Comeback nach Doping-Sperre WTA-Turnier in Stuttgart: Der Scharapowa-Ärger

Ihr Start in Stuttgart ist umstritten: Maria Scharapowa, Siegerin der Jahre 2012 bis 2014, erhält nach ihrer Dopingsperre eine Wildcard. Foto: dpa

Die Russin gibt nach ihrer Dopingsperre beim WTA-Turnier in Stuttgart ihr Comeback – mit einer Wildcard, die umstritten ist. "Ich möchte mich dazu nicht äußern", sagt Görges, die nicht starten darf.

 

Sie befand sich auf einer emotionalen Achterbahnfahrt. Glücklich – und doch niedergeschlagen. Julia Görges, die Fed-Cup-Matchwinnerin, fühlte sich nach dem 3:2 im Playoff-Duell gegen die Ukraine in Stuttgart verloren. Irgendwie im Stich gelassen. Kein Wunder: Ausgerechnet beim WTA-Turnier in dieser Woche an gleicher Stelle wird Görges nicht am Start sein. "Ich möchte mich dazu nicht äußern. Ich glaube, meine zwei Siege am Wochenende haben genug gesagt", meinte die Weltranglisten-45. sichtlich verstimmt und kritisierte damit indirekt die Vergabe der Wildcards beim Sandplatz-Event in der Schwabenmetropole.

Vor allem der Freifahrtschein für Dopingsünderin Maria Scharapowa, der internationalen Markenbotschafterin des Turnier-Hauptsponsors, sorgt seit Monaten für reichlich Diskussionsstoff. Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner konnte den Ärger von Görges – immerhin Stuttgarter Turniersiegerin von 2011 – nachvollziehen. "Auch mir blutet das Herz, weil Jule nicht dabei sein kann", sagte Rittner: "Das ist wahnsinnig traurig. Vor allen Dingen, wenn man Jules Leistung am Wochenende gesehen hat."


Hat das Nachsehen: Julia Görges. Foto: dpa

Zumal nur eine von insgesamt drei Wildcards an eine deutsche Spielerin (Laura Siegemund) vergeben wurde. Üblicherweise statten die Verantwortlichen mindestens zwei Lokalmatadorinnen mit dieser Berechtigung aus. Neben Scharapowa, die am Mittwoch nach 15-monatiger Sperre wegen Meldonium-Missbrauchs ihr Comeback feiern wird, und der letztjährigen Finalistin Siegemund bekam auch die Britin Johanna Konta (WTA-Nr. 7) eine Wildcard. Görges konnte in der Qualifikation nicht an den Start gehen, weil sie im Fed Cup spielte.

Turnierdirektor: Scharapowa "hat jedes Recht der Welt zurückzukommen"

Viele Tennisprofis kritisierten die Vergabe einer Wildcard an Scharapowa, die wegen ihrer Unnahbarkeit auf der Tour ohnehin recht unbeliebt ist. "Etwas seltsam" finde sie diese Praxis, hatte Angelique Kerber gesagt, und der Weltranglistenerste der Männer, Andy Murray erklärte, Dopingsünder dürften keine Hauptfeld-Garantie erhalten: "Sie sollten sich das im Vorfeld wirklich erarbeiten müssen."

Turnierdirektor Markus Günthardt verteidigte das Handeln der Verantwortlichen in Sachen Scharapowa. "Natürlich ist es schade, dass Jule Görges nicht dabei ist. Sie hat in der Vergangenheit aber schon Wildcards bekommen und kann sich nicht beklagen", sagte Günthardt. Der Schweizer unterstrich, dass Scharapowa ihre Sperre abgesessen habe und damit "jedes Recht dieser Welt hat, zurückkommen zu dürfen". Die fünfmalige Grand-Slam-Gewinnerin hatte in Stuttgart dreimal den Titel geholt (2012-2014). "Maria ist ein Weltstar, sie hat die Halle in der Vergangenheit zum Brodeln gebracht."


Zum Geheimtraining in eine Stuttgarter Tennishalle: Scharapowa. Foto: dpa

Scharapowa selbst konterte in einem Interview mit dem stern. Es sei ihre "geringste Sorge", wie sie von den Konkurrentinnen empfangen werde, sagte die Russin, die gestern ein Geheimtraining in einer Stuttgarter Tennishalle absolvierte. "Ich weiß, dass ich in meinem Bereich respektiert werde. Ich sehe es daran, wie sie gegen mich spielen." Görges wird das nicht interessieren, sie trat verstimmt die Heimreise an.

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