Charlotte Knobloch ist empört "Palästina/Israel": Wirbel um angeblich israelfeindlichen Vortrag im Gasteig

Ist sauer: Charlotte Knobloch (l.) Trägt vor: Christopher Ben Kushka. Foto: Peter Kneffel/ho/AZ

Info-Abend über eine Boykott-Aktion gegen Israel: „Modernisierte Form des Nazi-Jargons ,Kauft nicht bei Juden’", kritisiert Knobloch.

München – Es ist einer von vielen Vorträgen, die in den vermieteten Räumen des Gasteig stattfinden. Nur wenige davon dürften als „antisemitisch“ bezeichnet werden. Einer aus Reihe „Palästina/Israel – Herbst 2015“ am Samstag ist es jedoch mit Sicherheit.

Es ist ein harter Vorwurf von Charlotte Knobloch gegen das Projekt BDS („Boycott, Divestment and Sanctions“ – Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen), das dort vorgestellt werden soll: Antisemitisch sei es, tarne „das sozial nicht adäquate ,Kauft nicht bei Juden!’ als modernisierte Form des Nazijargons in der Forderung ,Kauft nicht vom jüdischen Staat!’“, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern der israelischen Zeitung „Jerusalem Post“.

Christopher Ben Kushka, selbst Mitglied bei BDS Deutschland, soll in dem Vortrag über die Hintergründe, Entwicklung und Wirkung der Kampagne sprechen. Diese will Israel beispielsweise über den Boykott von Exportgütern zwingen, die Besetzung der Palästinensergebiete zu beenden.

"Wir können daraus nicht ersehen, dass es sich um einen Boykottaufruf handelt", sagt das Kulturreferat

„Ich habe BDS lange nicht unterstützt“, sagt Judith Bernstein von der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe München, die die kurze Vortragreihe organisiert. „Inzwischen denke ist, es ist das Einzige, das wirken kann. Der Konflikt geht auf die Politik zurück. Da war es klar, dass die Zivilgesellschaft das irgendwann in die Hand nehmen muss.“

Knobloch erklärte es für „inakzeptabel, dass solche anti-israelischen Veranstaltungen in städtischen Räumlichkeiten abgehalten werden“. Vom Gasteig heißt es, solange die Veranstaltung im demokratischen Rahmen sei, sehe man keinen Anlass zum Handeln.

Das Kulturreferat der Stadt München erklärt dazu: "Durch die Förderung einer Meinungsvielfalt verhält sich die Kommune selbst politisch neutral. So unterstützt sie beispielsweise die Palästina-Tage ebenso wie die Jüdischen Kulturtage, die jeweils jährlich stattfinden." Eine Bezuschussung der Reihe finde nicht statt, lediglich der Vortragssaal in der Bibliothek sei mietfrei. Aus der Beschreibung der Veranstaltung könne das Kulturreferat nicht ersehen, "dass es sich um einen Boykottaufruf handelt".

Der Vorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, Volker Beck (Grüne), hatte im März öffentlich kritisiert, die Bundesregierung ducke sich weg, indem sie BDS nicht als antisemitisch einstufe.

 

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