Chelsea holt Europa League Der Bayern-Alptraum: Ätsch, we did it again!

Vorgeführt – und doch gewonnen. Die Briten siegen wie 2012 in München. Gibt es im August ein Duell gegen den FC Bayern? Mit Mourinho gegen Guardiola?

 

AMSTERDAM Den Bayern-Spielern, die sich am Mittwochabend das Europa-League-Finale zwischen dem FC Chelsea und Benfica Lissabon (2:1) angeschaut haben, muss es den Magen umgedreht haben. Wieder dieses Chelsea! Wieder derart grausam! Und zugleich war der Mitfühl-Faktor mit den unterlegenen Portugiesen um so größer.

Wie sich die Bilder gleichen. Am 19. Mai 2012 in München beim Champions-League-Finaldrama „dahoam“, nun Mittwoch in Amsterdam, Die bessere Mannschaft verliert, die schlechtere weiß nicht, warum sie gewonnen hat. Ein blaues Fahnenmeer in der Kurve, ausgelassene Chelsea-Spieler, von sich selbst überrascht. Das Symbol des „ugly winning“: David Luiz streckte ständig seine Zunge raus. Ätsch, we did it again.

Auf der anderen Seite: apathische und tieftraurige Verlierer. Und vorher: Ecke, Kopfball, Tor. Diesmal in der Nachspielzeit. Vor einem Jahr sicherte Drogba so das Elfmeterschießen, Mittwoch köpfte Ivanovic per Bogenlampe den 2:1-Siegtreffer. Gnadenlos.

Gnadenlos gut? „Ohne uns hätte England ein Problem“, sagte Torhüter Petr Cech nach dem Finale von Amsterdam: „In den letzten beiden Jahren war der englische Fußball abhängig von uns.“ Chelsea hat Einmaliges geschafft, für zehn Tage ist der Verein amtierender Champions- und Europa-League-Sieger. Darüber können Juan Mata und Fernando Torres, der Torschütze zum 1:0, nur lachen: die Spanier sind zusätzlich amtierende Welt- und Europameister.

„Da ist ein besonderer Geist in dieser Mannschaft, nie aufzugeben und immer irgendwie einen Weg zu finden, zu gewinnen“, schrieb „The Daily Mail“. Und „The Independent“: „Chelsea hat eine chaotische Saison glorreich beendet. Sie sind die Experten dafür, europäische Pokale so zu gewinnen, wie man es normalerweise nicht tut. Wie in München wurden sie teilweise in Stücke zerrissen und vorgeführt.“ Schließlich feixte „The Sun“: „Der Geist von Bayern München war allgegenwärtig.“ Trainer Rafael Benitez wird zur neuen Saison von José Mourinho (noch bei Real Madrid) abgelöst, der an die Stamford Bridge zurückkehrt.

Am 30. August könnte es somit in der „Eden Arena“ von Prag zu einem Duell der Trainer zwischen Mourinho und Pep Guardiola kommen, der ab 1. Juli den FC Bayern übernimmt. Ausgespielt wird der Europäische Supercup – für die Teilnahme muss Bayern am 25. Mai lediglich den BVB schlagen. Manch Bayern-Spieler käme diese Möglichkeit zur Revanche sicher sehr gelegen, aus der diesjährigen Champions-League-Saison hatte sich Chelsea ja schon in der Vorrunde verabschiedet.

Drei Erkenntnisse bleiben: Erstens legte der verletzte Kapitän John Terry „den schnellsten Strip hin, den man in Amsterdam je abseits des Rotlichtviertels gesehen hat“ („The Sun“). Zweitens verlängerte Frank Lampard seinen Vertrag um ein Jahr. Und drittens meinte „The Telegraph“: „Vielleicht sollten die Spieler künftig ihr Gehalt in Euro bekommen.“ Unwahrscheinlich.

 

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