Coach des TSV 1860 München Löwen-Trainer Moniz, der Vulkan

Schaffte sich mal wieder Luft und machte dann seine Spieler rund. Löwen-Trainer Ricardo Moniz schrie: "Es kotzt mich an." Foto: imago

1860-Trainer Ricardo Moniz, rechnet mal wieder mit den Profis ab: Er kritisiert Stark („Gebt doch die Antwort auf dem Platz“), Weigl („Nicht nah dran an der ersten Elf) und Wood – immerhin Tomasov bekommt Lob.

 

München - Ricardo Moniz stand mit hochrotem Kopf am Spielfeldrand. Man konnte förmlich spüren, wie sich die Wut während des Trainings seiner Löwen in ihm aufstaute, unaufhörlich nach oben wanderte – und am Ende vulkangleich eruptierte. „Das kotzt mich an! Es geht um die Mannschaft, sonst nichts. Man muss sich nicht immer selbst profilieren“, schrie der 50-Jährige über den Platz. Dann drehte er sich verärgert ab.

Das, was er sah – oder wohl eher ertragen musste –, verhagelte dem Trainer des Tabellenvorletzten, der nach drei Spieltagen in der Zweiten Liga weiter ohne Sieg dasteht, offensichtlich die Laune so richtig. Entgegen aller Empfehlungen, die im Handbuch für angehende Pädagogen so festgehalten sind, watschte er seine Spieler vor dem Spiel des TSV 1860 am Sonntag (13.30 Uhr, sky) gegen Darmstadt nochmal ab. Moniz feuerte eine gewaltige Breitseite mit enormem Streuwinkel ab. „Ich halte nichts von Manipulationen oder Schleimereien“, sagte er.

Und so kamen gleich mehrere Löwen-Akteure (aktuelle und schon abgewanderte) in den Genuss der Moniz-Wutpfeile.

Yannick Stark:
Der 23-Jährige ist mit seiner Situation bei den Löwen unzufrieden – er will nicht weiter den Bankdrücker geben. Gegner Darmstadt will ihn gerne holen. „Vor oder nach dem Spiel ist uns egal“, sagt deren Trainer Dirk Schuster. Wenn der 23-Jährige mehr Spielzeit bekommen würde, wäre ein Wechsel „kein Thema“, bestätigte Stark der AZ.

Für Stammplatz-Forderungen hat Moniz jedoch überhaupt kein Verständnis. „Gebt doch die Antwort auf dem Platz“, motzte der Trainer: „Du kannst nicht sagen, du willst in die Startelf. Das kann Kiraly nicht, und das kann Stark nicht. Yannick ist normal ein Stammspieler. Den Stark aus seiner guten Zeit in Frankfurt haben wir hier noch nicht gesehen. Wenn er jetzt weggeht, tut ihm das auch weh, weil er sich nicht beweisen konnte.“ Der so Gescholtene hatte Moniz in der „Vorbereitung nicht beeindruckt“, dafür aber immerhin im Spiel gegen Heidenheim. Moniz: „Stark steht jetzt vor Julian Weigl.“

Julian Weigl:
Der 18-Jährige hat einen dramatischen Absturz in der Trainergunst hinter sich. „Er ist nicht nah an der ersten Elf dran“, verriet der Trainer. Vom Shooting-Star zum Auslaufmodell: Weigl sollte der Vorzeigespieler unter Moniz werden. Er beförderte ihn zum Kapitän, doch der Jungspund konnte das Vertrauen nicht rechtfertigen. Eine Party-Affäre später bekannte Moniz: „Der Dialog mit den Spielern lohnt sich nicht immer.“ Jetzt herrscht Funkstille: „Ich habe nicht mehr mit Weigl gesprochen. Ich hoffe nur, dass er eine Reaktion zeigt.“ Doch nicht nur Weigl und Stark bekamen ihr Löwenfett weg.

Bobby Wood:
„Wenn die Torgefahr nicht gekauft werden kann, muss man sie selbst entwickeln“, meinte der Trainer. Seit Wochen forderte er vehement nach personeller Unterstützung für Torjäger Okotie. Bisher vergeblich. Auf der Außenbahn war Wood seine Aufgabe noch nicht gewachsen. Besonders sein Auftritt im letzten Spiel brachte den Trainer in Rage. „Er hat mich gegen Kaiserslautern eine Halbzeit überzeugt, dann kam nichts mehr. Das ist nicht normal. Bobby Wood schießt in Heidenheim aus zwei Metern übers Tor“, ärgerte sich Moniz, der aber auch ein wenig Lob übrig hatte.

Marin Tomasov:
Der „Lichtblick“ für den Trainer. Vom ausrangierten, nicht-integrierbaren Außenseiter der letzten Jahre wurde Tomasov zum zentralen Element im Spiel. „Tomasov war fantastisch gegen Heidenheim. Das ganze Spiel über, er kann, wenn er will“, sagte Moniz. Doch bei Moniz kommt Lob selten ohne Verbalwatschn daher. Er habe lange auf seinen „phlegmatischen“ Spieler einreden müssen. „Ich hab zwei Stunden mit ihm diskutiert, weil er nicht in der Verteidigung spielen wollte“, erklärte Moniz. Er hat den Pädagogen eben doch drauf – manchmal zumindest.

 

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