Corona-Krise Was wird aus dem Filmfest?

Plakate für das Filmfest München. Foto: dpa

Das Filmfestival in Cannes glaubt noch, dass es stattfinden wird, nun halt Ende Juni statt Mitte Mai. Nur findet genau in diesem Zeitraum das Filmfest München statt

 

Die Ansage des größten Filmfestivals der Welt in Cannes, seine diesjährige Ausgabe von Mitte Mai auf Ende Juni zu verschieben, war gerade für München eine Schockwelle. Zwar gehen viele davon aus, dass der neue Termin des 73. Festival du Film in Cannes zu optimistisch angesetzt ist. Aber wenn es so käme, würde das eine Termindoppelung mit dem Filmfest München bedeuten, das bisher unverändert am 25. Juni starten will.

Das Problem: Der prominenteste Teil der Filme, die das Filmfest München zeigt, kommen oft frisch von der Côte d’Azur, wo das Filmfest München mit seinen Programmern auf Filmjagd ist. Das würde jedenfalls wegfallen. Auch die Presseaufmerksamkeit würde unter einer Parallelität des dominanten Festivals in Frankreich und des Münchner Filmfests leiden. Cannes zieht jedenfalls die Hauptaufmerksamkeit auf sich.
Was ausländische Gäste anbelangt, werden beide Festivals ihre Schwierigkeiten haben, Stars aus aller Welt nach Europa zu locken. Bekanntermaßen sind US-Stars da besonders empfindlich und die ersten, die bei Krisen über ihre Agenten ihre Teilnahme absagen.

Im Sommer wird es eng

Wäre für das Filmfest München eine Verschiebung in den Spätsommer möglich? Da wiederum liegt traditionell das zweitwichtigste Filmfestival der Welt: die Filmbiennale am Lido in Venedig, die Anfang September starten will. All diese Gedankenspiele wirken allerdings in Anbetracht der Tatsache, dass das Virus in Europa nirgendwo im Abklingen ist und alles im Augenblick eher extremer wird, ohnehin fragwürdig.

Das Dok.Fest München, das immer Anfang Mai stattfindet, versucht es in seiner 36. Ausgabe diesmal gleich komplett online. Man wird dann die international ausgesuchten Filme streamen können.

Verlorengegangen ist dabei natürlich das gesamte Festivalgefühl: Das besteht nicht nur im gemeinsamen Publikumserlebnis, sondern vor allem auch in der Chance, die Filmemacher live zu erleben und auch befragen zu können. Für genau all das rühmt sich auch das Filmfest München als „größtes Sommerfest“.

Keine konkrete Aussagen

Filmfest-Chefin Diana Iljine hält sich zu alledem noch bedeckt: „Wir bitten um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkreten Aussagen dazu treffen können, wie das Filmfest München auf die Ankündigungen aus Cannes reagieren wird. Hierfür ist es noch zu früh“, heißt es in einer Mitteilung.

„Die Entscheidungen, die jetzt in Cannes und auch beim Dok.Fest München getroffen wurden, sind für Festivals gefallen, die schon im Mai stattfinden. Das Filmfest findet aber erst Ende Juni, also circa sechs Wochen später statt. Wir verfolgen natürlich alle Entwicklungen und beraten intern – selbstverständlich auch mit unseren Gesellschaftern – und mit Kollegen weltweit über die verschiedenen Szenarien, die wir derzeit erarbeiten.“

Dabei sind die „Szenarien“ klar: absagen oder verschieben mit allen Konsequenzen und Unwägbarkeiten. Online dürfte beim Filmfest München allerdings keine Option sein, weil Sommer, Sonne und Partys bei diesem Fest einfach dazugehören.

 

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