Comedy Erkan und Stefan - das Comeback

Die Endvierziger John Friedmann (links, als Erkan) und Florian Simbeck (als Stefan) erkunden noch einmal die Jugend. Foto: Gregor Wiebe

Es gibt Comebacks, mit denen man gar nicht rechnen würde – Erkan & Stefan versuchen es nun wieder miteinander

 

Fast 20 Jahre nach dem Kinofilm von Bully Herbig geben „Erkan und Stefan“ alias John Friedmann und Florian Simbeck (beide 48) im Circus Krone ihr Comeback mit dem Programm „Bir, iki, ütsch“. Versprochen sind „Comedy, Action und Druckmusik. Doppelschwör.“

AZ: Sie sind wieder da ...
ERKAN: Krass, oder?

STEFAN: Hast Du uns jetzt gesiezt oder war das Plural?

Erkan und Stefan sind wieder auf Tour – wie läuft’s?
Erkan: Wir haben schon mehr als ein Dutzend Auftritte hinter uns, von Deggendorf bis Düsseldorf. Es war nicht alles ausverkauft, aber überall fett geile Stimmung. Für uns war das total spannend, hat brutal Spaß gemacht, und das überträgt sich dann auf die anderen Checker im Publikum.

Wie ist das wieder gemeinsam auf der Bühne, nach all den Jahren? 2007 war ja Schluss mit „Erkan und Stefan“...
STEFAN: Ein crazy Feeling, wie Fahrradfahren: Du verlernst es irgendwie nicht. Erkan: Oder das andere mit F, weißt du?

STEFAN: Es ist total geil. Du spürst halt voll die Energie. Das Publikum ist die ganze Zeit am Lachen. Du spürst, wie die Fans das vermisst haben. Crazy. Jetzt weiß ich, wie sich die Zillertaler Schürzenjäger oder die Wildecker Herzbuben fühlen. Auch so krasse Duos.

ERKAN: Was wir voll unterschätzt haben: Viele haben über all die Jahre unsere Filme gesehen. Immer wieder kommen Leute, die sagen: „Ihr habt unsere Jugend geprägt. Wir haben eure Filme gefeiert.“ Gerade der dritte Film ist ein bisschen ein Kult-Film geworden, den sich Leute jedes halbe Jahr zusammen anschauen und ihn feiern. Früher kannten uns die Einen von der Bühne, die Anderen aus dem Radio, die Dritten aus Kino und Fernsehen. Die Kino-Leute haben nicht gedacht, dass wir auf die Bühne gehen. Jetzt ist es homogener. Aber ohne schwul.

Was für ein Publikum ist das heute?
STEFAN: Das geht teilweise über drei Generationen. Früher waren die Kids mit ihren Eltern oder Großeltern da, und jeder konnte lachen. Jetzt kommt auch mal die Oma mit dem Sohn – und der hat seine Kids dabei.

ERKAN: Machen wir uns nix vor: Die Kids müssen uns neu entdecken. Die anderen kennen uns halt von früher. Viele haben auch unseren Song gehört, den „Ehrenmann“, und fahren voll darauf ab. Abgefahren, oder?

Zu den Hochzeiten in den Nuller-Jahren konnten Sie ja alles anfassen, und es wurde zu Gold...
Erkan: Wir haben viele Sachen gemacht, die die Leute gar nicht so mitbekommen haben, zum Beispiel Asterix und Obelix auf Erkan und Stefan. Einen unglaublich krassen Effekt hatte aber „Findet Nemo“. Da waren wir nur eine Stunde im Studio, hatten nur die kleine Rolle von den Fischen, aber eine ganze Generation von Kids hat sich das gemerkt.

Was genau performen Sie auf der Bühne? Denselben Style, dieselbe Sprache wie vor 20 Jahren? So redet doch kein Mensch mehr.
ERKAN: Früher war unsere Sprache schon auch immer lebendig, hat sich stets weiterentwickelt. Und so ist es auch jetzt. Wir greifen die Sprache auf und geben ihr unseren eigenen Swing, legen sie tiefer, spoilern die Sprache.

STEFAN: Die Kids reden heute noch genauso: „Wallah, isch schwör, Alter.“ Das sagen die die ganze Zeit.

