Corona-Krise setzt Bauherren zu Kurz vor der Fertigstellung: Neue Jugendherberge in Neuhausen

Paul Nöllke.
Im Foyer kann man bereits die geschwungene Treppe bestaunen. Bald soll der Innenausbau beginnen. Foto: Bernd Wackerbauer

Bald soll das moderne Gebäude die ersten Gäste beherbergen – doch die Corona-Krise setzt den Bauherren schwer zu.

 

München - Der Baulärm ist gut. Das findet zumindest Michael Gößl. Denn für den Verbandsvorstand des Deutschen Jugendherbergswerks zeigt der Lärm der Bohrer und Hammer, dass sich etwas tut – und das in einer sehr schwierigen Zeit für die Jugendherbergen. In der Winthirstraße wird Münchens älteste Jugendherberge renoviert, um die Ecke, am Winthirplatz, entsteht ein großer moderner Anbau mit einem großen verglasten Foyer. Der erste Entwurf für diesen Neubau war so modern, dass er gleich zwei Mal von der Baukommission abgelehnt worden war. Der Entwurf wurde angepasst: Nun wird zum Beispiel die Fassade verputzt, statt mit dunklem Metall verkleidet.

Coronakrise hat den Jugendherbergen stark zugesetzt

Das Projekt befindet sich kurz vor der Fertigstellung: Der Rohbau am Winthirplatz steht bereits, in der zukünftigen Eingangshalle windet sich eine breite Treppe in den ersten Stock. Die Sanierung des Altbaus soll nun auch zeitnah beginnen, die Eröffnung verzögert sich allerdings etwas, da im Haus statische Probleme festgestellt wurden, erzählt Projektleiterin Katja Hey. Im Juli nächsten Jahres soll deswegen erst der Neubau des 31 Millionen Euro teuren Bauprojekts eröffnen und die moderne Jugendherberge mit über 400 Zimmern dort die ersten Gäste empfangen.

Doch obwohl sich die Vorstände über die baldige Eröffnung freuen, wird beim Baustellenrundgang auch klar: Die Coronakrise hat den Jugendherbergen stark zugesetzt, die Zukunft ist sehr ungewiss. "Wir haben das Jahr wirklich sehr wohlgemut begonnen", erzählt Vorstand Gößl. Im vergangenen Jahr hätten 1,25 Millionen Gäste in den Jugendherbergen in Bayern übernachtet – ein sehr guter Wert. Der Februar 2020 sei dann sogar einer der besten der letzten Jahre gewesen. "Und dann kam Corona", sagt der Vorstand. "Unsere Einnahmen waren von einem auf den anderen Tag bei null."

Neue Jugendherberge: Workshops mit Künstlern und Musikern geplant

Viele Investitionen, zum Beispiel eine neue Jugendherberge in Regensburg, wurden deswegen komplett auf Eis gelegt, die Angestellten sind fast vollständig in Kurzarbeit. In München jedoch wurde weitergebaut. "Es war klar: Ganz egal, wie es mit uns weitergeht, wir müssen diese Baustelle weiterführen", sagt Gößl. "Wir hatten bereits Verträge, die wir einhalten müssen." Hätte das Jugendherbergswerk die Baustelle gestoppt, wäre man aufgrund der Schadensersatzforderungen "unmittelbar in die Insolvenz" gerutscht, erklärt Michael Gößl.

Dennoch will man sich die Freude über die neue Jugendherberge nicht nehmen lassen. "Gerade dieses Haus ist eine Investition in die Zukunft unseres Verbandes", sagt Gößl. In der Herberge soll das Thema Musik einen großen Stellenwert haben. "Es gibt in München drei Spitzenorchester, die Musikhochschule und eine sehr junge Musikszene", erläutert Vorstand Winfried Nesensohn. "Die Idee ist, das Haus innen mit der Kultur draußen zu vernetzen."

So gibt es in der Herberge nun die Möglichkeit, Konzerte aufzuführen, es soll Workshops mit Künstlern und Musikern geben. "Die Besonderheit ist, dass wir zwölf Proberäume haben und im Erdgeschoss mobile Trennwände", sagt Nesensohn. Die Wände können herausgenommen werden, um einen Konzertsaal für 199 Menschen entstehen zu lassen. Auch auch für Tänzer soll die Jugendherberge genug Platz bieten. In einem Raum befindet sich ein schwingender Tanzboden, ein anderer ist komplett verspiegelt. "Wir hoffen, dass das ein Alleinstellungsmerkmal für uns ist", sagt Nesensohn. Und so trotz Coronakrise genügend Gäste kommen.

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