aufmerksamkeit, denn ich habe ihn ihren Augen offenbar Freizeit. Ich bin ja schließlich zu Hause.

Sven Geißelhardt, Volontär People/Unterhaltung

Rekordverdächtiger Arbeitsweg

Eine tierische Kollegin habe auch ich in meinem Homeoffice. Aus Effizienzgründen habe ich meine Arbeitseinheit in die WG meiner Freundin verlegt - so sparen wir unnötige Fahrerei und so ganz alleine ist’s dann ja doch auch ein bisschen trist im Corona-Homeoffice. Nun kommt es allerdings vor, dass "mein" Platz belegt ist: Von der WG-Katze. Abgesehen davon ist vor allem eines in dieser Situation angenehmer. Im Frühdienst klingelt der Wecker deutlich später – der Weg zum Arbeitsplatz beträgt schließlich auch nur handgestoppte 17 Sekunden.

Lukas Schauer, verantwortlicher Redakteur München

Ein Glaserl via Video-Call

Ganz ohne Hemd (und Sakko) komme ich derzeit aus. Die Meldungen über die meist launige Promi-Welt schreibe ich nicht mehr von Society-Partys aus, sondern ausschließlich vom heimeligen Wohnzimmer oder dem sonnigen Balkon. Die Vorteile der VIP-Arbeit im Homeoffice: Man muss sich nicht komplett aufbrezeln und erreicht die Promis, die jetzt alle daheimsitzen und Zeit haben, viel leichter. Was bleibt trotz abgesagter Events? Man prostet sich weiterhin mit einem Glaserl zu, ausschließlich digital via Video-Call – und nach Feierabend natürlich!

Steffen Trunk, Ressortleiter Promis/Unterhaltung

Ausweich-Plan fürs Essen

Beengtes Arbeiten: So lässt sich meine Situation im Homeoffice wohl am besten beschreiben. Der Grund: Auch die Freundin, ebenfalls Redakteurin, arbeitet mittlerweile vom heimischen Esstisch aus – mit jeweils einem Laptop und einem weiteren Bildschirm, sowie Tastatur, Maus und Kaffeetassen, bleibt da kaum noch Platz. Zum Essen wird deshalb ausgewichen. Auf den Boden. Die eigentliche Sitzbank wird so kurzerhand zum Tisch umfunktioniert, Kissen werden zu Stühlen. Bequem ist was anderes – aber all das wird ja (hoffentlich) nicht zum Dauerzustand...

Michael Schleicher, Chef vom Dienst

Klaviermusik im Nebenzimmer

Tierische Unterstützung kann ich im Homeoffice-Alltag zwar nicht bieten, dafür aber musikalische Begleitung. Bei sanfter und melodischer Klavier-Untermalung des WG-Mitbewohner schreibt sich so mancher Text entspannter. Ein weiterer Vorteil der derzeitigen Situation: Ich gehe vor der Arbeit zum Laufen (habe ich zu normalen Bürozeiten nie geschafft) ... auch wenn mir grundsätzlich der Sport mit dem Ball am Fuß lieber ist.

Christina Stelzl, Volontärin Sport

Zu laute Vögel

Home Office? Balkon Office! Es ist schon ziemlich bitter, dass uns das Coronavirus ausgerechnet zum Frühlingserwachen zum Daheimbleiben zwingt. Um zumindest ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen, habe ich meinen Arbeitsplatz kurzer Hand auf den Balkon verlegt. So bin ich nicht nur an der frischen Luft, sondern habe von meiner Wohnung im dritten Stock aus auch einen schönen Blick ins Grüne. Einzig für unsere Videokonferenzen verziehe ich mich nach drinnen auf die Wohnzimmercouch - draußen zwitschern die Vögel zu laut.

Bernhard Lackner, Reporter Sport

Zweites Mini-Büro für die Kleinen

In den neuen Job starten ohne Kollegen ist gewöhnungsbedürftig. Ich bin erst seit Anfang April als Social Media Redakteur zum AZ-Online-Team gestoßen. Mein Arbeitsalltag ist abseits von Facebook & Co. gezwungenermaßen alles andere als "social": Die Kommunikation mit meinen Kollegen findet hauptsächlich per Videokonferenz und Chat-Nachrichten statt. Kein kurzer Kaffeeklatsch in der Redaktionsküche, kein schneller Blick auf den Nachbarbildschirm. Zum Glück sorgen alle dafür, dass mir mein Einstieg bisher sehr leicht gefallen ist. Trotz sozialer Distanz. Und wenn alles vorbei ist, möchte ich eine Woche lang aus der Redaktions-Kaffeeküche arbeiten. Die zweite Herausforderung tobt gerade brüllend am Büro vorbei. Die beiden Jungs, drei und fünf Jahre alt, waren anfangs sehr irritiert, dass Papa zwar zuhause, aber fast den ganzen Tag nicht zu sehen ist. Also haben sie kurzer Hand ein Mini-Büro unter Papas Schreibtisch installiert. Dort machen sie auch Homeoffice. Wenn keine Videokonferenz stattfindet.

Christian John, Social Media Manager

 

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