Sie meinen, die Sprache der Jugend hat sich in den letzten 20 Jahren nicht verändert?
Erkan: Kaum. Aber wir haben ja schon damals so gesprochen, wie wir Bock hatten. Stefan: Mein Sohn hockt vor der Playstation und sagt ständig „Wallah“.

ERKAN: Das sind ja nur ein paar Wörter. Was wir machen, ist Attitude-Comedy. Diese Attitude, die wir damals hatten, ist zeitlos. Und die leben wir jetzt weiter aus. Weil wir Bock drauf haben und jeden dazu einladen, mit uns krass abzufeiern.

Wie kam’s zur Wiedervereinigung?
ERKAN: Nach drei Kinofilmen und allem, was wir gemacht haben, stellte sich irgendwann die Frage: Was soll jetzt noch kommen? Wir waren überall präsent und dachten: „Lieber sagen wir von uns aus, dass wir mal was anderes machen wollen.“ Ich wollte dann mal so nen seriösen Typen spielen...

... den SS-Sturmbannführer im Holocaust-Drama „Wunderkinder“?
ERKAN: Ich hab’ gedacht, ich spiel jetzt mal den John Friedmann. Ein spannender Prozess. Letztes Jahr bei der Premiere von „Bullyparade. Der Film“ haben wir uns dann zum ersten Mal seit langem wieder getroffen: „Sag mal, wirst du auch so oft angesprochen? Irgendwie liegt das in der Luft. Warum macht ihr nicht wieder was?“ Dann das Comeback von den 90s und der ganze Zeitgeist...

STEFAN: Hundert Pro. Ich bin ja viel unterwegs in der Comedy-Branche, und egal, wo ich auftrete, werde ich immer wieder auf „Erkan und Stefan“ angesprochen: „Wie schade! Neuer Film wär schon cool.“ Irgendwann haben wir dann die Köpfe zusammen gesteckt: Was könnten wir denn machen? Offenbar ist eine Nachfrage da.

ERKAN: Als wir damals aufgehört haben, haben wir ja alles auf die Spitze getrieben – da hat das Land erst mal gebraucht, um das alles zu verarbeiten. Dann gab es so eine Standby-Phase, aber seit zwei, drei Jahren ist es so, dass es in der Welt brutal abgeht, dass die Welt total crazy geworden ist. Der größte Clown und Pussygrabber ist der mächtigste Mann der Welt geworden! Und dann ist es für uns schon spannend, als Erkan und Stefan auf die Welt zu schauen.

Trump ist also auch Thema.
ERKAN: Klar, logo, hey, krasser Typ. Hast du mal gesehen, wie schön seine Frau ist? Die ist viel schöner als die Frau von der Merkel.

Was sind die Themen auf der Bühne?
​​​​​​STEFAN: Wir sprechen aufrichtige Themen an, alle Themen, die in der heutigen Zeit wichtig sind. Alles kriegt sein Fett weg, logisch.

ERKAN: Bunnies, Titten, Döner ist ja immer noch genauso wichtig wie früher. Aber wir befassen uns auch mit MeToo. Wir sind sogar schon bei MeToo Two.

STEFAN: Mobilität ist ein Riesen-Thema. Erkan: Ernährung.

Greta?
ERKAN: Die kommt auch kurz vor. Wir finden die Greta irre: Das erste Bunny, vor der Trump Angst hat. Aber ich habe schon Schule geschwänzt, da gab’s noch gar keinen Klimawandel. Und das die ganze Woche. Nur mal so als Tipp. So erzählen wir halt, wie wir mit der Welt zu tun haben. Typisch Erkan und Stefan und nicht mit erhobenem Zeigefinger. Aber mit Respekt.

STEFAN: Und unserem eigenen Twist. Erkan: Und nie unter der Gürtellinie.

Das alte Outfit hing noch so im Kleiderschrank?
Erkan: Das ist die alte Halskette. Die Jacke ist allerdings die LeBron-James-Edition von 2013, als Miami Heat Meister war – ich bin ja Basketballfan. Ein Sammlerstück.

STEFAN: Und das ist der rote Trainingsanzug, den ich immer anhatte.

Und das Originalhandtuch?
STEFAN: Das hat meine Mama genäht. Erkan: In unserem Shop gibt es ein Erkan-und-Stefan-Handtuch, das erste Merchandising-Handtuch überhaupt. Ich glaube, das ist sogar bei Olympia zugelassen.

