"Chemiewolke", "Sägespäne!" Interview: "In vielen Kliniken gibt es Verbesserungsbedarf"

Graues Brot, graurosa Wurst und Kompott – immerhin nicht grau.
Graues Brot, graurosa Wurst und Kompott – immerhin nicht grau. Foto: Sabine Gerst

 

Welchen Einfluss hat das Essen auf Patienten? Diplom-Ökotrophologin Eva Hoffmann erklärt. Die Ernährungsforscherin arbeitet bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Davor war sie 15 Jahre Diätassistentin in einer Klinik.

AZ: Frau Hoffmann, wie viel hat die Ernährung mit dem Gesundungsprozess zu tun?
EVA HOFFMANN: Das richtet sich natürlich nach der Art der Erkrankung. Wenn man ein orthopädisches Problem hat, ist die Ernährung in der Therapie sicher nicht das Wichtigste. Aber es ist bei jedem Gesundheits- und Krankheitszustand wichtig, bedarfsgerechte, gesundheitsfördernde Kost anzubieten. Wie diese aussehen soll, beschreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in ihren Qualitätsstandards für verschiedene Lebenswelten.

Verpflichtende Standards?
Im Moment ist die Umsetzung nicht verpflichtend. Und es gibt sicher noch in vielen Kliniken Verbesserungsbedarf, aber der DGE-Standard setzt sich immer mehr als Maßstab durch. Er soll eine Hilfestellung sein, darum bieten wir Seminare an für Küchen-Fachkräfte oder vermitteln auch Praxispaten.

Wer nur drei Tage im Krankenhaus ist, für den ist das Essen natürlich nicht so elementar. Für welche Patientengruppe ist es am wichtigsten?
Für alle. Auch bei nur drei Tagen Aufenthalt hat das Krankenhaus ja eine Vorbildfunktion. Der Patient vergleicht das, was er bekommt, mit dem, was er sonst isst. Wenn Arzt, Pflege und Küche als multi-disziplinäres Team zusammenarbeiten, kann die Klinik in der Ernährung der Patienten verbessernd wirken und ernährungstherapeutischen Rat geben.

Wie stehen Sie dann zu externen Essenslieferanten?
Ein gesundheitsförderndes Speisenangebot kann auch ein Caterer realisieren, wenn die Kriterien eingehalten werden. Es ist wichtig, dass eine Ernährungsfachkraft sowohl in der Klinik vor Ort ist als auch beim produzierenden Unternehmen. Aber selbst dann ist es mit der Flexibilität schwierig: Patienten kommen und gehen kurzfristig, Gesundheitszustände ändern sich – und spontanes Reagieren ist schwierig, wenn man mit einem externen Dienst arbeitet.

Warum tun sich viele Krankenhäuser so schwer, ansprechendes Essen zuzubereiten?
Bauliche und logistische Voraussetzungen spielen da eine große Rolle, und das Budget. Mit mehr Geld kann der Küchenchef anders einkaufen und über Fachpersonal verfügen. Das ist vor allem eine Entscheidung der Krankenhausleitung. Die muss sagen: "Ernährung ist wichtig", und entsprechend handeln.

 

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