Club-Talent Chandler Die Mama sorgt für Bodenhaftung

Dynamik pur: Timothy Chandler klarer Sieger im Laufduell mit St. Paulis Fin Bartels (rechts). Foto: Wolfgang Zink

NÜRNBERG Schöne, neue Heimat – und das liegt nicht nur an der vorzeitigen Vertragsverlängerung, bei der Club-Youngster Timothy Chandler „nicht überlegen musste, um zu unterschreiben”. Statt nur bis Saisonende darf der 20-Jährige nun bis 30. Juni 2013 in der Noris bleiben.

 

"Junge, du musst jetzt am Boden bleiben"


Seinen beinahe kometenhaften Aufstieg vom Perspektivspieler im Regionalliga-Team zum verlässlichen Bundesliga-Allrounder hat Chandler vor allem Mama Sabine zu verdanken. „Sie warnt mich immer: ,Junge, du musst jetzt am Boden bleiben.’ Das befolge ich natürlich”, erzählt der im letzten Jahr bei Eintracht Frankfurt abrasierte Timothy.
Kleinere, aber langwierige Blessuren hatten ihm bei den Hessen den Sprung zu den Profis verbaut. Im Nachhinein ist Chandler froh, „dass es so gekommen ist”. Schon bei den Amateuren, aber gerade im Wintertrainingslager im türkischen Belek unter den Fittichen von Cheftrainer Dieter Hecking, deutete der Deutsch-Amerikaner sein Potenzial an, sagte Anfang Januar: „Mitnehmen was geht, viel von den Älteren abschauen. Vielleicht reicht’s für Kurzeinsätze.”
Und die sollten schneller kommen, als er das erwartet hatte. Erstmals eingewechselt wurde Chandler beim 1:1 in Freiburg, kam auch bei den Heimsiegen gegen den HSV und Leverkusen auf insgesamt 47 Minuten. Noch besser: Die letzten vier Partien durfte er von Anfang bis Ende bestreiten. Bilanz: ein Tor und eine Vorlage beim 4:1 in Stuttgart, eine Gelbe Karte und durchweg positive Kritiken. „Wahnsinn, ein Traum. Vor sieben Monaten habe ich vor 200 Zuschauern gekickt, jetzt sind es wie auf Schalke über 60000. Ich muss mich manchmal zwicken, um das alles glauben zu können”, strahlt Timothy, der sich, egal ob defensiv oder offensiv, „auf der rechten Außenbahn am wohlsten fühlt”.

"Hier sind wir eine richtige Familie"


Zwecks Bodenhaftung fährt er oft heim zu Mama Sabine nach Frankfurt. Sie ließ sich kurz nach Timmys Geburt von seinem Vater, einem US-Soldaten, scheiden. Wenn er dann zwangsläufig am Eintracht-Gelände vorbeikommt, ist da „viel Genugtuung dabei, dass ich in Nürnberg geschafft habe, was mir dort keiner zugetraut hat. Aber das ist abgehakt”. Nur der Club zählt noch. Obwohl es nach nur sieben Erstliga-Einsätzen schon Angebote anderer Erstligisten gab. „Ich wäre im Juni ablösefrei gewesen, aber ich habe Nürnberg viel zu verdanken”, weiß der Hobby-Thaiboxer.
Durchschlagen will sich auch Nassim Ben Khalifa unter Hecking. „In Wolfsburg war die Kommunikation sehr schwer”, berichtet der 19-jährige Stürmer aus der Schweiz mit tunesischen Wurzeln nach seiner Ausleihe zum Club bis 2012. „Hier sind wir eine richtige Familie, und das ist ein sehr gutes Gefühl.” Das ihn bei seiner Profi-Premiere gegen St. Pauli letzten Samstag derart beflügelt hat, dass er gleich das dritte von vier Toren von Christian Eigler perfekt auflegte. Schöne, neue Heimat eben. 

 

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