Wie lange soll die Bühnen-Tour gehen?
Erkan: Es war spannend, wie die ersten Auftritte funktionieren. Teilweise haben wir sehr gute Presse bekommen. Wir haben auch so Bock, und das Publikum ist einfach hot, so dass wir schon bis Dezember 2020 verplant sind.

Heißt für ernsthafte Schauspielerei ist vorerst keine Zeit, oder?
ERKAN: 2019 wird’s knapp. Mal gucken, ob ich nächstes Jahr noch mal ein paar Nazis spiele, oder so was mit Schnurrbart und Trainingsanzug. Oder Erkan und Stefan auf dem Traumschiff. Aber das gab’s ja schon. Nein, aber so wie Stefan nebenher Comedy macht, mache ich noch kleine Synchronrollen, da hab’ ich schon Bock drauf. Aber ich muss sagen: Bei Erkan und Stefan habe ich Blut geleckt. So wie ich früher die Nase voll hatte, hab’ ich jetzt wieder voll Bock, oder?

STEFAN: Das spür’ ich schon.

ERKAN: Als Erkan und Stefan hast du auch ein viel geileres Backstage als als Schauspieler. Schnittchen ohne Kohlehydrate! Das Catering beim ZDF-Fernsehgarten war auch toll.

Hatten Sie viele TV-Auftritte?
Stefan: NDR-Talkshow, ganz oft bei „Genial daneben“, ZDF-Morgenshow, „Volle Kanne“, Großes Kleinkunstfestival, eine Talkshow in Leipzig, Wiesn-Finale, Dieter Nuhr...

Läuft sozusagen.
ERKAN: Wir haben so eine Zeit getroffen, in der die Leute voll Interesse an uns haben.

STEFAN: Die fragen sich: „Was machen die heute? Ziehen die das alte Zeug durch genauso wie damals oder haben die dem Ding einen neuen Spin gegeben?“

ERKAN: Wir gehen auf die Bühne, und dann ist das die alte Erkan-und-Stefan-Magic. Das hat halt kein Anderer so gemacht. Es gibt wenige Odd Couples und wenige Figuren wie uns. Es ist scheißegal, wie alt wir sind, Hauptsache wir haben dieses Erkan-und-Stefan-Ding. Das kann keiner kopieren.

STEFAN: Wir haben tolle Kritiken bekommen: „Werfen sich zwei volle Stunden lang die Bälle zu, verlieren nie den Faden und wirken stets locker und spontan. Die Gags sitzen, und die Pointen werden gekonnt gesteigert.“ Augsburger Allgemeine, Bruder! Erkan: Das haben wir uns übersetzen lassen: Das hört sich auf Deutsch ziemlich gut an. Es ist eine fette Ehre, dass sie für uns den Circus Krone gebucht haben. Früher war der immer zu groß für uns. Unser größter Auftritt war auf Tollwood, vor 2500 Zuschauern.

STEFAN: Wir rocken das Ding. Wir hatten in Ingolstadt 500 Zuschauer, Augsburg 700, Kempten ausverkauft – mit 400.

ERKAN: Und wir haben diesen neuen Song: „Ehrenmann“. Hast Du schon mitbekommen?

Nö.
STEFAN: Den musst Du unbedingt spielen in der Zeitung! Erkan: Schon 110 000 Klicks in einem Monat! Schau mal: (Lässt das Video auf dem Handy laufen) Interessant, was die Leute auf Youtube dazu schreiben. Da haben wir ja keinen Einfluss drauf: „Krasse Erinnerung an die Filme. Sehen immer noch so aus wie früher. Kein Stück gealtert. Ihr seid immer noch Legenden.“ Das ist cooles Feedback! Wir sind auch stolz, dass wir Teil der Münchner Stadtgeschichte geworden sind. Wir haben ja immer unsere Hood gefeiert. Es gibt ein Plakat von München mit lauter Emoticons, lauter Figuren wie Moshammer, Langhans, der Alois im Himmel – und mit uns! Wir sind Teil der Stadt geworden! 

Erkan & Stefan, Sonntag, 20. Oktober, 18 Uhr, Circus Krone, Karten (32 Euro), Telfefon 54 81 81 81

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading